All Will Know - Deeper Into Time

Review

Das Darmstädter Sextett ALL WILL KNOW hat mit „Deeper Into Time“ den zweiten Longplayer zur allgemeinen Begutachtung freigegeben – und muss sich mit ihrem vielschichtigen Mix aus Melodic Death, Old School Metal, einem Hauch Metalcore und deutlichen elektronischen Einflüssen nicht verstecken. Das Elektro-Intro des Openers „Home“ klingt zwar zunächst, als hätte man versehentlich eine alte Bravo Hits in den Player gelegt, wird jedoch anschließend in satten Gitarrenriffs aufgefangen, sodass die Zutaten zu einer stimmigen Ohrwurmmischung zusammenschmelzen. Sänger Frank Richter growlt überwiegend, krault die Ohren aber auch immer wieder mit wohldosiertem Cleangesang. Der Titelsong „Deeper Into Time“ sticht positiv hervor, mit gelungenen Schwenks von zarten Keyboardpassagen zu kraftvollem (Fast-)Klargesang, Growls und einem eingängigen Refrain, bevor es mit „Still, Cold And Lost“ deutlich mehr zur Sache geht. Die Kombi aus Keyboards und Growls erinnert ab und zu an CHILDREN OF BODOM, entfernt sich aber hiervon wieder, bevor es allzu sehr nach Abklatsch klingt. Anspielstipps sind zudem „Feed Their Minds“ und „Exceed And Refine“, die einen angenehmen Spannungsbogen schlagen und lange im Ohr bleiben. „Reset That Clock“ und „Solitude In Fear“ erscheinen im Gegenzug fast schon steif und auch bei den Texten greifen ALL WILL KNOW für meinen Geschmack ein bisschen zu tief in die Klischeekiste.

Die zehn Tracks sind eingängig, aber nicht langweilig, mit einer angenehmen Prise Originalität ausgestattet, die aber nie ins Anstrengende oder Eklektische abdriftet. Wer sich – wie ich – auch gerne mal progig zufrickeln lässt, wird an „Deeper Into Time“ bemängeln, dass es mehr als genug Gelegenheiten gäbe, den einen oder anderen Exkurs jenseits altgedienter Songstrukturen zu machen, die die Band verstreichen lässt. Das Ergebnis mutet daher bisweilen etwas zu geradlinig an, macht aber trotzdem auch beim zweiten und dritten Anhören noch Spaß. Unter’m Strich ist „Deeper Into Time“ ein gelungenes Album, das auch nach mehrmaligem Hören nicht abnutzt und mit einer gewissen Eigenwilligkeit gut in die Ohren geht. Ein bisschen mehr Mut zu einem individuelleren Stil kann ich den Herren wünschen und werde beim nächsten Album gerne wieder reinhören.

14.12.2015
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