Queensryche - Dedicated To Chaos

Review

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Es ist wieder soweit! Unsere liebsten Prog-Rocker QUEENSRYCHE kommen zwei Jahre nach dem starken, aber viel gescholtenen „American Soldier“ mit neuem Songmaterial zurück und präsentieren pünktlich zum 30-jährigen Bandjubiläum den neuesten Silberling namens „Dedicated To Chaos“. Dabei handelt es sich um das zwölfte Studio-Album der Seattler Prog-Schmiede rund um Frontwunder Geoff Tate. Im Unterschied zu den beiden letzten Veröffentlichungen („American Soldier“, „Operation: Mindcrime II“) wurde dieses Mal nicht ein derart großer Wirbel um die Band und deren gegenwärtige Qualitäten gemacht, denn im Gegensatz zum Nachfolger des Überalbums „Operation: Mindcrime“ und dem konzepttechnisch anspruchsvollen und provokanten Vorgänger wiegen sich QUEENSRYCHE dieses Mal auf der thematisch sicheren Seite und präsentieren „the clash and slash of musical experimentation anchored by the pulse of digital code“, so Bandleader Tate.

So weit, so gut, und tatsächlich: „Dedicated To Chaos“ hat mit den schwermütigen, von melancholisch-ernsten Samples durchzogenen Songs von vor zwei Jahren nicht mehr wirklich viel zu tun; viel eher erinnern die neuen Songs an ältere Taten wie „Empire“, die zwischen rockend und balladesk hin und her switchten, aber immer diese genialen QUEENSRYCHE-typischen, cyberesken Prog-Elemente anhaften hatten. So startet auch „Dedicated To Chaos“ mit „Get Started“ würdevoll mit einer Uptempo-Nummer, die mit einem mitreißenden Refrain aufwarten kann und irgendwie an „Best I Can“ erinnert. Das darauf folgende „Hot Spot Junkie“ drückt ebenfalls auf Gas, bietet treibende Riffs und einen ebensolchen Chorus. Mit „Got It Bad“ bewegen sich QUEENSRYCHE an der stilistischen Grenze zwischen akustischem Rock und irgendwie orientalischen Elementeinflüssen. Auf alle Fälle geben sich die US-Amerikaner musikalisch äußerst minimalistisch, der Song lebt vor allem durch die immer noch grandiose Stimme von Tate.

Mit „Around The World“ können QUEENSRYCHE anschließend mit einem ganz besonderen Highlight aufwarten. Obwohl akustisch stark zurückgedreht und mit einer poppigen, ganz klar radiotauglichen Grundstruktur ausgestattet, ist der Song ein atmosphärisches Klangerlebnis der ganz besonderen Art. Tolle Melodie, lässige Stimme, so muss das sein! Bis dahin ist zwar alles eitel Wonne, mit Easy Listening ist es ab diesem Zeitpunkt aber vorbei, denn „Higher“ ist ein unryhthmisches, von vielen Stilen beeinflusstes, sperriges Songpaket geworden, das sich erst nach zig Durchläufen entfaltet und dann leider auch nicht zur Gänze. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Rausschmeißer „Big Noize“, das sich mir aufgrund einer nervigen Bridge und in die Länge gezogene Spielzeit überhaupt nicht erschließt. Das war’s dann aber auch schon mit Lückenfüllern, denn während „Retail Therapy“ düster-atmosphärisch daher rockt, um in einen Mitgröl-Chorus zu münden, der Sechsminüter „At The Edge“ neben „Around The World“ eines der Highlights des Albums ist (rockig, hart, eingängig), „Drive“ trocken runtergespielt wird, um anschließend hymnisch zu werden und „Wot We Do“ spärlich mit Piano-Elementen und einer jazzigen Melodie umgesetzt wurde, können auch die abschließenden Titel „The Lie“ und der wohl aggressivste Song der Platte „I Take You“ überzeugen.

Tja, was will man eigentlich mehr? „Dedicated To Chaos“ braucht seine Zeit, wirkt auf den ersten Blick nicht immer überzeugend, erschließt nach einigen Hördurchgängen aber immer mehr. Moderne Prog-Riffs, eine grandiose, sirenenartige Stimme eines Geoff Tate, songwritingtechnisch unglaublich ausgereift und vor allem unvergleichlich abwechslungsreich – das sind QUEENSRYCHE anno 2011. Das ist alles sehr gut und man sieht, dass die Amerikaner nicht immer zwingend auf ein zugrunde liegendes Konzeptthema zurückgreifen müssen, um zu funktionieren. Manchmal ist es vielleicht sogar besser, einfach nur Musik zu machen. Luft nach oben ist bei QUEENSRYCHE aufgrund vergangener Glanztaten natürlich immer noch offen, wem Alben wie „Empire“ aber gefallen hat und musikalische Aufgeschlossenheit ins neue Jahrtausend mitgenommen hat, der könnte mit „Dedicated To Chaos“ seine helle Freude haben, denn das Ganze ist richtig gut geworden und mehr erwarten wir von den „Operation: Mindcrime“-Machern ja gar nicht…

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20.06.2011
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