Castle - Blacklands

Review

Immer, wenn ich mich mit Kollegen oder auch ähnlich musikbegeisterten Bekannten über CASTLE unterhalte, fällt unweigerlich der Name THE DEVIL’S BLOOD. Die Parallelen wie zum Beispiel gleiches Label, weiblicher Gesang und ein Hang zum Okkulten liegen zwar auf der Hand, doch mindestens einen entscheidenden Unterschied gibt es. Während mir die Niederländer bis heute nichts geben, hat mir bereits CASTLEs Debütalbum „In Witch Order“ ziemlich gut gefallen. Entsprechend mag ich weitere Vergleiche auch gar nicht anstellen.

„Blacklands“, der Nachfolger, schlägt knapp ein Jahr später nämlich in eine ähnlich Kerbe und gefällt mir erneut ziemlich gut. Die staubig-trockene  Produktion, die altertümlichen Riffs und Melodien sowie das eher gemäßigte Tempo bieten die Grundlage, auf der das Trio wieder unterhaltsame Songs kreiert hat. Hinzu kommt, dass mit Bassistin Elizabeth Blackwell eine ausdrucksstarke Sängerin mit an Bord ist, deren eigenwillige, aber eindringliche Stimme der Band Ausdruck verschafft. Beginnend mit dem Opener „Eve Hunter“ schleppen sich CASTLE über gut 35 Minuten, nur selten brechen sie mal aus, und auch dann nur in ein etwas beschwingteres Midtempo. Zwar fühlt man sich bei den ersten beiden Songs noch an das Debüt erinnert, doch mit „Storm Below Mountain“ gibt es dann eine wirkliche Überraschung. Blackwell fungiert stimmlich nur als zweite Geige, während Gitarrist Matt Davis den Hauptpart übernimmt und dem Song einen ganz anderen Anstrich verleiht, ganz abgesehen davon, dass der Rhythmus fast zwingend zum Kopfnicken animiert. Das bleibt aber auch das einzige Mal, dass man auf „Blacklands“ wirklich überrascht die Ohren spitzt. Negativ zu bewerten ist das aber nicht. Ansonsten bleiben CASTLE ihrer Linie nämlich ziemlich treu: Düstere Grundstimmung, staubiger Sound und einprägsame Refrains, die spätestens nach dem zweiten Durchlauf fest in den Gedanken verankert sind. Gegen Ende büßt „Blacklands“ aber leider etwas ein und so klingt die Platte mit „Alcatraz“ und „Dying Breed“ im direkten Vergleich mit dem restlichen Material etwas öde aus.

Ist alles nicht schlimm, die Erwartungen haben CASTLE schon davor allesamt erfüllt. Zwar sind die Songs recht einfach gestrickt und abgesehen von „Storm Below Mountain“ gibt es nichts ungewöhnliches zu entdecken, aber auch das muss nicht sein. Wer mit „In Witch Order“, so wie ich, schon einiges anfangen konnte, wird auch hier wieder auf seine Kosten kommen. Wer allerdings ohnehin lieber auf fette Produktion und komplizierte Songstrukturen steht, oder auf weiblichen Gesang (nicht zu verwechseln mit den üblichen Trällerelsen) gar nicht kann, braucht CASTLE eh keine Aufmerksamkeit zu schenken. „Blacklands“ ist erneut nicht überragend, aber doch erwartungsgemäß sehr gut, einzig beim Drittlwerk muss das Trio aufpassen, sich nicht endgültig selbst zu wiederholen.

06.05.2012

Chefredakteur

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