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Interview mit Tim zum aktuellen Album "Grief"

Interview

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Nach dem sehr vielversprechenden und spannenden Debütalbum „Wish“ und der darauffolgenden ebenfalls sehr guten EP „Loss“, ist GERM mit „Grief“ endlich das gelungen, was die beiden vorangegangen Veröffentlichungen prophezeit haben: Ein traumhaftes Post-Black-Metal-Album, dass weit über Genre-Grenzen hinaus blickt und dennoch eine klare Handschrift trägt. Mit dem Mann hinter GERM, Tim Yatras, der schon bei so illustren Bands wie z.B. AUSTERE, NAZXUL und WOODS OF DESOLATION mitwirkte, sprachen wir über den Werdegang seines Einmann-Projekts, „Grief“ und zukünftige Projekte wie AUTUMN’S DAWN (die künftig ebenfalls bei der Eisenwald Tonschmiede veröffentlichen werden).

 

Tim, da dies unser erstes Interview mit GERM ist und die Sicht der Musiker auf ihre Musik mindestens ebenso interessant ist, wie die der Hörer, würde ich mich freuen, wenn du uns GERM kurz vorstellen könntest.

GERM wurde ursprünglich vor vielen Jahren als Soloprojekt neben meinen Hauptbands gegründet und fungierte als Vehikel für mich, um die Musik zu machen, die ich machen wollte, ohne dabei Rücksicht auf irgendjemanden nehmen zu müssen. In den letzten paar Jahren legte sich allerdings mein Hauptfokus darauf. Im Studio ist GERM immer noch ein Soloprojekt, aber ich habe Sessionmusiker, die mich live unterstützen – so wie Ende letzten Jahres.

„Grief“ ist ja dein zweites Album und eine Entwicklung in Sachen Songwriting ist unstreitbar vorhanden. Wie siehst du das aus Musikerperspektive, merkst du es selber, wenn du beim Schreiben der Songs bist, dass die Ideen vielleicht schon etwas konzentrierter sind als beim ersten Album?

Das erste Album wurde weitestgehend lange bevor es veröffentlicht wurde geschrieben und aufgenommen. Die Songs wurden zwischen 2006 und 2009 geschrieben und hauptsächlich 2009 aufgenommen, ein paar Feinheiten wurden 2011 noch angepasst. „Grief“ dagegen wurde 2012 gescrhieben und im Jahr 2013 aufgenommen. Ich hatte definitiv ein deutlicheres Bild davon, wie das Album klingen sollte, in meinem Kopf. Auf dem ersten Album habe ich zudem im Studio deutlich mehr experimentiert. Ich denke du kannst also definitiv sagen, dass „Grief“ ein deutlich fokussierteres Album ist.

Dein musikalischer Ansatz ist recht ungewöhnlich. Lässt man mal die Black-Metal-Einflüsse beiseite, findet sich eine ganze Reihe elektronischer Parts, die weit über die herkömmliche Verwendung von Keyboards im Metal hinausgehen. Hast du da spezielle Einflüsse, gerade was diese spacigen Passagen angeht?

Wenn es um elektronische Musik geht, kommst du einfach nicht am großartigen Jean Michel Jarre vorbei. Ich weiß, ich rede immer über ihn, aber der Mann ist ein Genie und ein wahrer Wegbereiter der Syntheziser-Musik! Ich habe zudem eine Vorliebe für eine Menge von Brian Enos Arbeiten. Ich kann mich daran erinnern, dass, als „Wish“ erschien, einige Rezensenten sich beklagten, dass die Synthies veraltet klängen, aber das ist genau die Ära, die ich mag. Ich mag nicht so viel von der elektronischen Musik, die aktuell ist, ich bevorzuge die großen Namen der Vergangenheit.

Mit Audrey S. (u.a. AMESOEURS) hast du diesmal einen weiblichen Gast auf dem Album. Wie kam denn der Kontakt zustande? Frankreich liegt ja nicht gerade um die Ecke … und denkst du, dass es auch in Zukunft zu Kooperationen mit Audrey oder anderen Gästen kommen wird?  Ihr Beitrag jedenfalls war sehr beeindruckend.

Ich liebe Audreys Stimme. Sie hat so einen wundervollen Klang. Ich bin mit ihr seit einiger Zeit in Kontakt und als ich sie fragte, ob sie auf dem Album singen wollte, war es wirklich einfach eine E-Mail auf die sie mit „ja“ antwortete. Ich bin so glücklich mit der Arbeit, die sie abegliefert hat und wir arbeiten aktuell an einem neuen Projekt zusammen! Das wird sich komplett von GERM unterscheiden und eine ganz andere Art von Musik sein. Ich hoffe, wir können noch in diesem Jahr unser Debüt veröffentlichen.

