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Durch die Lappen gegangen

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Cytotoxin

CYTOTOXIN – Gammageddon

CYTOTOXIN sind dem Rezensenten damals erst mit ihrem Zweitling “Radiophobia” unter gekommen. Dieser war eine tolle Melange aus eher ungewöhnlichem Thema für eine Tech/Brutal Death Metal Band (dem Reaktorunfall des ukrainischen Atomkraftwerks Chernobyl), wahnsinnigen Sweeps, einer Unmenge an Groove und Aggressivität und zeigte, dass auch die Deutschen international auf dem Tech/Brutal Death Parkett ganz oben mitspielen können. Nun also der Nachfolger 5 Jahre später. Nach dem Weggang von Ollie, dem Tier an dem Drums, waren doch ein wenig Zweifel da, mit Ankündigung von Stephan “Stocki” Stockburger als Ersatz Fellpfleger folgte doch zuversichtlicher Optimismus.

2017 war schon ein tolles Jahr für Death Metal in jeglicher Form und Ausprägung (VALLENFYRE, VENENUM, SUFFOCATION, ORIGIN, DYING FETUS, uvm.) auch wenn nicht alle Alben letztendlich überzeugten. Wie steht es nun mit CYTOTOXIN ?

MASSIVE.RADIATION.DETECTED

Im Vergleich zum Vorgänger “Radiophobia” hat sich eigentlich nicht allzu viel geändert. Es gibt immer noch gewaltig auf die Kauleiste, das charakteristische Sweep-Picking, Flitzefinger-Solos und technische Riffs treffen auf brutale Breakdowns, es wird aber auch mal schon stumpf einfach ein “Chugga-chugga-Riff” rausgeholzt. Die Songs bieten im Gegensatz zu “Radiophobia” aber besseres Songwriting und mehr Abwechslung: Das Tempo wird öfter variiert, die Songs stehen mehr für sich selbst und haben alle Wiedererkennungswert. Stocki feuert das alles mit Überschallgeschwindigkeit-Blasts an, ist aber – vor allem in den Akzenten auf den Becken – immer noch sehr variabel. Dies lockert das etwas maschinelle Feeling, das die Drums in diesem Genre meist haben, sehr gut auf. Über allem thront das Organ und die Pigsqueals (von denen ich nicht der größte Fan bin, hier sind sie aber ok) von Sänger und Frontsau Grimo, zusätzlich hat man sich stimmliche Unterstützung von ABORTED (Svencho ) und BENIGHTED (Julien) geholt, die ausgezeichnet mit hinein passen.

Brutalität, Abwechslungsreichtum, Eingängigkeit. Geigerzähler schlägt überall aus.

Schon der Opener “Radiatus Generis” vereint alle Stärken der Band: Brutalität, technische Versatzstücke, aber auch Abwechslung und eine gewisse Eingängigkeit, zusammen mit netten kleinen Experimenten wie zum Beispiel dem Geigerzähler und einprägsamem Massive.Radiation.Detected Sample am Ende, was massiv groovt. Live sicherlich eine Bank. Der Titeltrack kommt sogar ungewöhnlich melodisch und beinahe episch daher im Chorus, während er dazwischen alles kleinholzt. “Chernopolis” ist der bisher längste Song in der Diskographie und sehr abwechslungsreich aufgebaut. Tracks wie “Chaos Cascade” oder “Corium Era” sind eher kürzer und mehr auf den Punkt. Hier stirbt alles, was bei Drei nicht Zuflucht im Reaktor gesucht hat, während zum Beispiel “Outearthed” sich mehr entwickelt und mehr oder weniger eine Geschichte erzählt. Hier wird nicht der typische Strophe-Chorus-Strophe-Breakdown-Chorus Aufbau verfolgt. Hin und wieder wirken die Songs sogar simplifiziert, man hält ein Riff mal länger anstatt sofort wieder in technisches Zurschaustellen der eigenen Fähigkeiten zu verfallen. Das tut “Gammageddon” extrem gut: Die Songs erhalten Wiedererkennungswert und die Nackenmuskulatur wird voll strapaziert.

Freudestrahlend

Die Produktion ist immer noch differenziert und druckvoll, wirkt auf mich aber nicht mehr so steril wie auf “Radiophobia”, speziell was das Schlagzeug angeht und den hier sehr viel besser hörbaren Bass. Definitiv ein weiterer Pluspunkt, der den Songs zugute kommt. Also ist summa summarum alles vorhanden was ein gutes Album ausmacht: Eigenständigkeit, Eingängigkeit, aber auch Abwechslungsreichtum. Ein kohäsives, fließendes Songwriting. Besinnen auf die eigenen Stärken mit kleinen, aber sinnvollen Experimenten (mehr Melodie, Samples…) angereichert. Dieses Album lässt mich im Gegensatz zu den Kollegen von z.B. DECREPIT BIRTH und ORIGIN, die mittlerweile ein wenig Abnutzungserscheinungen zeigen, freudestrahlend zurück. 9 von 10 Reaktorunfällen. Would blow up again.

PS.: Die Studio Reports sind auch diesmal wieder absolut sehenswert! Ossi-Humor FTW!

(Alexander Santel)

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13.01.2018

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3 Kommentare zu metal.de-Redaktion - Durch die Lappen gegangen

  1. Hypnos sagt:

    Liebe Redaktion, wie kommt es dass euch das letztjährige ‘Album des Jahres’, nämlich ‘Stranger Times’ von Vulture Industries nun ein weiteres mal durch die Lappen gegangen ist? Zumal ihr ankündigende Artikel zu diesem musikalischen Juwel veröffentlicht habt.

    Das grossartige ‘To The Elements’ von Sun Of The Sleepless würde leider auch übersehen

  2. Sven sagt:

    Ich würde mal frech behaupten, euch wäre die neue CD von Leprous durch die Lappen gegangen? Ihr habt sogar ein Konzert-Report gemacht, jedoch nie ein Review von “Malina” veröffentlicht. Bizarr?

  3. FreesingFab sagt:

    Witzig, das sind genau die Albumreviews, die mir hier auch abgegangen sind 🙂 (Also “Stranger Times” von Vulture Industries und “Malina” von Leprous.) Zwei wirklich tolle Alben…
    Wenigstens “Ghost Mile” von Voyager hat es nachträglich noch reingeschafft, auch wenn ich die Kritik der Beliebigkeit nicht ganz nachvollziehen kann und den Songs einen hohen Wiedererkennungswert zusprechen würde. Musste aber vll auch einfach schnell gehen, eine Meinung abzugeben, was bei Prog leicht zu Urteilen führen kann, die man nach etwas “Reifezeit” ganz anders sieht.