Dark At Dawn - Crimson Frost

Review

Power Metal? True Metal? Also, als solches konnte ich schon den Vorgänger „Baneful Skies“ nicht wirklich ansehen – machen ein Harmony-Solo und dann und wann in Alt-Sphären abschweifende Vocals aus Musik Power – oder True Metal? Doch egal, in welchen Schrein man Dark At Dawn auch zu zwängen versucht: In jedem Fall geben sie auch auf ihrem Debütnachfolger eine gute Figur ab. Die fast durchweg im Midtempo angesiedelten Werke strahlen eine angenehme Melodie-Wärme aus, die durch die rauchige und dennoch präzise tonierte Stimme von Sänger Buddy ihre Originalität erfahren – das absolute Plus dieser Band. Der „Rest“ der Musik klingt derart überzeugend, aufeinander intoniert und dennoch so gar nicht steril, dass das Werk zu einem emotionalen, aber nicht unkoordinierten Ganzen verschmilzt. Der von mir seit jeher hochgeschätzte Rockfaktor einer Platte lässt in diesem Falle ebenfalls nichts zu wünschen übrig, zumal die Produktion im Allgemeinen rauh und nicht allzu brachial gehalten wurde – Respekt! Nichtsdestoweniger sind die Songs summa summarum etwas langweiliger als auf dem Vorgänger. Das mag durchaus allein auf meinem subjektiven Empfinden basieren, jedoch weise ich auf die Gefahr des schnellen „Überhörens“ der Platte hin. Dem entgegen allerdings wirken zwei Songs auf der Platte, die sich schon durch ihre Stilmittel ausdrücklich vom Gros der Tracks unterscheiden: Das mit angenehmem weiblichem Gesang duettierte „Oceans Of Time“ ist eines der beiden – die Idee ist dabei so originell wie der Songtitel, doch allein die Durchführung ist konsequent und gelungen. Der andere Beitrag zur Profilerlangung des Albums ist die exzellente Coverversion des Gary-Moore-Classics „Out In The Fields“, der mit dem Origial allemal gleichziehen kann – wie schon „Don’t Pay The Ferryman“ seinerzeit auf dem Vorgänger. Letztendlich ist es vielleicht ein wenig schade, das ausgerechnet die Coverversionen eines Albums die tatsächlichen Höhepunkte einer selbständigen Band darstellen, andererseits besteht für die Eigenkompositionen kein allzu großer Aufholbedarf. Somit ist die Qualität jener Cover vielleicht ein Fixpunkt am Erwartungshorziont, an welchem die Band auf zukünftigen Werken zu messen sein darf – von anderen ebenso wie von ihnen selbst.

12.05.2001
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