Consequence Of Energy
Nichts ist neutral
Interview
Die Alternative-Rocker von CONSEQUENCE OF ENERGY aus Chile veröffentlichen mit „We Are One“ ihr Debütalbum, das viele Stile vereint und an dessen Produktion Garth Richardson beteiligt gewesen ist. Der Mann ist verantwortlich für eines der bahnbrechendsten Alben aller Zeiten: „Rage Against The Machine“.
Wie sich die Zusammenarbeit mit ihm gestaltet hat, welche Themen auf „We Are One“ musikalisch umgesetzt werden und vieles mehr, hat uns Sänger Michael Bianchi verraten.
Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Debütalbum „We Are One“. Wie fühlt es sich an, dass es endlich erscheint?
Es fühlt sich surreal und gleichzeitig beruhigend an. Dieses Album hat uns lange begleitet, bevor es einen Namen oder eine endgültige Form hatte. Die Veröffentlichung fühlt sich weniger wie der Start von etwas Neuem an, sondern eher wie das Loslassen von etwas, das bereits existierte. Es ist Erleichterung, Dankbarkeit und ein wenig Verletzlichkeit – denn jetzt gehört es den Hörern.
Gibt es ein Hauptthema, auf dass ihr auf der Platte eingeht?
„We Are One“ handelt von Einheit durch Kontrast. Das Album erkundet die Dualität – Licht und Schatten, Angst und Liebe, Zerstörung und Heilung. Es geht darum zu erkennen, dass diese Gegensätze keine Feinde sind, sondern Teil derselben Erfahrung.
Im Kern ist das Album eine Einladung, genauer hinzuhören – auf uns selbst, auf andere und auf das, was uns unter dem Lärm verbindet.
Für mich ist „Into The Void“ der wütendste Song auf dem Album. Siehst du das auch so?
Ja – aber die Wut ist gezielt. „Into The Void“ entsteht aus Frustration, die sich in Klarheit verwandelt. Es ist keine Wut um der Wut Willen. Es ist das Geräusch, wenn man gegen eine Wand prallt und nicht wankt, sondern direkt hindurchzugeht.
Es gibt auch ein Video zu „Into The Void“. Ich habe zuerst die zensierte Fassung gesehen… Musstet ihr diese „entschärfte“ Version veröffentlichen, oder steckt etwas anderes dahinter?
Die zensierte Version war notwendig, um das Video überhaupt veröffentlichen zu können – die Originalfassung wurde auf mehreren Plattformen gesperrt. Anstatt endlos dagegen anzukämpfen, haben wir das Ganze auf die Spitze getrieben und versucht es humorvoll zu überspielen.
Die Zensur wurde Teil der Aussage. Mit etwas Fantasie ist ja ziemlich offensichtlich, was in den zensierten Momenten passiert. Ironischerweise hat die erzwungene Zensur die Botschaft sogar noch verstärkt.
Es gibt ein weiteres Video zu „Searching For Light“. Gerüchten zufolge basiert der Text auf eigenen Erfahrungen…
Dieser Song ist total persönlich. Er entstand aus Momenten der Verwirrung, der Orientierungslosigkeit und dem Versuch, Sinn von Grund auf neu zu finden.
„Searching For Light“ handelt nicht von Antworten, sondern davon, sich selbst zu erlauben, die richtigen Fragen zu stellen. Der Text spiegelt wahre innere Prozesse wider: Zweifel, Hingabe und die stille Entscheidung, weiterzugehen, auch wenn noch keine Klarheit herrscht.
Bitte beschreibe „We Are One“ mit drei Wörtern.
Roh. Ritual. Erwachen.
Ihr habt mit Garth Richardson zusammengearbeitet. Wieviel Einfluss hat er auf das Ergebnis genommen?
Garth versuchte nicht, uns zu verändern, aber er hat uns dabei geholfen unser wahres Ich zu offenbaren. Sein Einfluss bestand darin, die Dinge auf das Wesentliche zu reduzieren und sich voll und ganz darauf einzulassen.
Bezüglich „Into The Void“ beschrieb er den Prozess als insgesamt therapeutisch – roh, konfrontativ und notwendig. Es ging nicht um Beschönigung, sondern darum, alles rauszulassen und die Realität anzuerkennen.
Ihr kommt ja aus Chile. Stimmt es, dass die Fans in Südamerika die besten auf der Welt sind?
Das südamerikanische Publikum hört nicht nur zu – es ist aktiv dabei. Es herrscht Intensität, emotionale Ehrlichkeit und eine enge Verbindung zwischen Band und Publikum. Die Menschen singen und bewegen sich mit Inbrunst. Konzerte fühlen sich oft weniger wie Unterhaltung an, sondern eher wie eine gemeinsame Katharsis. Diese Energie hat uns tief geprägt.
Was sind die Haupteinflüsse für die Musik von CONSEQUENCE OF ENERGY“?
Wir sind von Bands beeinflusst, die Härte und Verletzlichkeit in Einklang bringen – RAGE AGAINST THE MACHINE, DEFTONES, ALICE IN CHAINS, TOOL, SOUNDGARDEN und die frühen QUEENS OF THE STONE AGE.
Gleichzeitig spielen unsere lateinamerikanischen Wurzeln eine große Rolle. Unsere engen Freunde RUNAKAM aus Kolumbien haben uns stark geprägt – nicht nur musikalisch, sondern auch spirituell und kulturell – und erinnern uns an Rhythmus, Rituale und die Verbundenheit mit dem Land.
Unser Tontechniker Dave Schiffman bezeichnete uns einmal als „System Of The Floyd“, was uns sehr gefiel – diese Balance zwischen Härte, Atmosphäre und emotionaler Tiefe trifft genau das, was wir anstreben.
Was liegt euch eigentlich mehr: Studio oder Bühne?
Beides dient unterschiedlichen Zwecken. Das Studio ist ein Ort der Introspektion – ein Ort, an dem man nach innen lauscht.
Auf der Bühne hingegen wird alles kollektiv und unvorhersehbar. Müssten wir uns entscheiden, würden wir die Bühne wählen. Dort gehört die Musik nicht mehr uns allein, sondern allen.
Wofür steht der Bandname CONSEQUENCE OF ENERGY eigentlich?
CONSEQUENCE OF ENERGY ist eine einfache Wahrheit: Nichts ist neutral. Jede Handlung, jeder Gedanke, jedes Gefühl trägt Energie in sich – und jede Energie hat Konsequenzen.
Der Name erinnert uns an unsere Verantwortung und steht gleichzeitig für unsere Stärke. Bewusstsein verändert alles.
Sind in naher Zukunft Live-Auftritte in Europa geplant?
Ja – wir suchen aktuell nach Terminen und Gespräche laufen bereits. Wir wollen aber sichergehen, dass wir „We Are One“ mit all seiner Intensität und Tiefe auf die Bühnen bringen können.
