Buried Inside - Spoils Of Failure

Review

Zur Erinnerung: BURIED INSIDE sind eine dieser Bands, die das Prinzip maximaler Verdichtung in die repetitive, verschleppte Klangästhetik einführten; dieser Name ist ein Synonym für die Freude an der Zerstörung von schönen Song-Architekturen und für das Spiel mit der Dynamik von Laut und Leise, mit den dominierenden Gegensätzen Harmonie und Chaos, Bombast und Minimalismus. Und wie man von einer Band wie NEUROSIS weiß, geht es bei solcher Musik immer um ein immanentes Hören. Man folgt nicht einer Melodie, die man dann das nächste Mal wieder erkennt, sondern man folgt einer Spur von Riff zu Riff. Die Eigenschaften dieser Riffs sind solche der Erkennbarkeit, der Zugehörigkeit zu einem Sounddesign, einer kleinen Nische zwischen Post-Hardcore und EXPLOSIONS IN THE SKY: hier läuft man gegen Gitarrenwände und hat in den besten Momenten das Gefühl, Musik atmen zu können.

Fünf Jahre nach „Chronoclast“ holen nun die Herrschaften aus Ottawa, Kanada zum dritten Streich aus, und zwar zum klanglich wie kompositorisch bislang gelungensten. Mit „Spoils Of Failure“ gelingt der Band doch glatt das, was man sich als erwachsener Hörer meist erhofft, aber womit man eben doch selten rechnen darf: sie entwickelt sich weiter. Weg von der Eindeutigkeit, weg von der allzu totalen Schwere, weg von der allumfassenden Aussichtslosigkeit, die noch auf dem Vorgänger so deutlich zu hören war. Und hin zu – natürlich – zwar nicht gerade leicht konsumerablen Klängen und fröhlichen Lyrics, aber doch einem erstaunlich lockeren Umgang mit all dem Kranken an der Welt und der Situation und Aussichtslosigkeit. Als hätte man das Dunkle einfach akzeptiert – es bleibt bei einem Düster-Sound mit einem gewissen Understatement und Stil, bei gekonnt inszenierter Tristesse, aber diesmal mit einem Tick mehr Intensität und Größe.

Es geht hier bei den acht Songs um die betont räumliche Organisation von in einen konstanten Flow integrierten, ineinander übergehenden Feedback- und Klanglandschaften, mit abstürzenden Feedbacks und hypnotischen Zeitschlaufen werden Beckett’sche Endzeitmotive zum Klingen gebracht. Minutenlange fragile Noise-Meditationen, eigentümlich spiralig strukturierte, immer zu sich selbst, aber in anderem Zustand, zurückkehrende Gitarrengirlanden werden durch schleppend zähe, maximal verzerrte Riffs konterkariert; darüber schwebt Nick Shaws übel gelaunter, missmutiger Gesang, der in seiner angeödeten und unnahbaren Phrasierung eine ausgeprägte Affinität zur NEUROSIS-Poetik verrät; die Vocals ragen wie Reliefs aus den massiven verkarsteten Soundblöcken aus Drones und digitalen Verunreinigungen heraus.

Und es bleibt auch über die ganze Platte hinweg beim Novembergefühl, aber diesmal derart, als würde man gar nicht mehr, niemals wieder, mit besserem Wetter rechnen. Das ungute Gefühl, diese eigenartige Stimmung, ist einfach vorhanden, mit einer ganz erstaunlichen und auf perfide Weise wunderbaren Selbstverständlichkeit. Riesige Platte.

11.03.2009
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