Siddharta
Interview mit Tomi und Primož zu "Rh-"

Interview

Es kommt nicht gerade oft vor, dass man die Gelegenheit bekommt, richtig große Rockstars zu interviewen. Zwar haben SIDDHARTA diesen Status hierzulande (noch) nicht inne, in ihrer Heimat Slowenien sieht das aber ganz anders aus. Dort spielt die Band in Stadien vor 30.000 begeisterten Fans, scheint ein Platin-Abo für sämtliche Veröffentlichungen zu haben und räumt dazu noch regelmäßig Designpreise für ihre Releases ab. Mit ihrem aktuellen Album „Rh-„, das in Slowenien schon seit 2003 für Furore sorgt, wollen die sechs sympathischen Jungs nun auch den rest-europäischen Markt aufmischen. Dass die Chancen mit ihrem absolut radiotauglichen Pop-Metal dafür nicht schlecht stehen, lässt nicht nur die Tatsache vermuten, dass ihr Song „My Dice“ im Vorfeld des Länderspiels Deutschland – Slowenien am 26. März im ZDF als Untermalung laufen wird. Grund genug also, um einmal nachzufühlen, wie viel wirklich dran ist am „Phänomen SIDDHARTA“.

Hi Jungs! Wie geht’s Euch?

Tomi: Sehr gut! Wir haben gerade unser Fußballspiel hinter uns. Wir haben zwar verloren, aber was soll’s, haha!

Thomas: Ja, mir wurde gesagt, Ihr hättet einer Verpflichtung nachzugehen…

Tomi: Es war ein Ligaspiel, deshalb konnten wir leider nicht früher.

Thomas: Seid Ihr die einzigen beiden aus der Band, die da spielen?

Tomi: Nein, Boštjan, unser Drummer, spielt auch. Also die halbe Band praktisch, haha.

Thomas: Erst einmal muss ich Euch wirklich zu Eurem Album beglückwünschen! Ich steh total drauf und denke, dass es wirklich etwas Besonderes ist!

Tomi: Vielen Dank, das freut uns zu hören!

Primož: Wir erröten, haha!

Thomas: Dann lasst uns doch ein paar Fragen durchgehen. Zuerst hätte ich natürlich gerne, dass Ihr die Bandgeschichte einmal etwas zusammenfasst, damit die Leute in Deutschland auch wissen, mit wem sie es zu tun haben.

Primož: OK, mit der Band fing es 1995 an. Damals war es praktisch eine normale Rockband mit der klassischen Vierer-Besetzung aus Gitarren, Drums und Bass. Es hat vier Jahre gedauert, um das Material für unser erstes Album „ID“ zusammenzutragen. Zu der Zeit sind auch unser Keyboarder und unser Saxophonist zur Band gestoßen, sodass die Band ab diesem Zeitpunkt aus sechs Mitgliedern bestand. Wir haben zu der Zeit viele Shows in Slowenien gespielt und zwei Jahre später unser zweites Album „NORD“ veröffentlicht, welches etwas dunkler war als das erste. Trotzdem war es hier sehr erfolgreich und hat einige Awards gewonnen. Danach folgte die Tour, die uns einige neue Fans bescherte.

Das dritte Album, das Du jetzt gehört hast, hat hier in Slowenien zwischenzeitlich eigentlich jedes denkbare Ziel erreicht. Das Eröffnungskonzert zur Tour fand im Fußballstadion in Ljubljana vor 30.000 Leuten statt. Wir hatten drei Bühnen: eine für die Band, eine für das 70-köpfige Sinfonieorchester und eine für die Tänzer und ihre Performances. Nach der Tour hat sich die Band ein Jahr Auszeit gegönnt, um ihren Horizont zu erweitern. Wir glauben, dass die Musik keine Grenzen kennt und deshalb wollen wir sie einem breiteren Publikum präsentieren. Wir waren sehr erfolgreich und hatten viel Glück. Wir haben ein Label gefunden, das uns aufgenommen hat und unsere Ziele und unsere Herangehensweise versteht. Ja, und jetzt hast Du das Album vorliegen und wir machen das Interview. Das ist die 10-jährige Geschichte SIDDHARTAs in aller Kürze.

