Amberian Dawn - Temptation's Gate

Review

Die Beziehung unseres Magazins zu AMBERIAN DAWN geht zwar weit zurück, wirklich glücklich sind wir miteinander aber nie geworden. Nach einer kurzen Midlife-Crisis in Form zweier (noch stärker als zuvor) von cheesigen Synthie-Sounds und – teils gänzlich offenen, teils nur spärlich getarnten – ABBA-Zitaten dominierten Disco-Metal-Alben wollen die Finnen nun nicht nur zurück zu ihrem früheren Symphonic-Metal-Sound, sondern sogar noch eine Schippe an Härte zulegen. Aber kann das wirklich gutgehen?

AMBERIAN DAWN versumpfen in Mittelmäßigkeit

„Temptation’s Gates“ markiert für AMBERIAN DAWN einen neuerlichen Sängerinnenwechsel. Nicole Willteron ist die neue Frau am Mikro, die neben dem gewohnten Symphonic-Metal-Elfengesang in Songs wie dem eher sperrig arrangierten „Unchained“ stellenweise derbe Growls auspacken darf. Über ihr gesamtes stimmliches Spektrum hinweg liefert sie dabei eine sehr ordentlich, aber nicht überragende Performance ab. Im Gegensatz dazu bleiben ihre Instrumental-Kollegen ziemlich blaß und verlieren sich in Symphonic- und Power-Metal-Standards, die schon vor 20 Jahren als billige Imitation ihrer Landsmänner von STRATOVARIUS oder SONATA ARCTICA gegolten hätten.

Kompositorisch warte ich persönlich schon seit 2009 darauf, dass AMBERIAN DAWN einmal der große Wurf gelingt. Doch auch die besten Momente von „Temptation’s Gates“ erreichen kaum die Qualität mittelmäßiger XANDRIA- oder VISIONS OF ATLANTIS-Stücke – beides Bands, die ihre musikalische Zweitklassigkeit nie ablegen konnten. Dazu entpuppt sich das Versprechen von mehr Härte und Düsternis als von einigen wenigen Growls und Blastbeats getragene Nebelkerze. AMBERIAN DAWN gehen nicht heftiger zu Werke als vor ihrer ABBA-Phase und versumpfen weiterhin in ihrer von Kitsch und Kinderlied-Melodien geprägten Mittelmäßigkeit.

18.06.2026
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