Arthur Brown - Nature
Review
Wer ARTHUR BROWN ausschließlich mit „Fire“, brennenden Kopfbedeckungen und seinem berühmten „God of Hellfire“ verbindet, hat zwar einen wichtigen Teil seiner Karriere erfasst, aber längst nicht das ganze Bild. Seit THE CRAZY WORLD OF ARTHUR BROWN Ende der Sechziger zwischen Psychedelic Rock, Theater und Wahnsinn unterwegs waren, hat Brown eigentlich nie besonders viel Wert darauf gelegt, in eine Schublade zu passen. Daran ändert sich auch mit 84 Jahren nichts.
„Nature“ blickt dabei weniger zurück, als man bei einem Musiker mit mehr als sechs Jahrzehnten Karriere erwarten könnte. Statt einer nostalgischen Ehrenrunde beschäftigt sich Brown mit Natur, Spiritualität, Vergänglichkeit und der Verbindung zwischen Mensch und Umwelt – und verpackt das Ganze in Blues Rock, Prog, Elektronik, Spoken Word und allerlei Geräusche aus der Natur.
ARTHUR BROWN lässt der Natur ihren Lauf
Der Titeltrack eröffnet das Album noch vergleichsweise zugänglich. Bluesige Grundzüge treffen auf elektronische Elemente, während Browns Stimme bemerkenswert präsent klingt. Schon „With A Tear“ macht allerdings deutlich, dass „Nature“ nicht dauerhaft auf klassischen Songstrukturen verweilen wird. Brown wechselt zwischen Gesang und Sprechstimme, während sich darunter ein ungewöhnlich federnder Rhythmus ausbreitet.
Noch deutlicher wird dieser Ansatz bei „The Source“. Über sechs Minuten hinweg rückt die Musik teilweise weit in den Hintergrund und überlässt Brown die Bühne. Das wirkt stellenweise weniger wie ein Rocksong als wie eine kleine Theateraufführung oder ein vertontes Gedicht. Wer auf klassische Hooks wartet, dürfte hier vermutlich unruhig werden. Wer sich darauf einlässt, bekommt dafür genau jene Exzentrik, die ARTHUR BROWN seit Jahrzehnten auszeichnet.
Mit „Bursting The Bubble“ bricht das Album anschließend aus seiner eher nachdenklichen Grundstimmung aus. Orgel, psychedelische Sounds und deutlich mehr Bewegung erinnern daran, dass hinter all der Reflexion immer noch der Mann steckt, der bereits Ende der Sechziger Rockmusik gerne ein wenig verrückter machte.
Kein Ruhestand für den God of Hellfire
Besonders stark wird „Nature“, wenn Browns Stimme und die Atmosphäre genügend Raum bekommen. „Water On Stone“ entwickelt eine fast beschwörende Wirkung, während „Open Hearts“ mit seinen progressiven und düsteren Momenten zu den emotionalsten Stücken des Albums gehört. Brown mag inzwischen 84 Jahre alt sein, doch gerade hier zeigt sich, wie viel Ausdruck seine Stimme noch immer besitzt.
Das kurze „Enough“ beendet die Platte schließlich deutlich ruhiger und melancholischer. Nach all den Gedanken über Natur, Spiritualität und menschliche Existenz wirkt der Song beinahe wie ein vorsichtiger Schlusspunkt – ohne dass Brown daraus gleich einen großen Abschied inszeniert.
Natürlich ist „Nature“ kein Album, das sich sofort erschließt. Manche Spoken-Word-Passagen ziehen sich, einige Ideen wirken eher wie Klangexperimente als wie fertig ausgearbeitete Songs und wer auf den nächsten „Fire“-Moment hofft, wartet vergeblich. Doch genau diese Verweigerung gegenüber den eigenen größten Erfolgen macht die Platte spannend.
ARTHUR BROWN könnte sich längst bequem auf seinem Status als Rocklegende ausruhen. Stattdessen veröffentlicht er ein seltsames, warmes und stellenweise wunderbar kauziges Album, das deutlich mehr nach Gegenwart als nach nostalgischem Rückblick klingt. „Nature“ ist vielleicht nicht Browns zugänglichstes Werk, aber ein bemerkenswert eigenständiges Kapitel einer ohnehin alles andere als gewöhnlichen Karriere.
Arthur Brown - Nature
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Blues Rock |
| Anzahl Songs | 8 |
| Spieldauer | 35:30 |
| Release | 04.09.2026 |
| Label | Prophecy Productions |
| Trackliste | 1. Nature 2. With A Tear 3. The Source 4. Seven 5. Bursting The Bubble 6. Water On Stone 7. Open Hearts 8. Enough |
