Ataraxy - Where all Hope fades

Review

Ataraxie, so nannten die klassischen Philosophen die Unerschütterlichkeit, die Gelassenheit der Seele. Dass sich nun ausgerechnet eine Death Metal-Band ATARAXY nennt, mag deswegen zunächst etwas seltsam anmuten, ist doch gerade der Todesstahl eine Musikrichtung, die man eher selten mit Ruhe und Gelassenheit verbindet. Bei ATARAXY passt diese Verbindung jedoch wie die Faust aufs Auge, denn das zweite Album der Spanier ist gleichermaßen ein heilsamer Schrecken, wie auch Balsam für die Seele. Aber dazu später mehr.

Wo alle Hoffnung schwindet…

Über fünf Jahre hat es gedauert, bis das Debüt „Revelations of the Ethereal“ einen Nachfolger bekommen hat. Jetzt ist „Where all Hope fades“ erschienen und man merkt deutlich, dass die lange Pause gut genutzt wurde. Denn das Album beherbergt mehr Feinheiten, als sich dem Zuhörer beim ersten Durchlauf vielleicht erschließen mögen. Das liegt aber nicht daran, dass es außerordentlich sperrig oder anstrengend wäre. Die Songs wirken wie aus einem Guss, laden aber eben dazu ein, sich tiefer gehend mit ihnen auseinanderzusetzen.

ATARAXY fühlen sich im Zwielicht wohl…

ATARAXY haben einen sehr eigenständigen Stil, lassen sich aber schon in Richtung Old School-Doom/Death Metal verorten. Wer einen Vergleich benötigt: Abgesehen von den aufwühlenden Martin-van-Drunen-Gedächtnis-Vocals, klingt das Album ein bisschen so, als hätte man alten finnischen Death Metal-Kapellen wie CONVULSE oder DEMIGOD noch etwas Zeit zum reifen gegeben. Wenn ATARAXY dann noch mit dem Fuß auf der Bremse düstere Gänsehaut-Melodien aus den Boxen rieseln lassen und diese mit dem dezenten Einsatz von Keyboards unterstreichen, entsteht eine beklemmende Atmosphäre, die an DISEMBOWELMENT, AHAB oder DECOMPOSED (UK) erinnert.

ATARAXY – nicht gekrönt, aber geadelt.

Der beiliegende Promo-Text spricht davon, dass ATARAXY sich mit diesem jetzt schon zeitlosen Klassiker in das Pantheon der Death Metal-Nobilität einreihen würden. So weit würde ich nicht gehen. Wer aber nicht nur in den Abgrund starren, sondern sich auch von diesem verschlingen lassen möchte – wer die Abende gerne damit verbringt, bei der Lovecraft-Lektüre verzweifelnd über die grausame Absurdität des Kosmos zu grübeln – wer schließlich trotz oder gerade durch das Chaos seine Ataraxie bewahrt – der wird „Where all Hope fades“ lieben.

09.02.2018
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