Crypt Sermon - The Ruins Of Fading Light

Review

Mystisches Keyboard, Hufgetrappel, der Schmied schlägt zu, epischer Männercho-hohohor, Fanfaren – CRYPT SERMON deuten schon im Aufgalopp dezent an, dass „The Ruins Of Fading Light“ nicht den Alltag im Spätkapitalismus thematisiert und auch nicht das hektische Großstadtleben. Die wackeren Ritter aus Philadelphia künden vielmehr vom aufrechten Kampf um die großen Fragen, von Himmel und Hölle, von Oaths, Heathens, Torchfires und Co.

So richtig steigt man da zwar selbstredend nicht durch, aber die inhaltliche Anlage ist prinzipiell überlebensgroß genug, um der Musik nicht aufgrund lyrischer Verzagtheit das Fundament bröckeln zu lassen. Was CRYPT SERMON nämlich zelebrieren, ist eskapistischer, bis an die Kante epischer Ausgebreitete-Arme-Doom vor dem Herrn. Vor welchem nun auch immer.

CRYPT SERMON reiten in ehrenwerter Gesellschaft

Damit befinden sich die Herren durchaus fest und gar nicht nur langsam reitend im Sattel inmitten eines ausgesuchten, eines edlen Heeres. Vorneweg reiten CANDLEMASS, etwas versetzt schauen ATLANTEAN KODEX ernst und auf dem schwarzen Rappen ganz hinten erahnt man BATHORY mit Wikingerhelm.

Die Zielgruppe von „The Ruins Of Fading Light“ dürfte klar sein. Und hocherfreut bis euphorisiert. Denn CRYPT SERMON hantieren nicht nur kundig mit den einschlägigen Schlagworten und Ingredienzien der verehrten Richtung. Sie wissen diese auch elegant zusammenzufügen. Und auch in dieser sehr auf Atmosphäre bauenden Nische zählt am Ende schließlich doch der Song.

„Key Of Solomon“ verhakt sich über eingängige Leads und Riffs zum Beispiel gar teuflisch im Ohr, der Titelsong ist ein über fast neun Minuten walzendes Monster inklusive großem Solo im finalen Teil und „Beneath The Torchfire Glare“ ein mächtige, böse funkelnde Ansage, deren Riffs tiefe Hufspuren im Herzen des geneigten Publikums hinterlassen.

„The Ruins Of Fading Light“ ist ein sicheres Ritter-Ding

Sänger Brooks Wilson transportiert die Gedanken zu diesen Hymnen mit klarer, kräftiger und nicht zu hoher Stimme angemessen bedeutungsschwer. Diverse Flötentöne hie und Tastentupfer da, auch der Sound der Elemente runden das Bild ab. Erfreulich voluminös und zupackend in Szene gesetzt ist „The Ruins Of Fading Light“ zudem (natürlich) von Arthur Rizk (ETERNAL CHAMPION, SUMERLANDS), der als Produzent auch schon Härteres wie POWER TRIP zu verantworten hat.

Fazit: „The Ruins Of Fading Light“ erscheint im Gesamtbild etwas kräftiger als die Vorgängerin „Out Of The Garden“, ist vielleicht noch nicht das Ende der (stolz emporgereckten) Fahnenstange für CRYPT SERMON und alles in allem ein sicheres Ding für alle Hobby-Kreuzritter zwischen Middle Ages und Twilight Zone.

08.09.2019
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