Lansdowne
"Es geht darum, Dinge loszulassen, die man nicht kontrollieren kann."
Interview
Wir haben mit Jon Ricci von LANSDOWNE über ihr neues Album „Wish You Well“, mentale Gesundheit, 20 Jahre Bandgeschichte und die kommende Europa-Tour 2026 gesprochen.
Hey und willkommen bei Metal.de! Ich bin Leon und heute spreche ich mit Jon, dem Sänger von LANSDOWNE. Schön, dich zu sehen – wie geht’s dir?
Freut mich, dich zu sehen! Mir geht’s gut. Hier in Boston schneit es noch, aber wir freuen uns total darauf, nach Europa zu kommen und die Leute in Deutschland und auf dem ganzen Kontinent zu sehen.
Klingt gut! Erstmal Glückwunsch zum neuen Album „Wish You Well“. Wie fühlt es sich an, das Album endlich veröffentlicht zu haben?
Es fühlt sich großartig an. Das Ganze hat lange gedauert, wir wollten schon länger ein Full-Length-Album machen und wurden auch oft danach gefragt. Ich denke, diese Songs zeigen ziemlich genau, wo wir als Band gerade stehen. Es ist sehr ehrlich, sehr verletzlich – mit typischen LANSDOWNE-Themen wie Herzschmerz und Triumph, aber auch viel rund um mentale Gesundheit.
Wenn du auf die Entstehung des Albums zurückblickst – was bleibt dir besonders im Kopf?
Vor allem der Prozess der Songauswahl. Wir haben so viele unveröffentlichte Songs, und wir wollten unbedingt eine Geschichte erzählen. Da wurde viel diskutiert – im positiven Sinne. Überraschend war auch, wie viel Schmerz noch in uns steckt, den wir verarbeiten konnten. Klar, wir schreiben auch positive Songs, aber wie unsere Fans machen wir eben auch einiges durch – und das macht die Musik greifbarer.
Der Titel „Wish You Well“ klingt sehr reflektiert. Was bedeutet er für dich persönlich?
Ursprünglich sollte das Album „Can’t Wish You Well“ heißen. Aber wir haben gemerkt, dass wir eigentlich eine positive Band sind. Also haben wir das Konzept gedreht: Es geht darum, Dinge loszulassen, die man nicht kontrollieren kann. Zu sagen: „Ich kann nicht mehr Teil davon sein – aber ich wünsche dir trotzdem das Beste.“ Das war ein wichtiger Moment für uns, auch als Band.
Würdest du sagen, es geht eher um Abschluss, Wachstum oder Neuanfang?
Ehrlich gesagt: alles davon. Es geht darum, Dinge zu akzeptieren, Entscheidungen zu treffen und aus Erfahrungen zu lernen. Viele Songs handeln davon, sich aus toxischen Situationen zu lösen und mutig nach vorne zu gehen.
Ihr macht das jetzt seit 20 Jahren – Glückwunsch dazu!
Danke! Es ist verrückt, wenn man darüber nachdenkt. Wir haben uns extrem verändert – von jungen Typen mit fragwürdigen Frisuren bis heute. Wir haben uns Auszeiten genommen, Familien gegründet. Aber das Beste ist: Wir sind wirklich beste Freunde. Wir verstehen uns großartig, und ich glaube, genau das hält uns zusammen.
Klingt nach einer perfekten Grundlage für die kommende Tour.
Absolut. Unsere Shows sind sehr energiegeladen, aber auch locker. Es soll sich anfühlen wie ein Wohnzimmer – wir sind alle eine Familie. Wenn du zu einer Show kommst: Mach dich bereit.
Bist du vor Auftritten noch nervös?
Früher ja, heute ist es eher Vorfreude. Sobald die Musik startet, ist es einfach pure Adrenalin.
Wie unterscheidet sich „Wish You Well“ von euren früheren Releases?
Es ist reifer und geht emotional tiefer. Gleichzeitig haben wir Elemente aus der Vergangenheit beibehalten. Es ist quasi eine Mischung aus dem, was wir waren, und dem, was wir heute sind.
Gibt es einen Song, der dir persönlich besonders wichtig ist?
„Rescue“. Der Song sagt im Grunde: Niemand wird dich retten – du musst dich selbst retten. Das ist eine sehr persönliche Botschaft und soll Menschen Mut machen.
Schreibst du eher aus persönlicher Perspektive oder lässt du Raum für Interpretation?
Die meisten Songs sind sehr persönlich. Aber ich finde es wichtig, dass Fans ihre eigene Bedeutung darin finden können. Musik gehört am Ende allen.
Gab es besonders emotionale Momente im Studio?
Definitiv. Ein Song wie „Now That You’re Gone“ basiert auf meiner Scheidung. Das war intensiv – aber auch wichtig, um das zu verarbeiten.
Du gehst auch stimmlich neue Wege auf dem Album, oder?
Ja, ich nutze mehr von meiner Range, auch Falsett. Ich wollte einfach mehr ausprobieren.
Wie bereitest du deine Stimme auf Tour vor?
Sehr diszipliniert. Ich trainiere vorher regelmäßig, mache Warm-ups, achte auf meine Stimme. Früher war das… sagen wir mal anders (lacht). Heute nehme ich das deutlich ernster.
Auch körperlich scheint ihr fitter unterwegs zu sein, als früher.
Auf jeden Fall. Wir trainieren, achten auf Ernährung – das hilft einfach, die Shows auf einem hohen Level zu halten.
Werdet ihr euch auf Tour auch etwas von den Städten ansehen, in denen ihr spielt?
Tatsächlich ja – diesmal habe ich mir vorgenommen, mehr zu entdecken. Bisher war es oft nur Venue und Bus.
Worauf freust du dich am meisten in Europa?
Ganz klar: Deutschland. Es fühlt sich für uns wie eine zweite Heimat an. Die Fans dort sind unglaublich.
Gibt es Unterschiede zwischen europäischen und amerikanischen Fans?
Ja – in Europa sind die Leute oft mehr im Moment. Weniger Handys, mehr echtes Erleben. Das finde ich großartig.
Auf welche Songs freust du dich Live am meisten?
„Feel You Coming“ und „Rescue“ auf jeden Fall. Die haben eine besondere Energie.
Was erwartest du dir von diesem neuen Kapitel für LANSDOWNE?
Mehr Touren, größere Shows – und vielleicht auch ein paar glücklichere Songs in Zukunft (lacht).
Letzte Frage: Gibt es einen Song, der dich heute noch besonders widerspiegelt?
„Four Wheel Freedom“ steht für das, was ich mitnehmen will – positive Energie. Andere Songs spiegeln eher Dinge wider, die ich hinter mir lassen möchte.
Perfektes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview – wir sehen uns in Frankfurt!
Absolut! Ich freu mich drauf!
