Manos
Als der Black Metal in den Osten kam

Interview

Oft ist der Zufall eine wichtige Komponente. In der metal.de-Redaktion gibt es Menschen, die kennen im Ost-Metal jeden Stein. Ein Gespräch auf dem Hell Over Hammaburg 2026 ergab die Idee, mit der Support-Band MANOS auf dem Headbangers Open Air 2026 ein Gespräch über die Tour mit MAYHEM 1990 zu führen. Wir trafen uns mit dem Sänger, Gitarrist und Bandchef Mike „Andrew“ Andrae.

Wie hat sich MANOS bzw. die Vorgängerband LÖWENHERZ zu DDR-Zeiten gefunden? Die 80er waren eine völlig andere Zeit und in der DDR in der Regel ohne Telefon.

Das ist richtig. Die Bandgründung passierte durch Mitschüler. Mit dem Ingo Zach haben wir LÖWENHERZ gegründet. Er war der Schlagzeuger. Wir haben einfach losgelegt. Wir waren circa 14 Jahre jung und haben uns keine großen Gedanken gemacht. Wir versuchten von Anfang an eigene Lieder zu komponieren. Dazu gibt es bei jungen Menschen eine schnellere Veränderung der Interessen, sodass sich die Bandbesetzung bereits früh veränderte. Wir waren aber alle aus dem gleichen Ort und suchten einen passenden Bandnamen. LIONHEART war die ursprüngliche Idee. Der Name scheiterte aber an der Einstufung der Behörden, die notwendig war, um auftreten zu dürfen. Wir sollten einen deutschen Bandnamen benutzen. LÖWENHERZ lag bezüglich der einfachen Übersetzung auf der Hand. Damit hatten wir aber noch immer keine Einstufung für die Band. Die Musikrichtung war ein weiteres Problem. Die Leute, die LÖWENHERZ einstufen sollten, sind mit der Musik nicht zurechtgekommen. Wir haben eine Beschwerde eingelegt und ein Jahr später erhielten wir die Einstufung in die Mittelstufe. Das war bereits kurz vor der Wende im Frühjahr 1989. Danach waren Einstufungen egal. Wir hatten uns 1988 bereits in MANOS umbenannt. Der Name beruht auf einen Comic. Der nannte sich „Manos The Demon Hunter“. Das Heft hatte ich damals in die Hände bekommen und fand den Titel sehr cool. Sonst hat der Bandname keine weitere Bedeutung.

Wie sind LÖWENHERZ bzw. MANOS während der DDR-Zeit an die Instrumente und das Equipment gekommen?

Es war schon nicht einfach an westliche Instrumente zu kommen. Meine Gitarre, die ich spiele, das ist eine Jolana-Galaxis-Gitarre aus Tschechien. Die habe ich damals im An- und Verkauf erworben und meine Oma hat die Gitarre finanziert. Das war noch in meinem Heimatort Querfurt. 650 Ost-Mark kostete damals das Ding und die spiele ich heute noch. Den Verstärker habe ich 1984 / 85 gekauft. Dann noch mein Verzerrer, ein Heavy Metal 2 Boss. Das ging nur über Freunde, die irgendwo Beziehungen in Richtung Westen hatten. 1500 Mark hat mich das Teil gekosten. Den Verzerrer spiele ich ebenfalls noch heute. Funktionierte immer super.

Wo kam eure Inspiration für die metallische Ausrichtung her?

Die Musiksendungen im Radio, wie zum Beispiel „Tendence Hard Is Heavy“, die immer am Sonntag auf DT64 lief, waren Inspiration. Mitte der 80er waren es Bands wie MOTÖRHEAD, VENOM oder CARNIVORE die uns beeinflusst haben. AC/DC waren die Kindheitserfahrungen und der Einstieg. Dann ging es in die härtere Richtung. Wir versuchten ähnliche Ansätze und komponierten entsprechende Sachen. Wir hatten bereits am Anfang Fun-Lieder mit dabei. Im Prinzip ähnlich wie wir das heute noch spielen. Das ist in jungen Jahren zufällig entstanden und ist bis heute so geblieben.