Thomas: Aber wirklich in aller Kürze! Ich habe noch nie zu einer Band eine so umfangreiche Bandinfo bekommen, wie das bei Euch der Fall war. Es ist ziemlich erstaunlich, was Ihr alles erreicht habt! Wurdet Ihr eigentlich erst mit dem letzten Album zu Superstars in Slowenien?

Tomi: Schon vom ersten Album haben wir 15.000 Einheiten verkauft, was für slowenische Verhältnisse Platin bedeutet. Das hat damals niemand erwartet! Mit dem zweiten Album wurden wir sogar noch besser und vom dritten und momentan letzten haben wir doppelt so viel abgesetzt wie von unserem Erstling, also 30.000 Kopien. Das ist wirklich sehr gut für Slowenien. Wir haben Glück, dass wir hier so treue Fans haben, die uns die ganze Zeit unterstützen und wir danken ihnen so oft wir können. Sie haben unsere Karriere erst möglich gemacht. Wir geben ihnen die Musik, die wir mögen und von der wir denken, dass sie gut ist. Sie sind einfach eine großartige Unterstützung!

Thomas: Was glaubt Ihr woran es liegt, dass Eure Musik so unglaublich erfolgreich ist?

Tomi: Ich glaube, das liegt an den Melodien in den Chorussen oder auch den gesamten Songs, und an der Vielzahl der verschiedenen Stile, die wir kombinieren. Wir sind keine normale Heavy Metal- oder Rockband. Wir mischen einfach gerne alle möglichen Stile zu einem zusammen, den wir dann „the music of SIDDHARTA“ nennen. Ich denke das ist der Hauptgrund. Und natürlich die Melodien, wir mögen hübsche Melodien.

Thomas: Die sind auch wirklich das Auffälligste an dem Album. Ich habe es jetzt ein paar Tage und es läuft wirklich die ganze Zeit hoch und runter. Und jeden Tag habe ich einen anderen Lieblingssong.

Primož: Haha, genau das passiert uns hier auch! Jeder, auch innerhalb der Band, hat einen anderen Song, den er am liebsten hat.

Tomi: Und das ist gut so! Denn wir wollen Platten machen, auf denen jeder der 15 Songs, oder wie viele es auch immer sein mögen, eine Singleauskopplung sein könnte. Wir gehen nicht an die Musik heran und sagen ‚OK, wir machen drei große Hits und füllen den Rest des Albums mit irgendwelchen anderen Tracks‘. Wir wollen, dass jeder Song gut ist, ansonsten ist für ihn kein Platz auf dem Album.

Thomas: No fillers, just killers!

Tomi: Exakt, hahaha!

Thomas: Wenn man sich Eure Musik so anhört, kommen einem unweigerlich viele andere Bands aus den verschiedensten Richtungen in den Sinn: seien es nun LIMP BIZKIT, SAMAEL, SYSTEM OF A DOWN oder irgendwelche folkigen Sachen, all das steckt irgendwo mit drin. Was für Musik hört Ihr denn privat und wo kommen Eure Einflüsse her?

Primož: Das ist natürlich schwer zu sagen, zumal wir in der Band zu sechst sind. Jeder von uns hat andere Einflüsse und einen anderen musikalischen Hintergrund. Cene, unser Saxophonist, ist zum Beispiel ein großer Jazz Fan, Primož [von denen es zwei in der Band gibt – Anm. d. Verf.] am Bass mag R’n’B und so funkiges Zeug sehr und Tomaž, unser Keyboarder, hat einen sehr klassischen Background. Er hatte Klavierunterricht, steht aber total auf QUEEN und U2, die zu seinen größten Einflüssen gehören. Boštjan, der Drummer, mag DAVE MATTHEWS BAND oder DREAM THEATER. Tomi mag alles von Heavy bis Pop und ich selber bin riesiger METALLICA Fan. So hat zwar jeder seine Einflüsse, aber trotzdem wissen wir, was sich in der Musik gerade tut und kriegen auch die ganzen neuen Releases mit. Wir hören alle möglichen verschiedenen Sachen. Das fängt bei Metal an und geht über Pop bis hin zu R’n’B. Solange die Musik wirklich gut gemacht ist, kannst Du von jedem Genre etwas mitnehmen.

