The Safety Fire
Interview mit Sean McWeeney

Interview

The Safety Fire

Mit „Grind The Ocean“ legen die jungen Briten von THE SAFETY FIRE dieser Tage ein Hammer-Debut vor. Ich habe die Gelegenheit also genutzt, mit Sänger Sean McWeeney über die Geschichte THE SAFETY FIREs, widersprüchliche Wortkombinationen, mögliche Reibungsflächen zwischen „-core“ und progressiver Musik und Björk zu sprechen:

Hi Sean! Lass mich dir und euch zunächst zu „Grind The Ocean“ gratulieren. Wie sind die Reaktionen bisher ausgefallen?

Das Album ist ja noch nicht offiziell erschienen, aber wir haben schon ein paar großartige Reviews eingefahren! Außerdem haben wir ein Video zum Song „Huge Hammers“ veröffentlicht, und die Reaktion der Fans war fantastisch!

Noch seid ihr ein Geheimtipp (zumindest habe ich diesen Eindruck), das wird sich aber hoffentlich mit „Grind The Ocean“ ändern. Könntest du also unseren Lesern und mir ein wenig zur Geschichte und den Hintergründen von THE SAFETY FIRE erzählen?

Wir haben angefangen, zusammen Musik zu machen, als wir ungefähr vierzehn waren. Wir haben verschiedene Stadien durchlebt, uns als Musiker weiterentwickelt und unseren Horizont erweitert. Nachdem wir auch unseren Namen einmal gewechselt, drei Jahre studiert, hunderte von Stunden geprobt und sogar etwas Bartwuchs bekommen haben, sind wir in unserem momentanen Prog Metal-Stadium angekommen. In vielerlei Hinsicht ist das aber erst der Beginn von THE SAFETY FIRE.

Als ich euren Bandnamen das erste Mal hörte, war ich zunächst ein wenig verwirrt, weil ich die beiden Begriffe eher in umgekehrter Reihenfolge kenne (im Sinne von Brandschutz). Gibt es einen tieferen Hintergrund als das offensichtliche Wortspiel und den Widerspruch? Ich könnte mir vorstellen, dass die in der Waldbrandbekämpfung gezielt gelegten Brände einen solchen Namen haben [tatsächlich haben diese Feuer einen Namen: „backburn“ – Anm. d. Verf.]

Der Name hat keine spezielle Bedeutung. Uns gefällt, wie er klingt, und der Kontrast der Begriffe. Tatsächlich haben Fans schon von ähnlichen Assoziationen gesprochen, aber das war nicht unser Hintergedanke. Es gefällt mir aber sehr gut, dass man unseren Namen auf unterschiedliche Weise interpretieren kann, genau wie unsere Musik und unsere Texte.

Konsequenterweise trägt euer Debut-Album einen weiteren Widerspruch im Namen – es ist schwierig, sich vorzustellen, wie man einen Ozean zermahlen soll. Kannst du mir dazu etwas verraten?

Wie schon der Bandname hat auch „Grind The Ocean“ keine engere Bedeutung. Es ist der Titel des letzten Songs, der viele musikalische und lyrische Elemente enthält, die sich durch das gesamte Album ziehen. Wir suchen Songtitel oft nicht nur nach der lyrischen Komponente aus, sondern auch nach dem Gefühl und dem Klang. Unsere Musik im Allgemeinen und der Titelsong im Speziellen ist sehr kontrastreich zwischen ‚crunchy‘, schweren Riffs und ‚fluiden‘ Teilen, also passt „Grind The Ocean“ schon irgendwie…

Leider hatte ich bisher keine Möglichkeit, eure Songtexte zu lesen – nichtsdestoweniger habe ich den Eindruck, dass die Songtitel einen roten Faden aufweisen. Ist „Grind The Ocean“ ein Konzeptalbum?

Es ist definitiv nicht als Konzeptalbum geplant worden, und ich denke auch nicht, dass der Begriff dem Resultat gerecht wird. Ich denke, ein ‚echtes‘ Konzeptalbum zeichnet sich durch Motive und musikalische Ideen aus, die sich durch das gesamte Album ziehen, wobei natürlich der inhaltliche rote Faden auch nicht vergessen werden darf. Andererseits sollte ein Album meiner Meinung nach immer stilistisch einheitlich sein – und ich denke, „Grind The Ocean“ ist es. Die Texte haben sicherlich auch gewisse Schnittmengen, aber ich könnte beim besten Willen nicht behaupten, dass es das eine, übergreifende Konzept gibt.

Wenn es um eure musikalischen Einflüsse geht, habe ich mehrere Bands ausmachen können: Frühe MUDVAYNE (speziell der gepresste Gesang), MESHUGGAH, MNEMIC, vielleicht sogar ein wenig GOJIRA. Würdest du weitere Einflüsse hinzufügen, um unseren Lesern einen besseren Eindruck zu vermitteln, wie THE SAFETY FIRE klingt?

Einige zeitgemäße Metal-Bands, die uns beeinflussen, sind sicherlich MASTODON, KARNIVOOL, CYNIC und BETWEEN THE BURIED AND ME, um mal nur vier zu nennen. Aber ich denke nicht, dass wir tatsächlich nach einer dieser Bands klingen. Wir haben alle auch außerhalb des Metals unsere Einflüsse, PETER GABRIEL, PRINCE, KAKI KING, GUTHRIE GOVAN oder BJÖRK – alles Künstler, die auf ihre Weise visionär sind. Ich würde sagen, dass auch diese Einflüsse in unserer Musik spürbar sind.

