Canvas Solaris - Irradiance

Review

Auch wenn man sich seit Jahren im Metalgeschäft bewegt, kann man immer noch überrascht werden. So ging es mir jetzt mit CANVAS SOLARIS, die mir als Vertreter des sog. ‚Djent Metal‘ vorgestellt werden. ‚djent‘ bezeichnet dabei in etwa den Klang, den man mit einer ganz bestimmten Anschlagstechnik auf der Gitarre erreicht. Die Frage, ob man nun gleich deswegen ein neues Subgenre für Bands aufmacht, ist berechtigt, sind doch die ganzen Feinheiten eher durch geschultes Gehör herauszuhören. Ein anderer Grund, der dagegen spricht ist, dass diese Technik nur ein Detail, ein Stilelement ist, die im Großen und Ganzen nichts daran ändert, dass die US-Amerikaner Jazz-infizierten, technisch anspruchsvollen Progressive Metal spielen.

CANVAS SOLARIS begehen dabei als Instrumentalband allerdings nicht den Fehler, sich in allzu vertrackten Strukturen zu verirren oder abstrakten Mathematiker-Metal zu spielen. Sie sind geradliniger als ihre Kollegen SCALE THE SUMMIT und sorgen in den komplexen Arrangements regelmäßig mit äußerst eingängigen Passagen für willkommene Auflockerung des Gesamtbildes. Als Inspiration dürften sicherlich altgediente Bands wie MESHUGGAH oder SPIRAL ARCHITECT Pate gestanden haben, nur das CANVAS SOLARIS nicht so aggressiv aber auch nicht so verkopft sind. Die Band sorgt zwar für einige heftige Momente (z.B. „Glacier“), überzeugt aber vor allem durch einen harmonischen, sehr atmosphärischen Fluss der Musik, die zu keinem Zeitpunkt belastend oder spröde wirkt.

Mit Songtiteln wie „Conveyance Of Flux“ oder „Accelerated Testing Phase“ steht man zwar in bester Frickeltradition, aber ich gehe soweit zu behaupten, dass CANVAS SOLARIS mit „Irradiance“ ein Album zusammengestellt haben, welches auch für Hörer geeignet ist, die sich ansonsten nicht gerade für technische Raffinessen, Saitenhexerei oder vielschichtige, genau durchdachte Arrangements mit Improvisationscharakter erwärmen können. Und für alle die das doch tun, bietet das mittlerweile fünfte Werk eine Dreiviertelstunde beste Prog-Unterhaltung.

01.07.2010
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