Creed - Full Circle

Review

Welche Erwartungen hat man eigentlich an eine neue Platte einer Band, die in der Vergangenheit mit Songs wie „My Own Prison“ oder „My Sacrifice“ Kultstatus erreichte und auch selbst heute mit Titeln wie „With Arms Wide Open“ zum Teil noch im Radio vertreten ist?
Diese Frage stellte sich mir als ich vom neuen Album der Band hörte. Nach ewigem rauf- und runterspielen der alten Songs der frühen Alben „My Own Prison“ und „Human Clay“, sowie auch „Weathered“, die alle gewisse Charakteristika besaßen, einfach CREED waren, waren meine Erwartungen auch entsprechend hoch. Aber genau diese Erwartungen werden zunächst bei einmaligem Hören nur zum Teil erfüllt. Was zunächst fehlte war der Bezug zu den ersten Alben, die in puncto Sound und Attack im direkten Vergleich zu „Full Circle“ noch relativ prüde wirkten.

Klar war nach dem ersten Reinschnuppern allerdings schon: „Full Circle“ ist ein würdiger „Weathered“-Nachfolger mit deutlichen ALTER-BRIDGE-Einflüssen, knüpft mit dem Opener „Overcome „in Sachen Härte an Songs wie „Bullets“ oder „Signs“ des Vorgängers an, die ja teils mit heftigem Riff-Gewitter glänzten. „Overcome“ erzeugt also gleich zu Beginn Gänsehaut und ein Gefühl der Zufriedenheit durch einen eingängigen Sound und eine gute Hookline. Etwas schwerer hat man es da mit dem zweiten Titel „Bread Of Shame“, an dessen eigenwilligem Sound man recht lange zu knacken hat, ehe man es in die Gesamtkomposition des Albums einordnen kann, da es musikalisch von der üblichen CREED-Norm stark abweicht, meiner Meinung nach in Richtung Bands wie EKTOMORF oder KORN. Auch der Titeltrack ist eher untypisch, aber keineswegs befremdlich – und genau das sollte ein Anreiz sein, die Experimentierfreudigkeit der Band zu würdigen.
Aber auch ruhigere Stellen des neuen Albums wie etwa „Away In Silence“ oder „Time“ wecken Assoziationen zu „Weathered“, etwa zu „One Last Breath“.
Ein signifikanter Pluspunkt ist auch, dass kein Song wirklich negativ auffällt oder nicht in das Gesamtkonzept des Albums (und der Alben vorher!) passt.

„Full Circle“ muss man trotz allem mehrmals hören, um ein Gefühl der Unsicherheit zu verdrängen, ob es wirklich die CREED sind, die sich nach „Weathered“ trennten, das sollte jedem klar sein, der sich den neuen Silberling zulegt. Hat man die anfängliche Skepsis überwunden, kann man es bedenkenlos als ein weiteres gelungenes Werk der Konsorten um Scott Stapp und Mark Tremonti bewerten, die ihr Können in Sachen erfolgreiches Songwriting unter Beweis stellen.

Fazit: „Full Circle“ ist anders als dessen Vorgänger, hat aber durchaus Potenzial Songs mit Kultstatus hervor zu bringen. CREED wirken frisch, frei und energiegeladen, und erweitern auf jeden Fall einmal mehr ihren musikalischen Horizont auf „Full Circle“, ohne jedoch ihre Wurzeln zu vernachlässigen und sich zu weit vom angestammten Stil zu entfernen.

27.12.2009
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