Tomi: Wahrscheinlich pumpt die slowenische oder auch slawische Folklore durch unsere Venen, die für andere westliche oder europäische Länder etwas Neues darstellt. Wir scheinen diese besondere Art Melodien im Blut zu haben. Und die versuchen wir, mit in unsere Musik einzubringen.

Thomas: Mag sein, dass es deshalb so besonders klingt.

Tomi: Wir hofften, dass es so rauskommt, und es kam so. Für uns ist das ganz normal, wir vermischen diese Melodien mit heavy Gitarrenriffs. Wenn wir allerdings mit Leuten aus anderen Ländern sprechen, bestätigen sie uns genau das. Und das ist gut für uns, weil es genau das ist, was wir erreichen wollten.

Primož: Das ist unser Vorteil. Wir tun das nicht absichtlich. Wir haben das einfach in uns und wenn es durch unsere Filter nach außen kommt, hört man es eben auf dem Album. Wir setzen uns nicht hin und denken uns ‚lasst uns einen Song schreiben, der genau für diese Region typisch ist‘. Wir machen Songs, wie wir selber gerne im Radio oder sonst wo hören würden. Wir machen Songs, die wir gerne von anderen Bands hören würden. Wir tun das in erster Linie für uns und dann für die Fans. Und weil wir eben total normale Jungs sind und die Fans auch total normale Leute sind, versteht das auch jeder.

Thomas: Seht Ihr Euch eigentlich als Teil einer Szene? Wie würdet Ihr die Szene beschreiben, zu der Ihr gehört?

Tomi: Viele Leute versuchen, uns zu kategorisieren. Wenn Du Dir allerdings das Album anhörst, merkst Du, dass wir viele verschiedene Stile verwenden und sich die Songs so untereinander sehr unterscheiden. Unsere Musik basiert definitiv auf Rock. Die Gitarren sind heavy und wir mögen diesen harten Sound, den wir sicher auch in Zukunft beibehalten werden. Zusätzlich haben wir natürlich die Keyboards und die Computereffekte, die alles etwas interessanter machen, die Melodien noch stärker betonen und die Vocals unterstützen. Schwer zu sagen, Heavy Rock würde ich es wohl nennen.

Primož: Rock ist der Kern des Ganzen.

Thomas: Was für Leute kommen denn zu Euren Konzerten?

Tomi: Das hat sich seit unserem ersten Auftritt ziemlich entwickelt. Was das Alter der Leute anbelangt, decken wir eine weite Spanne ab. Wir haben sowohl 10-jährige als auch deren Eltern bei unseren Shows, denen das gefällt und die dann die CDs kaufen. Leute mit den unterschiedlichsten Musikgeschmäckern kommen zu unseren Konzerten. Wir haben Metal- und sogar Klassikfans. Die Dirigentin, mit der wir in dem Stadion aufgetreten sind, ist zum Beispiel ein großer Fan von uns, obwohl sie normalerweise nur klassische Musik hört, und das ist gut für uns! Wir haben kein Publikum, das nur schwarz trägt. Es sind auch nicht nur Frauen, sondern vielleicht halb/halb. Ich meine, wir sind eine Band, die aus sechs jungen Kerlen besteht. Man könnte sagen, wir sind eine Boyband, haha.

Primož: Die Mehrheit liegt so zwischen 16 und 25, kann man sagen.

Thomas: Bereits Euer erstes Album habt Ihr sowohl als englische als auch als slowenische Version herausgebracht. Gibt es einen Unterschied zwischen den Versionen oder könnt Ihr alles genauso auf englisch ausdrücken wie auf slowenisch?

Tomi: Es ist verschieden. Du kannst natürlich nicht alles wortwörtlich übersetzen. Die grundlegende Idee bleibt aber erhalten. Der Vibe eines jeden Songs ist sowohl auf slowenisch als auch auf englisch derselbe. Manche Songs funktionieren auf slowenisch besser, andere auf englisch. Wenn Du Dich an die slowenische Version gewöhnt hast und sie verstehst, wirst Du die englische nicht so sehr mögen. Es kommt darauf an, was Du zuerst hörst. Wir sind aber sehr zufrieden mit der Übertragung ins Englische.

