Betraying The Martyrs - Breathe In Life

Review

Ein Fußball sollte aufgepumpt sein, ein Handball auch, ebenso wie ein Luftballon oder der Türsteher der nächsten Schicki-Micki-Discothek. Im musikalischen Sinne ist ein solcher Aspekt hingegen überhaupt nicht mein Stil. Weder mit besonders viel Pathos, noch mit entsprechender Theatralik kann ich dahingehend etwas anfangen, das ist im Wesentlichen darin begründet, dass ebensolche Attribute für mich immer als Selbstzweck eingesetzt werden und viel zu oft in keiner Weise songdienlich erscheinen. Nach diesem Einstand dürfte es kaum verwundern, dass auch BETRAYING THE MARTYRS mit viel Bombast arbeiten, kommen sie mit Paris nicht allein bereits aus einer Stadt, die ein vergleichbares Flair verbreitet.

“Breathe In Life“ stellt nachfolgend das erste Album der sechsköpfigen Truppe dar und erfüllt auf den ersten Blick zweifellos jedes nur denkbare Klischee, das dem Deathcore hier und da nachgesagt wird. Böse Zungen würden behaupten, die Frisuren sprächen Bände, gewissermaßen ist da möglicherweise sogar etwas dran. Die Songtitel lassen auf schwertraurige Liebesgeschichten schließen, das Keyboard zeigt sich praktisch omnipräsent und auch klare Gesänge nehmen einen beträchtlichen Teil der knappen Dreiviertelstunde Spielzeit ein.

Das klingt soweit alles irgendwie schon mal ziemlich abschreckend, doch so mies ist “Breathe In Life“ gar nicht, denn all die angesprochenen Parts sind weitgehend ordentlich in den musikalischen Zusammenhang eingebunden. So machen die sauberen Vocals einen recht gekonnten Eindruck, wobei lediglich das schmierige “Azalee“ den Bogen bei weitem überspannt – das ist schon eher etwas für Bohlen und Co. Sicher existieren auch Passagen, wo das Tasteninstrument einmal zu viel einen gewissen Musical-Geschmack verbreitet, wo sich die Musik zu sehr den Texten anbiedert oder wo lahme Breakdowns, das wiederholen, was man schon vor fünf Jahren nicht mehr hören konnte. Nichtsdestoweniger ist BETRAYING THE MARTYRS ein alles in allem ordentliches bis gutes Debüt gelungen, in das etwa Fans von WINDS OF PLAGUE einmal reinhören dürfen.

31.08.2011
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