Dramatist - Wasting Words

Review

DRAMATIST sind eine neue Band aus Bremen und veröffentlichen ihr Debütalbum „Wasting Words“. Mit Informationen wird noch etwas gegeizt. Geiz ist geil?

Geiz ist geil?

Zumindest ist bekannt, dass DRAMATIST letztes Jahr schon auf dem Wacken Open spielen durften, obwohl die Gruppe, in welcher auch Bandmitglieder von STUN sind, damals noch keine Platte rausgebracht hatten. Für „Wasting Words“ konnten die beiden Produzenten Gregor Hennig (u.a. MUFF POTTER, THE ROBOCOP KRAUS) und Kurt Ebelhäuser (u.a. BLACKMAIL, DONOTS) gewonnen werden. Das schraubt natürlich die Erwartungshaltung nach oben. Klotzen, nicht kleckern.

DRAMATIST – klotzen, nicht kleckern.

DRAMATIST bieten eine musikalische Mischung aus Postcore, Alternitive Rock, Wave und Punk Rock mit dunkler Atmosphäre und Indie-Vibes. Natürlich hört man etwas STUN, dazu PIXIES, PASCOW, JESUS AND MARY CHAIN, THE SMITH, DREDG, THRICE und frühe COLDPLAY. Hymnisch verspielte Melodien, prägnante Riffs, atmosphärische Sounds, teils zweistimmiger, rauer Gesang, auch Geschrei, abwechslungsreiche Arrangements zwischen melancholisch zurückhaltend bis wütend aufbrausend. Eindringlicher, markanter Aufbau. Drei Gitarren türmen Klangwände. Erdiger, bodenständig klarer Sound.

Mit „Black Hole“ eröffnen DRAMATIST „Wasting Words“. Schwerer, präziser Beat, druckvoll aggressive Gitarrenwand, geschickt platzierte Pausen sorgen für Dynamik, geradlinige Struktur, leidender Gesang. „Fat White Families“ hat einen guten Spannungsaufbau. Es fängt mit schöner Basslinie an, die Gitarren sind melodisch, der Gesang zunächst schräg, dann wütend schimpfend, und in der Mitte ein richtig wunderbar hymnischer Part. „Diasappointed“ glänzt mit krachigen Elementen und schön aufsteigender Harmonie, Dynamik der alten Schule. In „The League“ fordern DRAMATIST Frauenrechte in musikalisch dunkler, sehnsüchtiger Stimmung ein. Mit mehr Melodie und langsamerem Tempo wirkt das Stück fragiler als die bisherigen, bricht zum Schluss dann dennoch aus. Das melancholische, introvertierte „Glasgow Nights“ lebt von intensiven, wavigen Gitarren und sich aufbauender Atmosphäre. Der Gesang ist zurückhaltend, man erwartet beständig den Ausbruch, der aber ausbleibt. „Unknown Hero“ dagegen ist eine Mitsing-Hymne, etwas zu sehr Reißbrett. Gelungener ist „Loathing“ mit seiner treibenden Intensität und zweistimmigen, dynamischen Gesang. DRAMATIST beenden das Album mit dem epischen „Go“. Der zurückhaltende Anfang mit zerbrechlich wirkender Melodie, entwickelt sich das Stück immer eindringlicher, ohne wirklich aufzubrausen. Schwebende Gitarren, hat manchmal eher was von einer Klangcollage, die gegen Ende weiter reduziert wird, um dann unvermittelt abzureißen. Überraschendes, gelungenes Ende für ein homogenes Album, das einem Wechselbad der Gefühle gleicht.

Homogenes Album

DRAMATIST bedienen sich für das dunkle „Wasting Words“ bei den Ikonen, ohne zu kopieren. Die ganz großen, zupackenden Momente fehlen, aber insbesondere der Gesang weiß die jeweiligen Emotionen authentisch rüberzubringen.

23.01.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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