Bastard Cröss - Crossripper

Review

Was die Amerikaner von BASTARD CRÖSS auf ihrem Debütalbum „Crossripper“ präsentieren, wäre in den 1980er-Jahren höchst zeitgemäß gewesen. Heutzutage ist der Thrash Metal mit Punk-Einschlag des Quartetts aus Philadelphia vor allem ein Trip in den Underground. Das Werk suhlt sich in roher Energie und prescht meist kompromisslos nach vorn, ohne auf Trends oder moderne Spielereien zu achten.

BASTARD CRÖSS: Blackened Thrash mit rotzigem Drive

Musikalisch bewegt sich „Crossripper“ im Spannungsfeld aus frühem Thrash Metal, räudigem Black Metal und dem rotzigen Drive von MOTÖRHEAD. Es weckt Erinnerungen an frühe SODOM, CELTIC FROST oder auch NIFELHEIM.

Die Riffs von Blasphemous Axe und Heathen Chevalier, die sich auch den Gesang teilen, sind direkt. Technische Finesse muss man woanders suchen. Das Quartett, zu dem noch Beheader of Priests (Bass) und Infernal Bastard (Drums) gehören, steht auf vorwärtstreibende Songs, drückt aber auch immer wieder auf die Bremse. Zwischen den rasanten Passagen schleichen sich immer wieder schleppende, beinahe doomige Parts ein, die den Stücken zusätzliche Schwere verleihen. Schon die alten Lateiner wussten: „Variatio delectat“ – Abwechslung erfreut. Insofern liegen BASTARD CRÖSS mit ihrem Ansatz gut in der Spur. Das zeigt sich bereits beim Doppelschlag zum Auftakt.

Abwechslung trumpft Dauerfeuer

Der Opener „Parasitic“ fegt nach wenigen Sekunden los, verschleppt aber bereits in der ersten Minute dezent das Tempo. Im darauffolgenden Titeltrack führen die vier Musiker mit ihrer Interpretation von Doom Metal zunächst einmal aufs Glatteis. Aggressive Riffs, treibendes Tempo und rohe Energie zeigen aber, wo der Bartel den Most holt – oder wo der Bastard das Kreuz zerreißt. Mit diesem Muster vermeiden BASTARD CRÖSS monotones Dauerfeuer. Gleichzeitig sind die Stücke erfreulich direkt und druckvoll, ohne sich in unnötigen Umwegen zu verlieren.

Der Gesang bewegt sich zwischen kehligem Gekeife und heiserem Gebell und fügt sich nahtlos in die aus der Zeit gefallene Gesamtästhetik ein. Das singende Saitenduo agiert lieber mit dem Charme eines Straßenköters als mit feinen Noten.

„Crossripper“ ist authentisch, aber ohne große Ausreißer

Wer das Haar in der Suppe sucht, hat es nach dem zweiten oder dritten Hördurchlauf gefunden: Über die neun Songs beziehungsweise rund 37 Minuten hinweg fehlen herausragende Einzeltracks. Viele Nummern funktionieren gut – erst recht im Albumkontext –, brennen sich aber nicht dauerhaft fest.

Zudem lassen sich mit „Crossripper“ keine neuen Erkenntnisse für Blackened Thrash Metal (oder die jeweiligen Einzelgenres) gewinnen. Das ist aber augenscheinlich auch nicht der Anspruch von BASTARD CRÖSS für ihr Debütalbum. Die Scheibe soll kurzweilige Unterhaltung bieten und einfach Spaß machen. Dazu gehört auch das Geräusch einer geöffneten Bierdose zu Beginn von „Satanic Pandemonium“. Wer Wert auf rohe Energie, düstere Riffs und eine Zeitreise in die 1980er-Jahre legt, erhält mit dem Werk ein überzeugendes Gesamtpaket.

27.05.2026

From the Underground and Below

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