Castle - Carrie Chains
Review
Die famosen CASTLE und ihre aktuelle Beschwörung „Carrie Chains“ bieten die Möglichkeit, auf burgkulturell Grundsätzliches hinzuweisen: Es gibt drei Typen von Burgmenschen. Die ersten kaufen sich nach der Führung durch die Wartburg den Magneten mit Zinnen für den Kühlschrank und wären eigentlich noch viel lieber durch Neuschwanstein flaniert, während ihnen „die Augen übergegangen“ wären. Die zweiten sind im LARP-Ferienlager für zwei Wochen der fürstliche Schmied oder die Schulzin „unter der Burg“ inklusive Spaßgarantie. Der dritte Typ aber, der zieht heimlich ins Kellergewölbe der Ruine im Wald und installiert unter Ablehnung des Lichts Portale ins Jenseits als unterirdische Fensterattrappen. Per orthodoxer Beschwörung. Zu dem Typ gehören CASTLE aus San Francisco.
CASTLE: schwerer Rock im Zeichen des Horns
Seit ihrem Debüt „In Witch Order“ auf Ván Records widmet die Band um den Kern Liz Blackwell (Bass, Gesang) und Mat Davis (Gitarre, etwas Gesang) ihre Kunst dem Dunklen und Abseitigen. Aktuell heißen Titel „Evil Nun“, „Orb Weaver“ und „Goat Vision“. Wie auch sonst?
Die Musik dazu hat mit Death- oder gar Black Metal allerdings nicht zu tun. Beide sind ja auch viel später als die Burg erfunden worden. CASTLE, mittlerweile auf Hammerheart, setzen vielmehr auf muskulösen Rock (s. Cover), der klanglich mit mindestens einem Huf im langsamen bis halbschnellen Metal steht. Oder, noch passender, auf Heavy Metal, der aber wie unheilvoller (Doom-)Rock auftritt. Mit anderen Worten: „Carrie Chains“ bremst die großartigen TOWER mit einer mächtigen Schelle Iommi in Richtung THE DEVIL’S BLOOD aus. Abseits verrenkter Metaphorik beweisen CASTLE damit, dass der (sehr) schwere traditionelle Rock im Zeichen des Horns auch 2026 nicht langweilig ist – falls er denn mit echter Hingabe zelebriert wird. Und, natürlich, die Songs etwas können.
„Carrie Chains“: Kultur im engeren Sinne
Beides ist bei „Carrie Chains“ der Fall. Ist man bei den ersten Durchgängen nur dankbar und dezent mit Bein und Kopf wippender Teil der Zielgruppe, klebt man danach zum pointierten Refrain von „Evil Nun“ schon geflissentlich das Bürofenster zu. Wenn man nicht gerade das Riff des Fast-Titelsongs oder das von „Truckgrinder“ als Demutsgeste gen Beelzebub nachstellt. Bevor schließlich wesentliche Teile von Bekleidung und Zurückhaltung als domestizierende Schranken fallen. Welche eine ziemliche Hymne „Goat Vision“ aber auch darstellt … verdammt noch eins!
Bekräftigt wird jedenfalls: Der Mensch braucht Ansagen wie „Carrie Chains“. Braucht Burgtypen wie CASTLE. Braucht Kultur.
Castle - Carrie Chains
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Doom Metal, Heavy Metal, Rock |
| Anzahl Songs | 8 |
| Spieldauer | 35:10 |
| Release | 04.09.2026 |
| Label | Hammerheart Records |
| Trackliste | 1. Fooled Again 2. 3 Knocks 3. Carry Chains 4. Evil Nun 5. Truckgrinder 6. Orb Weaver 7. Goat Vision 8. Burn The Messenger |