Du hast mit GERM unlängst auch live gespielt. Meine Hoffnung, dass du zeitnah mal in Europa vorbeischaust, stufe ich als sehr gering ein. Aber wie war es für dich, die Musik GERMs live darzubieten und welche Musiker haben dich dabei unterstützt?

Inzwischen sind es bereits fünf Shows … es ist wirklich befriedigend, die Musik von GERM auf die Bühne zu bringen, aber irgendwie glaube ich, dass GERM an einem gewissen Punkt wieder dahin zurückkehren wird, einfach nur ein Studioprojekt zu sein. Ich würde zuvor gerne eine Europatour spielen, aber wir müssen abwarten und sehen, was für Möglichkeiten sich von selbst offenbaren. Die Musiker, die mit mir zusammengespielt haben, sind alle Freunde, die in verschiedenen anderen Bands der australischen Szene aktiv sind.

Wie sieht es textlich auf „Grief“ aus? Musikalisch vermittelt es jedenfalls ziemlich tiefgehende Emotionen …

Die Texte sind alle sehr persönlich. Meistens handeln sie von Dingen wie Trauer, Verlust, Sucht, Bedauern etc. All diese netten und lustigen Dinge, haha! Ich veröffentliche nach und nach alle Texte des Albums auf der GERM-Facebook-Seite, also halte Ausschau danach.

Es gab ja leider wiederholt Schwierigkeiten mit der Veröffentlichung auf CD, verantwortlich scheinen Fehler im Presswerk gewesen zu sein, sofern ich das richtig mitbekommen habe – was war denn da los?

Oh ja! Das war wirklich eine verdammte Scheiße. Eisenwald haben das Master im September oder so ins Presswerk geschickt, damit es Ende Oktober veröffentlicht werden kann. Die CDs sollten innerhalb von 14 Tagen geliefert werden. Aber sie haben die Erstpressung nach einer riesigen Verzögerung total verkackt und das Ergebnis war, dass die korrekten physischen CDs nicht vor der ersten Dezemberwoche angekommen sind. Das war eine sehr stressige Zeit, vor allem da wir eine Menge Vorbestellungen hatten und keine Chance, diese auszuliefern!

GERM ist ziemlich speziell und dürfte bei so manchem aufgrund der ungewöhnlichen Einflüsse dementsprechend auch anecken. Das ist sicher kein K.O.-Kriterium, aber welche Reaktionen hast du bislang für deine Musik erhalten, gibt es auch Interessenten außerhalb der Metalszene, die mit deinen Werken was anfangen können?

Ich glaube das meiste war sehr positiv. Manche haben sich beklagt, dass das Album zu lang sei, gerade durch die langsamere zweite Hälfte, aber das war so geplant. Der Gedanke dahinter ist, dass es ein Album ist, welches du hören kannst, bevor du schlafen gehst. Natürlich gibt es auch welche, die das Album gar nicht mögen und es „Girlfriend-Black-Metal“ und solche Sachen nennen, haha. Das ist schon okay, solche Dinge haben mich nie beschäftigt. Bezüglich der Nicht-Metal-Hörer: Einige sagten mir, sie mögen es, aber ich glaube, die meisten wurden von meinen Vocals abgeschreckt.

Letzte Frage: Du bist in einem Projekt namens AUTUMN’S DAWN involviert. Was können sich Hörer davon erwarten?

AUTUMN’S DAWN ist deutlich roher als GERM. Wir haben nicht in einem professionellen Studio aufgenommen, haben kleine Spielfehler nicht ausgebessert  etc. Wir haben versucht, eine wirklich ehrliche Aufnahme zu machen, mit wirklichen Emotionen darauf. Unsere erste Veröffentlichung wird eine Drei-Song-EP sein, die Material beinhaltet, das letztes Jahr aufgenommen wurde. Danach folgt ein Full-Length-Album, welches irgendwann in der ersten Hälfte diesen Jahres aufgenommen wird.

Vielen Dank für das Interview, Tim. Die letzten Worte gehören selbstverständlich dir.

Vielen Dank für das Interview! Bitte schaut für alle News und Updates auf www.facebook.com/germofficial vorbei. Cheers!

21.02.2014

Chefredakteur

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