Wenn ich nochmal auf die Vocals eingehen darf: In meinen Ohren lassen sich Metalcore-Einflüsse nicht verleugnen. Tatsächlich bin ich eigentlich kein großer Freund dieses Gesangsstils, in eurem Fall fügt er sich aber perfekt ein. Natürlich wird es Hörer geben (speziell aus der Djent/Mathcore-Ecke), die mit deinem Gesang Schwierigkeiten haben. Wie würdest du solche Menschen davon überzeugen, sich „Grind The Ocean“ trotzdem anzuhören?

Dazu kann ich eigentlich nur sagen, dass Metalcore meinen Gesang definitiv nicht beeinflusst hat. Ich habe mich in diesem Genre nie umgehört, aber ich kann verstehen, dass meine Mischung aus Screams und klarem Gesang zu der Annahme führen könnte, das hätte etwas mit Metalcore zu tun. Das liegt aber vermutlich daran, dass Menschen nunmal gern in Schubladen denken. Es gibt natürlich SängerInnen, die mich beeinflussen, wie Chino von den DEFTONES, Ian Kenny von KARNIVOOL und sogar BJÖRK. Das ist eher die Richtung, aus der mein Klargesang kommt – ich liebe beispielsweise die Art und Weise, wie BJÖRK und Chino mit Harmonien arbeiten, und ich denke, das hört man auch. Was mein Geschrei angeht, so habe ich das nie nach irgendwelchen Vorbildern herausgearbeitet. Es kommt einfach aus mir, wie das kleine Alien in „Alien“, das zu einem mörderischen Bastard heranwächst.

Und wenn wir schon beim Gesang sind: Es gibt viele zweistimmige Abschnitte, in denen das Intervall zwischen beiden Gesangslinien nahezu konsant ist – und mir ist aufgefallen, dass es so gut wie keine Timing-Unterschiede gibt. Da liegt natürlich die Frage nahe, ob du Auto-Tuning oder einen Vocoder benutzt hast…

Um die Harmonien herauszuarbeiten, haben wir die Gesangslinien oft auf Keyboard oder Gitarre vorgezeichnet und ich habe sie danach erst eingesungen. Dass das Timing so gut ist, liegt einfach daran, dass ich die Linien so oft aufgenommen habe, bis sie perfekt waren. An manchen Stellen haben wir tatsächlich einen Vocoder verwendet, aber letztendlich macht der ja nichts anderes als die Hauptmelodie um ein konstantes Intervall zu transponieren [was exakt das ist, wonach ich gefragt habe… – Anm. d. Verf.]. Die meisten zweistimmigen Linien sind aber individuell gestaltet.

Na gut, lass uns auch noch ein bisschen über die instrumentalen Bestandteile quatschen: Ich rechne fest damit, dass Hörer, die krumme Takte nicht gewohnt sind (zum Beispiel Metalcoreler), Schwierigkeiten mit „Grind The Ocean“ haben werden. Habt ihr aus dieser Richtung schon Reaktionen bekommen oder ist das Album doch leichter verdaulich als ich vermute?

Natürlich werden zweifellos einige Leute unsere Musik verachten, aber meines Erachtens ist echte Verachtung ein gutes Zeichen dafür, dass man etwas richtig macht. Wir haben Fans, die sagen „Normalerweise kann ich Metal nicht ausstehen, aber ich mag eure Musik!“, was natürlich cool ist. Das Album verlangt dem Hörer schon einiges ab, aber wenn man Weichspülmusik möchte, kann man sich auch SEAL anhören – den mögen wir übrigens auch!

Wie handhabt ihr das bei euch inder Band? Ich stelle mir Proben vor, bei denen alle Musiker laut mitzählen, um synchron zu bleiben, haha. Wo liegt innerhalb der Band der Antrieb für exotischere Takte?

Als Sänger bin ich nicht so wahnsinnig daran beteiligt, den Takt zu halten. Normalerweise spielen wir auf Klick, das macht das Ganze etwas einfacher. Dez schreibt die Musik, aber ich denke, er hat nie wirklich vor, etwas im Sieben-Achtel-Takt zu schreiben. Er spielt einfach das, was die Musen ihm flüstern [taktlose Musen? Klasse! – Anm. d. Verf.]

Was können wir von euch in der Zukunft erwarten? Gibt es schon Ideen für das zweite Album? Kommt ihr für Konzerte nach Deutschland?

Wir werden wahrscheinlich eine weitere Single nebst Video veröffentlichen, wir sind schon ganz aufgeregt! Wenn das Album draußen ist, werden wir ausgiebig touren. Wir kommen sicher auch nach Deutschland, allein weil unser Label InsideOut in Deutschland sitzt. Wir haben es letztes Jahr sehr genossen, in Deutschland zu spielen: Großartiges Bier, nette Menschen und leckeres Fleisch!

Das war auch meine letzte Frage. Ich danke dir für deine Zeit und wünsche euch viel Erfolg mit „Grind The Ocean“. Die letzten Worte gehören dir:

Besucht unsere Facebook-Seite, hoffentlich sehen wir uns auf Tour!

19.02.2012
Exit mobile version