Crestfallen - Secrets Of Time

Review

Crestfallen sind eine Band aus Marl, die sich selbst mit den Worten „melodic black death metal with male and female vocals“ beschreiben. Genau diese Worte würde ich auch verwenden, wenn ich Cradle of Filth beschreiben würde und Crestfallen klingen ihnen tatsächlich sehr sehr ähnlich, gehen von der Musik her nur nicht so stark in den blackmetallischen Bereich hinein, weswegen ich sie jederzeit CoF vorziehen würde… Die Musik vermischt geschickt Elemente des Death, Black (kein hohes Kreischen) und Doom Metals, bleibt aber zum Glück auch beim Black Metal-Teil sehr basslastig (Überhaupt ist die ganze Produktion der CD sehr sauber aber auch erheblich basslastig vorgenommen worden, so daß man erst einmal etwas an den Reglern drehen sollte, bevor man lauter stellt…). Sieht man mal von den einigen wirklich schön schnell geknüppelten Stellen ab, ist Secrets of Time voll mit melodischem Death und Black Metal und wundervollen Melodien, die teilweise mit Violine untermalt sind. Jeder der sechs Songs auf dieser kleinen CD klingt unterschiedlich, was bei vielen aktuellen Veröffentlichungen ja leider nicht mehr der Fall ist (Man denke an Moonspell oder Type O…). Alle drei stimmlichen Elemente wechseln sich ab oder gehen ineinander über. Teilweise geschieht das nicht wie von so manch anderer Band gewohnt Strophe für Strophe oder Satz für Satz, sondern mittem im Wort und vor allem der Gegensatz aus sich überlappenden weiblichen und tief gekreischten männlichen Vocals (vor allem im Titelsong „Secrets of Time“) verschafft den Songs eine Atmosphäre, die bisher wenige Bands zu schaffen in der Lage waren und die auch Theatre of Tragedy nicht aufbauen können. Die mittlerweile obligatorischen weiblichen Vocals klingen so, wie sich CoF das vielleicht mal vorgestellt hatten, bevor sie ihre Sängerin gehört haben, also wirklich gut. Sie sind vollkommen glasklar und man kann sich richtig vorstellen, wie sie einem aus einer anderen Welt in den Kopf strömen und mit sich ziehen wollen (Seltsamerweise mußte ich beim ersten Song („Whispering Woods“ )beim von Maike gesungenen Part „I’m the Goddess of the Woods“ an das Intro von Stonekeep denken…). Ist die Musik schon von hoher Qualität, so sind dies erstaunlicherweise auch die Texte, welche generell nicht typisch Death oder Black-metallisch ausfallen, sondern eher zu Bands wie Anathema passen würden und sich im Fantasy- oder Traumbereich abspielen, teils auch philosophisch sind. Die Texte möchte ich nicht weiter zerpflügen, weil ihr sie euch lieber in der Gesamtheit anschauen und -hören solltet und ich damit ihre Ausdruckskraft zerstören würde. Crestfallens Secrets of Time ist vom ersten bis zum letzten Song eine CD, die sich sowohl musikalisch als auch textlich keine Blöße gibt und ist sogar eine der wenigen CDs, denen ich ohne schlechtes Gewissen eine Punktbewertung um den Hals hängen könnte, was ich normalerweise nicht gerne mache, da eine CD aus so vielen verschiedenen Elementen besteht, daß man sie nicht auf eine einzelne Zahl degradieren kann. Hier also die Bewertung: 9,8 von 10 Punkten (die 0,2 Strafpunkte Abzug gibt es wegen dem Intro zu „In Bitterness“, was völlig unpassenderweise von Europe gecovert ist…). Bestellen könnt ihr die CD für wenig Geld bei der oben stehenden eMail-Adresse. Für ihr nächstes Werk sollten Crestfallen vielleicht noch ins Auge fassen, einen langsamen Song nur mit Maikes Vocals aufzunehmen…

23.01.1997
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