Dann kommen wir mal zur Wendezeit. 1990, die DDR verschwindet so langsam. Es gab einen Fan-Scene-Schreiber Namens Abo Alsleben. Wie sind MANOS mit Abo in Kontakt gekommen?

„Kadaver Corp Symbols“ hieß das Fan-Scene. So genau kann ich das gar nicht mehr sagen. Ich glaube, dass er uns einfach angeschrieben hat, weil er von MANOS etwas gehört hatte. Er hat ein MANOS-Interview veröffentlicht. Wir waren in der 23. Ausgabe seiner Zeitschrift. Das habe ich noch alles zu Hause im Original liegen. Er hatte ein kleines Festival organisiert, wo sich der Kontakt vertiefte. Dann war diese kleine Tour. MAYHEM spielten drei Gigs, wo wir bei zwei Gigs mit denen – einmal in Zeitz und den nächsten Tag in Leipzig – als Support dabei waren. Wir waren selbst jung und durchgeknallt und machten unser Ding. MAYHEM machten ihr Ding. Da war für uns nichts Außergewöhnliches dabei. Die haben sich angemalt und lieferten ihre durchgeknallte, krasse Show. Für uns war bei der MAYHEM-Show nichts Schlimmes dabei. In Zeitz hatten die Norweger keine Möglichkeit zur Übernachtung. Die sind mit unserem Schlagzeuger nach Hause und haben dort geschlafen. Morgens bei ihm noch gefrühstückt und von dort ging es nach Leipzig.

Wusstest MANOS vorher, was MAYHEM für eine Musik machen?

Nein, wir wussten nicht was für eine Band das ist. Wir wussten das die Black Metal spielen. Wir hatten keine Ahnung, was für eine Show die liefern oder was das für Leute sind. Aber die Truppe war sehr nett und lieb. Die bedankten sich ein paar Mal bei der Mutter unseres Drummers für die Schlafunterkunft und das Frühstück. Das waren normale junge Teenager.

Wie hast du den Sänger Death und den Bandchef Euronymous erlebt?

Nett und eher unscheinbar. Hervorheben wollte er sich nicht. Ich wusste nichts von seinen Depressionen. Der war völlig normal. Wäre dir Death auf der Straße begegnet, hätte niemand geglaubt das er ein Sänger in einer Black-Metal-Band ist. An alle Details kann ich mich nicht mehr erinnern, aber auch mit Euronymous war es sehr angenehm. Die haben uns akzeptiert und respektiert. Die haben unser Schlagzeug genutzt. Ich kann keine negativen Sachen über die damalige Bandbesetzung von MAYHEM erzählen.

Hast du das Leben und Wirken von MAYHEM anschließend weiterverfolgt?

Nein, überhaupt gar nicht. Das kam erst zwei bis drei Jahre später. Da haben wir erst mitbekommen, was für einen Status die Konzerte hatten. Das ist uns gar nicht bewusst gewesen. Fans haben uns bezüglich des Auftritts mit MAYHEM angesprochen. Für uns war es eine Überraschung, dass diese beiden kleinen Gigs im Nachhinein so eine große Aufmerksamkeit erhielten.

Es gibt Aufzeichnungen von den MAYHEM-Auftritten in Zeitz und Leipzig. Gibt es von der MANOS-Shows Aufnahmen?

Nein, nicht das ich wüsste. Ich weiß nicht, wer das Konzert von MAYHEM mitgeschnitten hat. Ob das jemand von MAYHEM war oder vom Veranstaltungsteam, das weiß ich nicht. Von MANOS existieren keine mir bekannten Tonaufzeichnungen.

In Zeitz, da waren nicht viele Leute anwesend, vielleicht 60. In Leipzig waren es mehr, es war schon voller, aber jetzt nicht ausverkauft und auch nicht nah dran. Das Konzert war im Eiskeller, das ist das jetzige Conne Island. Niemand hätte jemals gedacht, dass dieser Abend mal so ein bedeutsames Konzert im Nachhinein wird.

