Archvile King - Aux Heures Désespérées

Review

ARCHVILE KING aus Frankreich veröffentlichen ihr zweites Album „Aux Heures Désespérées“. Das Werk eines Einzelkämpfers, gemacht um es einsam zu hören.

ARCHVILE KING – das Werk eines Einzelkämpfers

Gegründet 2019 in Nantes von Baurus, über den sonst nicht viel bekannt ist. Dass man sich im Black Metal gerne mit einer gewissen Mystik umgibt, ist ja nicht neu. Die erste EP „Vile“ erschien 2020, 2022 folgte das Debütalbum „À La Ruine“. Mit der mehr als soliden, stimmigen Mischung aus Black und Thrash Metal konnten ARCHVILE KING ein erstes Ausrufezeichen setzen. „Aux Heures Désespérées“ geht tiefer – in verzweifelten Stunden (Aux Heures Désespérées).

In verzweifelten Stunden

Wie viele andere Veröffentlichungen im Black Metal eignet sich „Aux Heures Désespérées“ insbesondere, allein gemütlich Zuhause oder während eines Spaziergangs zu hören, in die dunklen Klanglandschaften einzutauchen. Dann entfalten ARCHVILE KING die volle Wirkung und vermögen es, den geneigten, aufmerksamen Hörer in den Bann zu ziehen.

Verglichen zu den Anfängen enthält „Aux Heures Désespérées“ weniger Thrash Metal, dafür etwas mehr traditionellen Heavy Metal, was dem melodischen wie atmosphärischen Black Metal gut steht und die erzählerische Komponente stärker betont.

ARCHVILE KING zeichnen mit ihrem Schwarzstahl ein musikalisches Schlachtengemälde. Der Thrash ist noch in den teils wild treibenden Riffs enthalten, schwarzmetallisch eisige Kettensägenriffs sind dagegen seltener. Dazu ausgefeilte melodische Leads und Soli, akzentuierende Dungeon Synth Keyboard-Intros und Interludes, Blast Beats und Midtempo-Grooves, fesselnd dreckiger, roher Keifgesang, französische Texte. Das Ganze liegt irgendwo in der Schnittmenge von DISSECTION, UADA, LAMP OF MURMUUR und AORLHAC.

Die Songs auf „Aux Heures Désespérées“

Der Anfang des Openers „Riposte“ ist cineastisch, atmosphärisch dicht mit schwebendem Klangteppich. Dann ein Sturm aus aggressiv attackierenden Riffs und finster entschlossen treibenden Rhythmen. In weiteren Verlauf wechseln die Gitarrenlinien zwischen schwarzmetallischer Raserei und klassischer Metal-Eleganz. Eine gelungene Mischung aus Atmosphäre, Brutalität und Geschwindigkeit. Mit der eingängigen, heroischen Hymne „Le Chant Des Braves“ liefern ARCHVILE KING epische Breite, getragen von melodischen Leads, cineastisch eingeflochtenen Keyboard-Klangflächen, repetitiver Struktur. Das eigentlich gute Stück bietet aufgrund seines flachen, gleichförmigen Sounds in Kombination mit der hoch angesetzten Tremolo-Gitarre wenig Dynamik.

Zwischen Atmosphäre und Angriff bewegt sich „L’Excusé“. Melancholisch atmosphärisches Synthie-Intro, dann folgen aggressive druckvolle Gitarren und garstige Schreie. Klar strukturiert und vorhersehbar, aber gut. Noch rasanter und puristischer ist „Le Carneval Du Roi Des Vers“. Schnell und bissig, schneidende Gitarren, Blast Beats, dazu erhabene Melodiebögen eingewoben. Abwechslung bietet „Sépulture“. Rituelles Synth-Intro, gedrosseltere Rhythmen, tief, schwer, düstere Harmonien. Insbesondere das ruhige, akustische Zwischenspiel in der Mitte bildet einen deutlichen Gegenpol zur ansonsten vorherrschenden Stilistik.

Das stärkste Stück liefern ARCHVILE KING mit dem Titelsong. Folgten einige Lieder zuvor stellenweise einem ähnlichen Aufbau, ist „Aux Heures Désespérées“ das emotionale Zentrum des Albums. Die Dramaturgie, Verzweiflung, Sinnlosigkeit, werden hier schon fast greifbar. Mal pure Black-Metal-Raserei, dann schlagzeugfreie Abschnitte, klagend melancholische Leads, verzweifelte Schreie. Dichte Dunkelheit. Das Niveau hält „À Ces Batailles Abandonnées“ nicht. Weitere, offenere Melodien, traurige Stimmung, leider nicht zwingend genug.

Den Abschluss bildet das introspektive „… Et Aux Hommes Misérables „, eine melodische Soundcollage aus waberndem Ambient, Dungent Synth Keyboards und Naturgeräuschen. Ein geheimnisvoll wirkender, stiller wie eindringlicher Ausklang.

Mix und Produktion weisen kleinere Mängel auf. Der Bass ist kaum vorhanden, das Schlagzeug ist auch zu leise gemischt. Dadurch ist das Klangbild etwas dünn. Zwischendurch wirken einige Stücke auch recht ähnlich im Songaufbau. Dafür stechen wiederum einige Songs mit fesselnden Melodien und dichter Atmosphäre heraus.

Kleinere Mängel, fesselnde Melodien, dichte Atmosphäre

Alles in allem ist Baurus unter dem Banner ARCHVILE KING mit „Aux Heures Désespérées“ ein gutklassiges Album gelungen. Nicht sonderlich originell, aber mit griffigen, einprägsamen Gitarrenmelodien, gezielten Synth-Elementen und episch mythischer Stimmung.

05.02.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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