Negative Approach
European Tour

Konzertbericht

Billing: Negative Approach, Punch, Give, No Tolerance
Konzert vom 12.10.2012 | Feierwerk, München

Negative Approach

Als routinierter Konzertgänger kann man im Laufe der Jahre schon mal ein bisschen müde und faul werden und sich nicht mehr auf jeden Live-Act stürzen, der in der eigenen Stadt halt macht. Es gibt jedoch immer wieder Bands, bei denen man den Hintern einfach hochschwingen muss. Meist sind das dann spannende Newcomer oder halt die alten Recken. In diesem Fall letzteres. NEGATIVE APPROACH, die (sehr!) alten Hardcorehasen kommen in die Stadt. Das muss man sich natürlich anschauen. Im Gepäck haben sie, neben den höchstens Eingeweihten bekannten GIVE und NO TOLERANCE, auch die nicht ganz unbeschriebenen PUNCH.

Negative Approach

NEGATIVE APPROACH haben sich zwar schon 2006 wiedervereinigt, gingen davor aber 28 (!!!) Jahre lang getrennte Wege. Für manche Leute wohl eine zu lange Zeit. Das Feierwerk in München ist jedenfalls nicht wirklich voll. Zwar auch nicht so leer, dass es peinlich werden könnte, aber ein volles Haus sieht anders aus. Wilde Circle Pits sind dann heute wohl auch eher nicht zu erwarten.

 

Los geht’s mit NO TOLERANCE aus Boston. Die spielen schönen Old School-Hardcore mit viel schlechter Laune und einem Sänger, dessen Halsschlagader immer kurz vor der Explosion steht. Schon nicht schlecht, aber hat man natürlich schon oft gesehen. Da sich die Band aber erst 2008 gegründet hat, kann da ja sicher noch was kommen.

Negative Approach

Im Anschluss wechselt dann zwar die Band (irgendwie…), nicht aber die Musiker. Zumindest spielen zwei der vier NO TOLERANCE-Mitglieder auch bei GIVE mit. Diese sind jedoch, muss ich leider gestehen, schwer öde. Das große Problem ist hier der Sänger, der, optisch eher in der Hippieecke angesiedelt, einfach nicht genug Energie in die Musik einbringt, um das Ganze spannend zu machen. Aber auch die musikalische Hintermalung ist etwas schwach auf der Brust. Es wirkt alles etwas hölzern & ziellos und so lege ich lieber eine kurze Bierpause ein, um bei PUNCH wieder auf den Brettern zu stehen.

Negative Approach

Und die machen ihrem Namen im Anschluss alle Ehre. Frontfrau Megan O’Neil, die vorher noch ganz adrett hinter dem Merch-Stand saß und zwischen all den Hardcore Jungs fast etwas verloren gewirkt hat, zeigt auf der Bühne eindrucksvoll, was für eine Stimme doch aus so einem zierlichen Frauenkörper kommen kann und gibt gut auf die Fresse. Da staunt man erst mal schon und überhört dabei fast, dass auch der Rest der Band mehr als ordentliche Arbeit leistet. Viel Aggression ist hier im Spiel, jedoch nie stumpf, sondern immer ein paar Haken schlagend und sehr intensiv. Das Publikum weiß das zu würdigen und so herrscht im Raum fast sogar ein bisschen Hardcoreshowfeeling, Die meisten Songs natürlich vom gleichnamigen „Punch“ bzw. dem neuen „Push Pull“-Album. Gerne mehr davon.

Negative Approach

Und dann kommen sie, die alten Herren des Hardcores. Im gleichen Atemzug mit Bands wie MINOR THREAT oder BLACK FLAG genannt, stehen NEGATIVE APPROACH für die Zeit, in der Hardcore noch gefährlich war. Lang ist’s her und das sieht man den Herren auch an. Weißes Haar, Glatze und Bauchansatz zeigen doch deutlich, dass man keine 20 mehr ist. Musikalisch ist davon allerdings nichts zu spüren. Die Musik hat auch heute noch nichts von ihrer Energie verloren und John Brannons Stimme ist immer noch echt eine Hausnummer. Der Gute könnte auch heute noch gut in jeder Extrem-Metal-Combo mitmischen.

Negative Approach

Dem Publikum ist auf jeden Fall anzusehen, dass NEGATIVE APPROACH schon so was wie kleine Götter sind: „Can’t Tell No One“, „Sick Of Talk“, „Ready To Fight“, „Tied Down“ – Hit reiht sich an Hit, gut Feuer die Jungs. Klar, hier ist viel Nostalgie im Spiel, aber viele schauen wirklich recht ehrfurchtsvoll zur Bühne hoch und sehen den alten Männern gespannt zu, wie sie den Raum mit Krach füllen. Und die tun das mit Hingabe. Man hat sicher nicht den Eindruck, hier mache das jemand nur aus Geldnot und/oder Kalkül. Da musste wohl noch einiges an Wut und Frust auf die Menschheit losgelassen werden.

 

45 min lang geht das dann. Zwei Zugaben noch, klar, echt alt alles, aber schon ganz abgefahren irgendwie. Gute Entscheidung, sag ich mal. Eine Wiedervereinigung, die Spaß macht.

text: struch

fotos: haslauer

Negative Approach

 

31.10.2012

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