Thomas: Also drückt das Slowenische die Absicht hinter den Songs immer noch besser aus?

Tomi: Das kann man so sagen. Jeder Song wurde zuerst auf slowenisch geschrieben und es ist eben unsere Muttersprache, in der wir uns eines größeren Spektrums an Ausdrucksmöglichkeiten bedienen können. Slowenisch sprechen wir seit dem Tag unserer Geburt, oder sagen wir ab einem Jahr danach, haha. Wir sind alle gut im Englischen, da wir es 15 Jahre lang in der Schule gelernt haben und wir alle Filme auf englisch sehen. Trotzdem ist es eben nicht unsere Muttersprache, wodurch es manchmal schwer ist und wir Hilfe benötigen. Wir hatten zwar ein wenig Hilfe bei der Übersetzung, aber grundsätzlich haben wir den größten Teil selbst gemacht.

Thomas: Die englischen Versionen Eurer Alben sind natürlich für’s Ausland bestimmt. Aber wieso veröffentlicht Ihr dort nicht einfach auch die slowenische Variante?

Tomi: Wir haben das diskutiert und vielleicht werden wir das sogar tun. Wir wollen, dass die Leute auch die Lyrics verstehen, denn die sind genauso wichtig wie die musikalische Seite. Englisch ist die wohl verbreitetste Sprache auf der Welt, sodass uns viele Leute verstehen werden, wenn wir auf englisch singen. Wenn die Leute eine slowenische Version wollen, werden wir mehr als glücklich sein, die auch zu veröffentlichen, ganz klar!

Thomas: Warum habt Ihr Euch erst mit „Rh-“ dazu entschlossen, Eure Musik auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen? Die alten Alben habt Ihr ja beide bereits jeweils in zwei Sprachen aufgenommen.

Primož: Sagen wir so: wir haben uns dafür noch nicht bereit gefühlt. Wir waren immer noch dabei, einige Dinge über das Musikbusiness zu lernen, auch wie das ganze System funktioniert und so weiter. Darüber hinaus ist die Produktion des neuen Albums auf einem viel höheren Niveau als die der beiden vorherigen Alben. Mit diesem Album fühlten wir uns sicher genug, um uns mit weltweit anerkannten Bands auf eine Stufe zu stellen und uns wegen der Produktion nicht schämen zu müssen. Deshalb haben wir jetzt beschlossen, dass es Zeit ist, ein Label und einen Promoter zu finden und zu sehen, was andere Leute von uns halten. Am Ende werden wir sehen: entweder haben wir es dann zumindest versucht oder wir können froh sein, es versucht zu haben und werden so weitermachen, die Welt betouren und einfach den Rock Lifestyle genießen.

Thomas: Es wird jedenfalls ein ganz schöner Gegensatz werden. In Slowenien seid Ihr Superstars, in Ländern wie Deutschland aber total unbekannt. Freut Ihr Euch darauf, Eure Karriere in diesen Ländern sozusagen noch einmal zu durchleben?

Tomi: Auf jeden Fall! Wir wussten aber vorher schon, dass uns außerhalb Sloweniens niemand kennen wird. Aber das reizt uns! Wir wissen wie es ist, ganz unten anzufangen, und wir hoffen, diesmal einige Fehler zu vermeiden, die wir hier gemacht haben und es diesmal noch besser zu machen. Wir müssen noch so viele Dinge lernen und wir freuen uns darauf.

Thomas: Nach dem Album Release ist ein Tour ja praktisch unvermeidlich. Wisst Ihr schon, mit wem Ihr auf Tour sein wolltet? Wären das dann Metalbands, würdet Ihr auf Metal Festivals spielen?

Primož: Jetzt realistisch gesehen oder was wir uns erträumen, haha?

Thomas: Wenn Du schon so fragst, dann will ich auch beides wissen, haha!

Primož: Wir wären schon mehr als glücklich, wenn wir Clubshows spielen könnten. Es würde uns nicht einschüchtern, vor 200 oder 300 Leuten zu spielen. Wir haben all das schon in unserer Heimat durchgemacht und wir wissen, dass wir da jetzt noch einmal durch müssen.

