Nightwish - Decades

Review

Es gibt Bands, bei denen es keiner großen Worte bedarf, denn großgedachte Musik spricht für sich. NIGHTWISH ist eine dieser Musikgruppen – und das seit zwanzig Jahren. Nach acht Studioalben, mehreren Live-Veröffentlichungen, zahlreichen Singles und EPs ist es an der Zeit, mit „Decades“ die magischen Jahre Revue passieren zu lassen.

NIGHTWISH – „Decades“ – Die Essenz des Symphonic Metal

„Zwischen dem Demowerk und dem aktuellen Album liegen Welten, aber dann wieder auch nicht, wenn man die Atmosphäre, Leidenschaft und vor allem die Mentalität der Band betrachtet, die immer da war – und sich auch in 20 Jahren nicht verändert hat.“Tuomas Holopainen

Alles begann in einer lauen Sommernacht 1996, als der damals 19-jährige Tuomas Holopainen zusammen mit Freunden eine Band ins Leben rief, die sich innerhalb weniger Jahre zu einer weltberühmten Symphonic-Metal-Formation etablierte. Seit jeher sind NIGHTWISH die Meister ihres Genres und erreichen mit ihrer außergewöhnlichen Symbiose aus zurückhaltenden, ergreifenden Melodien und epochalem Bombast Millionen Menschen.

Während auf der letzten Tournee der Longtrack „The Greatest Show On Earth“ Abend für Abend zu einem fulminanten Grand Finale führte, macht der bisher längste NIGHTWISH-Song auf „Decades“ den Anfang. In diesen 24 Minuten offenbart sich dem Hörer eine atemberaubende Klangwelt, in der neben Floor Jansens und Marco Hietalas Gesangsdarbietungen auch Walgesänge und andere Tierlaute aus den Untiefen des Ozeans und Urwalds ihren Platz haben. Auf das evolutionäre Abenteuer folgen alsbald die Songs, bei denen noch Schwedin Anette Olzon das Mikrofon in der Hand hatte. Selbstverständlich sind darunter „Amaranth“ – der populärste NIGHTWISH-Song – sowie die Glanzpunkte aus dem orchestralen Theater auf „Imaginaerum“ zu finden.

Nachdem die Highlights mit Floor Jansen und Anette Olzon den Hörer bereits ordentlich auf majestätische Musik eingestimmt haben, setzt für die alten Anhänger der Band das Hit-Feuerwerk erst noch ein. Mittlerweile sind wir schon über 10 Jahre in der NIGHTWISH-Diskografie zurück gereist und kommen zum internationalen Chartbreaker „Once„, auf dem Tarja Turunen die Massen mit ihrer unverkennbaren Stimme verzauberte. Für den Anfang der zweiten CD hat sich das Metal-Sextett um Mastermind Tuomas Holopainen einen der vollkommensten und essenziellsten NIGHTWISH-Songs überhaupt herausgesucht: Den „Once“-Longtrack „Ghost Love Score“. Hier treffen sich kompositorische Raffinesse und brennende Leidenschaft auf höchstem Niveau und das London Session Orchestra samt Chor glänzt auf ganzer Linie. Neben rifflastigen Songs wie „Wish I Had An Angel“ und „Slaying The Dreamer“ hat die „Decades“-Tracklist mit „The Carpenter“, „Sleeping Sun“ und „Dead Boy’s Poem“ auch ein paar ruhigere Stücke zu bieten. Vor allem die beiden letztgenannten Titel gehören zu den ergreifendsten Werken der Band und bestechen durch ihren ganz eigenen melancholischen Charme.

Für die Best-of-Zusammenstellung wurden die Songs übrigens nicht neu eingespielt oder -gesungen, sondern lediglich von Mika Jussila in den Finnvox Studios einem Remaster unterzogen, um die Originalversionen mit den heutigen Möglichkeiten des Musikstudios aufzupolieren. Somit sind alle drei NIGHTWISH-Sängerinnen auf „Decades“ vertreten – ein großer Unterschied und Vorteil im direkten Vergleich zu den bisherigen Kompilationen „Tales From The Elvenpath„, „Best Wishes“ und „Highest Hopes“ der Band, auf denen nur Gründungsmitglied Tarja Turunen in Bestform zu hören ist. Angesichts dieser musikalischen und gesanglichen Vielfalt sind die gesamten 142 Minuten Spielzeit ein pures Hörvergnügen für langjährige Anhänger, sowie eine perfekte Einstiegsmöglichkeit für neue NIGHTWISH-Fans. Es bleibt zu hoffen, dass die Flamme, die damals bei dem Lagerfeuer auf einer Insel im idyllischen Pyhäjärvi-See in Kitee entfacht wurde, noch viele Dekaden weiter brennt.

02.03.2018