Wie hast Du erfahren das Death und Euronymous nicht mehr am Leben sind?

Ich habe mich mit MAYHEM nach dem Gig nicht weiter beschäftigt. Es war Zufall, circa zwei oder drei Jahre später und ich dachte nur „krass“.

Wie ist das Leben für MANOS als Band nach der Wende weitergegangen? Habt ihr als Underground-Band im Osten agiert oder die Fühler gen Westen ausgestreckt?

In der Wendezeit hatten wir unser erstes Demo aufgenommen, das „Kranker Tannenbaum“-Demo. In dem Zeitraum gab es ein kleines Festival in Berlin. Da bin ich hingefahren mit einem Tape, um mich mit dem Matthias Hopke zu treffen, der die Sendung „Tendenz Hard bis Heavy“ auf DT64 moderierte. Später kam noch Jens Molle dazu, den ich bezüglich MANOS angesprochen hatte. Jens hat unser Tape für gut befunden und uns zu Poserslaughter Records vermittelt.

„Acid War“ lief plötzlich im Radio und dann ging das richtig los. Während der Wendezeit dauerte der Postversand drei oder mehr Tage. Wir haben einen Monat lang täglich drei bis fünf Bestellungen für das Tape bekommen. Wir haben Matthias Hopke und Jens Molle sehr viel zu verdanken. Die Plattenfirma kam 1991 mit unseren erste EP „Manos“ raus, wodurch wir Gigs in Berlin und Umland bekamen. Unser Radius war primär im Osten.

Ab 1997 vergrößerte sich das Betätigungsfeld. Wir hatten durch persönliche Kontakte einige Auftritte im Rheinland und kurze Zeit später sogar beim Wacken Open Air. Das ist durch einen regionalen Veranstalter zustande gekommen. Der war damals für das Booking beim W.O.A. zuständig. Wenn du in Wacken warst, dann bist du interessant für die großen Magazine wie das Rock Hard, Metal Hammer und ähnliche Kaliber.

Musikalisch sind MANOS weit gestreckt, Grindcore, Death Metal, Thrash Metal. Wie ist es zu der musikalischen Entwicklung gekommen?

Durch unsere Vorbilder wie S.O.D., SLAYER, CELTIC FROST, KREATOR oder SODOM hat sich unser Sound entwickelt. Wir fanden die Lieder gut und haben ähnliche Sachen geschrieben. Wir sind sehr offen für verschiedene musikalische Elemente. So richtig auf eine Ausrichtung festgelegt haben wir uns nie.

Die MANOS-Shows sind speziell. Heute auf dem Headbangers Open Air lief der Bassist als Kronenleuchter auf die Bühne. Wie kommen MANOS auf solche Ideen?

Das war schon von Anfang an so. Wir waren mal als Eule am Bass und ich als Pils auf der Bühne. Wir haben von Anfang an unsere Instrumente bearbeitet und anders gestaltet. Das war nie geplant, einfach so aus Spaß hat sich das Ergeben. Die Wattejacke, die ich anhabe, ist aus der Not entstanden. Ich bin direkt nach der Arbeit zu einem Gig gefahren und habe die gleichen Klamotten angelassen. Die Wattejacke ist aus der Wendezeit.

Unser Ziel war nie, dass wir unbedingt bei einem Major Label landen. Wir hatten mit unserem ersten Label Poserslaughter immer ein freies Verhältnis. Wir haben nie einen Vertrag gehabt, es gab nie etwas Schriftliches. Wir konnten festlegen, wann wir wieder mal was Neues rausbringen, was wir machen, welche Richtung. Ich glaube, ohne dass wir so frei agieren können, hätte MANOS nicht funktioniert. Wir sind uns immer treu geblieben. Sonst wäre der Spaß verlorengegangen und das ist uns viel wichtiger als Erfolg.

Quelle: Gespräch mit Manos auf dem HOA 2026
04.09.2026

Ein Leben ohne Musik ist möglich, jedoch sinnlos

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