Tomi: Es kommt auch darauf an, für wen wir eröffnen würden. Wenn das zum Beispiel METALLICA wären, würden wir natürlich die härteren Sachen spielen. Ich denke nicht, dass wir mit Popbands auftreten würden, Rock gehört schon grundlegend dazu. Auf jeden Fall müssen schwere Gitarren dabei sein, und wenn das eine Band hat, würden wir gerne für sie eröffnen. U2 wären auch OK, oder RAMMSTEIN.

Thomas: Ja, Ihr habt ja auch Songs, die zu METALLICA passen, die zu U2 passen, oder vielleicht sogar zu GENESIS!

Tomi: Hahaha! Ja, wieso nicht? Wir können unsere Setlist anpassen. Aber hoffentlich sind wir irgendwann der Headliner und dann gilt es Bands zu finden, die uns supporten. Die werden dann sicher größere Probleme haben, ein passendes Set aufzustellen, haha!

Thomas: Haha, das mag sein! Ihr habt vorhin gesagt, dass die Lyrics für Eure Musik eine große Bedeutung haben. Von was handeln sie denn?

Tomi: Sie handeln von den unterschiedlichsten Themen, die meistens unserer Fantasie entspringen. Sie stammen zumindest nicht aus unserem persönlichen Leben. Du musst die Lyrics für die Leute interessant halten. Es könnten also persönliche Erlebnisse sein, aber sie müssen… ja, was müssen sie denn…?

Primož: Sie müssen das übliche Maß sprengen, „larger than life“ sein. Du musst sie so gestalten, dass sie auffallen.

Tomi: Wie wenn Du einen Film machst. Nichts geschieht ohne Grund und alles ist extrem. Wir tun das gerne mit unserer Musik und unseren Texten. Kombiniert finde ich das sehr interessant.

Thomas: Mir scheint, als folge alles, was Ihr tut, einem roten Faden. Auch der Bandname an sich. SIDDHARTA ist ja der „bürgerliche“ Name Buddhas und bedeutet soviel wie „der sein Ziel erreicht hat“. Für den slowenischen Markt beschreibt das Euren Status ja sehr treffend. Auf der anderen Seite heißt es im Buddhismus ja „der Weg ist das Ziel“. Welcher Bedeutung fühlt Ihr Euch näher?

Primož und Tomi: Der Weg ist das Ziel.

Tomi: Der Weg ist das wichtigste, denn offensichtlich gibt es im Musikbusiness kein Ziel. Alles ist möglich. Wenn Du das alles durchlebst, dann ist das der Weg und gleichzeitig das faszinierendste überhaupt. Wir freuen uns darauf. Wir öffnen einfach die Tür und der Weg liegt vor uns. Im Vergleich zu früher, als wir den Weg gehen mussten, haben wir heute ein Auto oder reisen mit dem Zug oder einem Boot.

Thomas: Denkt Ihr, dieser Weg wird einfacher sein als der, den Ihr schon hinter Euch habt?

Primož: Das ist schwer vorherzusagen. Es ist mit Sicherheit leichter, als von Null anzufangen. Trotzdem sind wir in Deutschland Newcomer, und das macht den Weg nicht gerade einfach…

Tomi: … und voller Schlaglöcher, haha!

Primož: Der Weg wird viele Schlaglöcher und Kurven haben, aber unsere Sicherheitsgurte sind angelegt und wir sind gute Fahrer, haha.

Thomas: Das hast Du schön gesagt, haha! Das bringt mich zu der Frage: wie fühlt es sich an, zu Hause ein Rockstar zu sein? Erkennen Euch die Leute auf der Straße und wie sieht das Leben aus, wenn man im eigenen Land so erfolgreich ist?

Primož: Ääähm, ja, man wird erkannt, dabei müssen wir aber sagen, dass unser Publikum sehr gute Manieren hat. Die Leute jagen Dich nicht durch die Straßen oder kreischen Deinen Namen, wenn sie Dich sehen. Sie treten an Dich heran, man wechselt ein paar Worte, Du gibst ein Autogramm und danach geht jeder seines Weges. Wir hatten noch nie Probleme mit Fanmassen, die uns überall hin folgen oder unsere Häuser belagern.

