Stephan Ahlers-Möller - Aus dem Eis (Roman)

Review

Ein Sci-Fi-Horror-Roman, der ein wenig was von „Das Ding“, aber auch „Akte-X“ oder Lovecrafts „Berge des Wahnsinns“ hat? Klingt interessant. Auch die Prämisse des Findens von Bakterien bei schmilzendem Permafrost als thematischer Backdrop macht neugierig. Was aber liefert „Aus dem Eis“ von Stephan Ahlers-Möller unterm Strich?

Unterhaltsam, kurzweilig

Den geneigten Lesern könnte anhand der Kurzbeschreibung „Der Schwarm“ von Frank Schätzing in den Sinn kommen. Solch einem Buch gegenüber kommt der Roman leichter verdaulich daher, sowohl was Umfang als auch Sprachne und Recherchetiefe angeht. Kurz und knackig, aus der Ich-Perspektive erzählt, sprachlich erfreulich einfach. So zieht es schnell in die Geschichte rein und lässt sich locker-flockig an einem Wochenende als alternative Abendunterhaltung weg lesen.

Natürlich kann bei einem Romandebüt noch kein Niveau wie bei alteingesessenen Schriftstellern erwartet werden und es wäre überzogen, mit solch einer Haltung an eine Rezension heranzugehen und das mit Büchern vom Kaliber und Umfang eines oben angesprochenem „Schwarm“ zu vergleichen. Trotzdem gibt es ein paar Kritikpunkte.

Ausbaufähig in mehreren Aspekten

Zum einen stören gewisse holzschnittartige Charaktere oder Tropismen in der Geschichte, die ein wenig zu sehr Hollywood-Vorstellungen entsprungingen, zum Beispiel was Bewohner von Grizzly Creek angeht. Zum anderen ist sprachlich die ein oder andere Passage zu lang oder uninteressant geraten. Alltagsbeschreibungen von Kaffeekonsum sind nicht notwendigerweise etwas, womit man Zeit verbringen muss.

Anderes Beispiel: Die häufige Verwendung von „egal“ als sich im Verlauf des Buches weg-egalisierendes Füllwort. Die angenehm gemeine Sprache ist für Lese- und Verständnisleichtigkeit sicherlich gut, aber bleibt dennoch ausbaufähig.

Auch die persönlichen Beziehungsprobleme der Hauptfigur werden vielleicht – gerade bei einem Thriller – nicht jede/n LeserIn interessieren und hätten auch weggelassen werden können. Weder wird dadurch eine zusätzliche emotionale Komponente im Buch bedient, noch wäre es nötig für Verständnis der Figuren oder einen Ausbau der Geschichte. Daher wirkt dieser Aspekt eher  aufgesetzt anstatt wirklich bedeutsam.

Stephan Ahlers-Möller liefert ein solides Horror-Debüt, mit Luft nach oben

Der gemächliche Einstieg der Geschichte mit schnell anziehendem Mittelteil macht sich dramaturgisch gut. Allerdings verläuft der Höhepunkt bei der zuvor aufgebauten Erwartungshaltung ein wenig im Sande. Das Ende hält sich zumindest die Option auf eine Fortsetzung offen, wo die erschaffene Welt und Verschwörungskonstruktion noch ein wenig ausführlicher aufgegriffen werden kann. Möglicherweise mit neuen Charakteren.

Trotz der Kritikpunkte an Sprache, Charakterzeichnung und Storyverlauf ist „Aus dem Eis“ für kurzweilige Scifi-Mystery-Horror-Unterhaltung eine Empfehlung und sicherlich Material, auf dem sich aufbauen lässt.

Ob altgediente Horror-Roman-Fans oder Leser, die einen „Schwarm“ vom Umfang und Anspruch her erwarten, sich „Aus dem Eis“ unbedingt ebenso in den Schrank stellen müssen, ist hingegen eher fraglich. Solides, unterhaltsames Roman-Debüt, mit Luft nach oben in einigen Aspekten.

Stephan Ahlers-Möller: „Aus dem Eis“, Roman, Books On Demand (Eigenverlag), 250 Seiten, Taschenbuch 10,99 €

Stephan Ahlers-Möller – Aus dem Eis – Cover Art von Florin Sayer-Gabor
07.05.2022
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