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CD-Review

Freak Puke

Artikel veröffentlicht am 22.06.2012 | 1322 mal gelesen

Es gibt wenige Bands, bei denen man nach so langer Bandgeschichte auf einer neuen Scheibe immer alles erwarten muss. Genau zu dieser Sorte Band gehören THE MELVINS. Sie haben in der Vergangenheit schon einige Male als das beste Beispiel dafür fungiert, wie nahe Genie und Wahnsinn beisammen liegen können. Mit "Freak Puke" liefern THE MELVINS, die schon Musik machten, als ich noch nicht einmal geboren war, nun ihr bereits 18. Werk ab. Man muss allerdings festhalten, dass sie sich hierbei den Namenszusatz LITE gegönnt haben, um darauf zu verweisen, dass sie in veränderter Besetzung an der Platte gearbeitet haben. Denn wie es scheint, hatten Jared Warren und Coady Willis, die normalerweise Teil der Band sind, anderweitig zu tun und wurden durch den FANTOMAS-Bassisten Trevor Dunn ersetzt. Wer jetzt allerdings aufgrund des Namenszusatzes leichte Kost erwartet, der irrt sich gewaltig. Zwar muss man sagen, dass aufgrund der Tatsache, dass auf der Scheibe kein normaler E-Bass zum Einsatz kommt, sondern eben Trevor Dunn sich am Kontrabass abmüht, THE MELVINS selten so leicht und verträumt geklungen haben. Trotz dessen braucht man eine gewisse Zeit zum Reinhören. Das stört aber nicht, denn die Band war schon immer dafür bekannt, dass sie keine Alben produziert, die man mal eben so nebenher beim Kaffeetrinken anhört.

Dies bemerkt man schon beim Opener "Mr. Rip Off", weil einem vor Augen geführt wird, wie aufreibend akustisches Saitengekratze sein kann, und man verfällt sofort in Alarmstimmung und fühlt sich an eine Szene aus einem Horrorfilm erinnert, bevor letztendlich die schweren Stoner-Rock-Gitarrenklänge einsetzen und der Song dann, begleitet von leichtem Kopfnicken, vor sich hinplätschert. Mit dem Kopfnicken ist es allerdings schon beim zweiten Track vorbei, denn mit "Inner Ear Rupture" folgt gleich mal ein von Dissonanzen geprägtes Kontrabass-Solo, das seinem Namen alle Ehre macht. Nach der Innenohrzerreißprobe kommt allerdings auch schon die Entschädigung für die erlittenen Ohrenschmerzen, denn "Baby Won't You Weird Me Out" groovt so richtig schön vor sich hin, und man fühlt sich ein bisschen an Grunge-Rock der 80er erinnert, auch wenn hier der Kontrabass eher stört, als dass er den Sound verbessern würde. Das fällt auf, denn irgendwie setzt der Bass das ganze Album über immer dann ein, wenn gerade ein schöner Fluss im Sound ist. Und so wirkt der das Instrument oft eher störend als ergänzend, und deswegen klingt das Album an vielen Stellen wie der Soundtrack zu einem 80er-Jahre Horrorfilm. Weitere Songs, die wirklich gut ins Ohr gehen, sind "Leon Versus the Revolution" und "Let Me Roll It", welche mit netten Riffs und eingängigem Gesang zum Mitnicken animieren, ohne durch experimentelle Spielerein unnötig in die Länge gezogen zu werden.

Insgesamt ist zu sagen, dass es sich trotz des neuen Sounds mit dem Kontrabass um ein eher typisches MELVINS-Album handelt. Keine leichte Kost, häufig anstrengend beim Anhören, aber eben auch antreibend, reizvoll und je nach Song entspannend. Das Album liefert THE MELVINS, auch wenn LITE draufsteht, ist gut gemacht, gehört aber nicht zu ihren genialsten Werken.


Kommentare




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melden Felix König (unregistriert) | 17.01.2013 | 18:22 Uhr

Ich finde diese Kritik miserabel. Zu behaupten der Kontrabass würde genau dann einsetzen, wenn er stört, geht am grundlegenden Verständnis für Kunst vorbei. Wenn alles glatt und steril klingen soll, kann man auch Radio hören (und was dort läuft...