Thomas: Obwohl Ihr eine Boyband seid?

Primož und Tomi: Hahaha!

Tomi: Wir brauchen keine Bodyguards, wir können in jeden Pub oder Club gehen, um ein Bier zu trinken und niemand belästigt uns. Das ist gut und genau das, was wir von Anfang an wollten. Wir haben das ganz gut hingekriegt und hoffen, dass es auch so bleibt, wenn wir in anderen Ländern erfolgreich sein sollten. Wir sind wegen unserer Musik hier und nicht unser selbst wegen.

Thomas: Habt Ihr neben SIDDHARTA noch Jobs oder könnt Ihr von der Musik leben?

Primož: Nicht mehr. Am Anfang hatten wir noch Jobs, um Geld für das Studio und das Equipment zusammen zu bekommen. Glücklicherweise haben wir einen Status erreicht, in dem wir von der Musik leben können. Dabei musst Du aber verstehen, dass dieser Markt ziemlich klein ist und 30.000 CDs zu verkaufen nicht bedeutet, dass Du danach stinkreich bist und einen brandneuen Mercedes fährst. Wir sind immer noch sehr bodenständig. Und das dank der Tatsache, dass der Erfolg eben nicht über Nacht kam, sondern zehn Jahre gedauert hat. Was wir möchten, ist, diesen Rock Lifestyle zu genießen, vom Musikbusiness leben zu können und das zu tun, was wir am meisten lieben. Nämlich live zu spielen und Musik zu schaffen.

Thomas: Wenn wir gerade wieder bei Live Auftritten sind: wird es in Deutschland eine Tour geben?

Tomi: Wir verhandeln gerade mit einigen Booking Agenturen und sind momentan dabei zu entscheiden, ob wir Festivals oder eine Clubtour spielen wollen. Daten haben wir zwar noch keine, aber ich denke, dass die bald kommen werden. Wir müssen erst einmal abwarten, bis die Scheibe am 21. März in Deutschland, Österreich und der Schweiz erscheint. Ich gehe aber davon aus, dass es dieses Jahr noch eine Tour geben wird.

Thomas: Werden die älteren Alben eigentlich erhältlich sein?

Primož: In der nächsten Zeit nicht, nein. Wir konzentrieren uns jetzt ganz auf „Rh-„. Wir hatten einige Rückschläge, was die Releases der ersten beiden Alben angeht und müssen da einige Dinge mit unseren alten Labels nachverhandeln. Es ist aber alles möglich. Unsere Musik ist gemacht, um angehört zu werden. Wieso sollten wir sie für uns behalten, wenn man sie genauso gut überall hören könnte?

Tomi: Wahrscheinlich werden wir in nächster Zeit aber eher darauf konzentriert sein, ein neues Album aufzunehmen, als die alten zu veröffentlichen.

Thomas: Also seid Ihr auch schon an neuem Material? „Rh-“ hat ja jetzt auch schon einige Zeit auf dem Buckel…

Tomi: Ja, der Release von „Rh-“ ist jetzt genau anderthalb Jahre her. Zu Hause haben wir alle unsere Computer stehen, mit denen wir ordentliche Demos machen können und sind gerade dabei, einige Ideen zusammenzutragen. Wir sind aber nicht im Proberaum, um neue Sachen zu probieren oder so. Trotzdem denke ich, dass das bald ins Rollen kommen wird, weil wir alle scharf darauf sind, etwas Neues zu machen. Das wichtigste ist im Moment aber der Release von „Rh-“ und die Tour, denn von allein verkauft sich das Album natürlich nicht. Wir müssen den Leuten zeigen, wie unsere Musik live funktioniert. Und hoffentlich vergrößert sich dadurch unsere Fangemeinde.

Thomas: Mit diesem Album sollte es nicht allzu schwer sein, das zu schaffen!

Tomi: Das hoffen wir. Es war ein toller Weg bis hierher und wir freuen uns auf das, was noch kommt.

Thomas: Ein schönes Schlusswort! Ich danke vielmals für Eure Zeit und wünsche Euch für Eure Vorhaben viel Erfolg und alles Gute!

Primož und Tomi: Vielen Dank Dir auch! Wir sehen uns!

19.03.2005
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