Atrocity - Gemini

Review

„Deutschlands innovativste Metal-Band“ tönt das Info-Sheet. Ein Umstand, auf den Atrocity immer gerne verweisen, wenn es gilt ihre teilweise doch etwas halbgaren Werk zu rechtfertigen. Zugegeben, auch mir hat „Die Liebe“ und besonders „Werk 80“ gut gefallen. Letzteres Album vor allem, da die dort präsentierten Lieder ohnehin nicht von der Band selbst stammten, wie auch „Die Liebe“ nur eigene Stücke im neuen Gewand enthielt und die Das Ich Stück selbst ein Krull nicht verstümmeln konnte. Doch was mir nun mit „Gemini“ vorliegt spottet jeder Beschreibung. War „Willenskraft“ noch recht Death Metal-haltig, mit einigen Zusprüchen an den damaligen Goth Metal Trend, so hat man dies mal eine ganze Flaggen Armada im Wind hängen. „Modern“ nennt man das wohl, wenn einem einfach die Idee ausgehen und man seine schwachen Lieder mit fettem Sound und elektronischen Spielerein aufwertet. Rammstein standen hier wohl Pate, wie auch die ein oder andere And One Anleihe (besonders bei der grausigen Single „Taste Of Sin“) zum Tragen kommt. Die Band macht beliebig austauschbaren Stampf-Metal, der stumpf und hirnlos aus den Boxen dröhnt und schon nach wenigen Minuten extrem nervt. Krull sollte auch endlich einmal einsehen, daß er einfach nicht singen kann, so oft er das auch versuchen mag. Er hätte besser bei seinem Shouting bleiben sollen. Auf Werk 80 konnte man diesen Umstand noch gut kaschieren, doch hier kann nichts mehr die Gesangslinien retten: Grauenhaft! Auch die Texte drehen sich nun vermehrt um das übliche Thema. Teils deutsch, teils englisch informiert man uns die feuchten Alpträume des Herrn Krull, der scheinbar mit den Worten „Poesie“ oder „Lyrik“ nichts anfangen kann. Natürlich mußt man auch wieder ein paar unschuldige Stücke durch den Fleischwolf drehen, die eigenen Ideen waren ja ohnehin nicht sonderlich gelungen: „Zauberstab“ spielt mit den Nerven, „Sound Of Silence“ (Simon & Garfunkel!!!!) ist schleimig ohne Gnade, „Lily Marleen“ dürfte sicher demnächst auf diversen Partys mit gröhlendem Enthusiasmus begrüßt werden. Einzige Lichtblicke sind die etwas langsameren und erträglicheren Stücke wie „Liebesspiel“, „Sometimes…A Nightsong“ oder „Gemini“. Immerhin haben die noch ein annehmbares Pop-Feeling. Ach ja, Liv singt auch mal wieder mit, das dürft aber nun wirklich niemanden mehr verwundern. Drei annehmbare Stücke und ein Haufen belangloses Geplöcke – eine ernüchternde Bilanz.

27.10.2000

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7 Kommentare zu Atrocity - Gemini

  1. Lord Hypnos sagt:

    Den Vergleich mit Rammstein finde ich übertrieben. Das Album gehört in die Kategorie von Alben, die mit mehrmaligem Anhören ihren Charm entwickeln. Man merkt halt nur, dass sie jetzt bei Motor "wir fahren möglichst viel Kohle ein" Music Label ist. Kann doch jedem mal passieren …

    6/10
  2. jj sagt:

    Atroctiy verfolgen mit dem neuen Album eine Entwicklung, die zwar traurig ist, aber leider doch nachvollziehbar. Über allem schwebt der furchterregende Einfluß der Kommerzialisierung. War "Werk 80" noch irgendwo originell, wenn auch nicht brilliant, so setzt die ehemals brilliante Frickel-Death-Metal Band aus Deutschland mittlerweile alles auf ihr kürzlich erobertes Dark-Wave-Publikum. "Willenskraft" machte ja noch Hoffnungen, daß Atrocity die Einflüsse ihrer Vergangenheit noch nicht ganz abgelegt haben. Andererseits sollte man es niemand verübeln, wenn er sich weiterentwickeln möchte. Wenn allerdings der Fortschritt ein solcher Rückschritt zur Belanglosigkeit darstellt, stellt das doch mehr ein Armutszeugnis dar. Ich denke, das was Krulle & Co hier fabriziert haben, kann man auch auf einem weitaus höheren Niveau tun. "Gemini" ist definitv kein Album, das sich erst mit der Zeit in die Gehörgänge einarbeitet. Dazu ist es viel zu stumpfsinnig und vorhersehbar. Die Coverversion von "Sound Of Silence" ist einfach nur schwach und kommt zeitl. denkbar ungünstig, denn Nevermore haben bewiesen, daß man aus diesem Song mit ein bißchen Innovativität weitaus mehr rausholen kann. Umso tragischer ist die Entwicklung, wenn man bedenkt, daß Atrocity eine wirklich innovative Band mit so vielen Gesichtern war. Alben wie "Blut", "Die Liebe" oder die Mini "Calling The Rain" sind absolut respektable Werke von wunderbarer Vielfältigkeit. Atrocity haben ihre Liga verlassen und sich in dem heiklen Spiel um den kommerziellen Erfolg ein Eigentor geschossen.

    3/10
  3. Petra sagt:

    Ich finde das neue Album sehr gelungen !!! Vor allem die songs "taste of sin" und "Lili Marleen" sind klasse. Das Video zu "taste of sin" läuft übrigens ab Montag,den 13.11. in der Viva -Rotation !!! Ich finde auch die Vermischung von deutschem und englischem Text sehr interessant und kann die Scheibe nur weiterempfehlen. Petra

    10/10
  4. Sven sagt:

    Bah, Krulle kann nicht singen und wer diese Gothic-Latex-Scheiße braucht um Alben zu verkaufen tut mir leid. Schade, war mal eine gute Band und die Musiker sind immernoch top, aber warum schmeissen die bloss nicht diesen üblen Krächzer raus????

    2/10
  5. Alarmist sagt:

    Belanglos bis ins Letzte! Werk 80 konnte man noch gerade sooo anhören (mit einem relativ hohen Alkoholspiegel)! Krull kann einfach nicht singen! Wären sie doch einfach nur beim Death Metal geblieben, da hätte der Herr nicht viel falsch machen können!

    3/10
  6. Anonymous sagt:

    Als ich die Berichte in Zeitschriften las wollte ich die CD unbedingt haben. Ohne das nötige Kleingeld war dies nicht möglich, bis die CD runtergesetzt wurde. Und nun muß ich sagen, dass mir selbst das Geld zu schade war für die Scheibe. Da wäre es noch sinnvoller gewesen einen leere Rohling zu verkaufen. Der Gesang ist schlimmer als alles, was man bei "Deutschland sucht den Superstar" oder ähnlichem zugemutet bekommt und das, was die Band sich technisch gesehen zurechtspielt spielt ne neugegründete Band voller Anfänger besser. Über die Kreativität hinsichtlich Songstrukturen oder Lyrics braucht man gar nicht mehr erst ein Wort zu verlieren……….

  7. alarmist sagt:

    Im Vergleich zum Nachfolger taugt das hier absolut garnichts!!! Weiß nicht weshalb ich da 3 Punkte gab! Schmarn!