Das Elend - Lecons De Tenebres

Review

Ok, die Band hat mit Gothic herzlich wenig zu tun, aber diese wunderbare
melancholisch-traurige Stimmung schaffen sie auf eine wunderbare Weise zu erzeugen.
Und neue musikalische Einflüsse haben noch niemandem geschadet. Die Musik von
Das Elend wird allgemein als Dark-Ambient-Klassik mit Black-Metal-Elementen
bezeichnet, wobei einige der Stücke gar nicht so „dark“ rüberkommen
und sich die Black-Metal-Elemente mehr auf den Hintergrund der Songs und auf den
zeitweise aggressiven Gesang des Sängers (Shouter wäre der bessere
Ausdruck) reduzieren. Musikalisch haben Elend in jeder Hinsicht etwas zu bieten.
So werden keine Gitarren verwendet, sondern der Sound setzt sich aus Violinen,
orchestralen Arrangements, Keyboards, Synthesizern und Klavier zusammen. Wen
wundert’s, da die Franzosen als ihre musikalische Inspiration u.a. Monteverdi, Bach,
Haendel, Vivaldi und Mozart angeben. Weitere Inspirationen liegen laut Elend
bei Dead Can Dance, My Dying Bride und At The Gates. Das ganze
wird verfeinert durch die wunderschöne Sopran-Stimme von Eve Gabrielle Siskind,
sowie durch die „Screams“ und den Sprechgesang von Renaud Tschirner. Zum Hintergrund
der Band könnte man lange philosophieren. Laut Angaben der Band lehnen sie den
Satanismus ab und verehren Luzifer. Aufgrund dessen endet die CD auch mit der
Errichtung der Hölle, da die Luziferische Lehre im Satanismus untergehen
würde. Man kann von diesen Aussagen halten was man will, aber daß es sich
hierbei um doch recht intelligente Leute handelt, die dort am Schaffen sind, kann
man an diversen Interviews sehen. So wie es im Satanismus fest verankert ist, steht
auch für diese Band Luzifer als der Wissende Aspekt Satans, der Lichtbringer,
das Streben nach Weisheit und Erkenntnis. Insofern sind die Black-Metal-Elemente
auch gar keine typischen Black-Metal-Elemente mehr, da Elend ja nicht (wie
für BM-Acts üblich) in die Verherrlichung eines christlich geprägten
Monotheismus verfallen, sondern dem Pfad des Satanismus treu bleiben. Die CD ist ein
absoluter Geheimtip, bis jetzt hat sie jedem gefallen, dem ich sie vorgespielt habe.

18.11.1997
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