Draugr (AT) - Ahnenfeuer – Ginnungagap Chaos Pt. 1

Review

DRAUGR tauchen mit „Ahnenfeuer – Ginnungagap Chaos Pt. 1“ zum zweiten Mal tief in die nordische Mythologie ein. Trotz der Thematik sollte man aber keinen Pagan Metal von den Österreichern erwarten, denn folkige Zwischentönen oder gar metselige Beschwingtheit ist bei der Band aus Kärnten Fehlanzeige.

DRAUGR tauchen in die nordische Mythologie ein

Stattdessen wandeln DRAUGR ziemlich strikt auf schwarzmetallischen Pfaden, was ja auch irgendwie passend ist, bezeichnet Ginnungagap in der Edda doch die Urleere, die bereits vor der Schöpfung existiert hat. Mehr Black Metal geht ja kaum. Diesen präsentieren DRAUGR zwar mit viel Melodie, dabei insgesamt aber ziemlich schnörkellos und direkt. Experimente sind der Österreicher Sache nicht.

Und so geht es dann mit „Loki Galdr – Loka Daun“ zunächst ziemlich zügig los. Zwischen durchgedrücktem Gaspedal und dem giftigen Gekeife von Frontmann Kälte ist besonders die melodische Leadgitarre äußerst prägnant und sorgt grade zum Ende des Songs für recht epische Momente, ein Mindestmaß an Tempovariation ist also ebenfalls gegeben. Das bestätigt sich auch bei „Surturs Zorn“, denn wie der Feuerriese stampfen auch DRAUGR hier unerbittlich im Midtempo durch die Landschaft und hinterlassen dabei nur verbrannte Erde und Nackenschmerzen.

„Sols Richter“ ist insgesamt wieder etwas flotter, versprüht aber auch einen Hauch von Melancholie, der nach hinten raus in einem atmosphärischen Instrumentalpart gipfelt, während „Der Kenazfeuerpfad“ das Tempo insgesamt erneut etwas drosselt und teilweise auf satte Black’n’Roll-Grooves setzt. „Flammenmeer“ (mit Unterstützung von THEOTOXIN) und „Chaossplitter“ fallen danach in das Muster aus bösartiger Raserei, getragenen Midtempo-Parts und schneidenden Leads zurück, wobei bei letzterem auch nochmal finstere, sakrale Erhabenheit einen stimmungsvollen Schlusspunkt setzt.

„Ahnenfeuer – Ginnungagap Chaos Pt. 1“ bietet bodenständigen Oldschool Black Metal

Handwerklich gibt es bei auf „Ahnenfeuer – Ginnungagap Chaos Pt. 1“ wenig zu beanstanden. Instrumental passt alles, Fronter Kälte ätzt was das Zeug hält und die Produktion ist angemessen roh, ohne rumpelig zu klingen. Allein der Drum-Sound ist arg pappig geraten und lässt entsprechend Druck vermissen, da hat man von anderen Second-Wave-Worshippern aber schon wesentlich Schlimmeres vernommen.

Und da liegt eigentlich auch der einzige wirkliche Kritikpunkt. DRAUGR huldigen kompetent der zweiten Welle und können durch solides, aber eben auch nicht grade abenteuerliches Songwriting überzeugen. Am besten lässt sich „Ahnenfeuer“ damit wohl als bodenständig bezeichnen, ohne dass die Österreicher dem Genre-Kanon viel hinzuzufügen hätten. Wem handfester Oldschool Black Metal mit melodischer Schlagseite grundsätzlich gut reinläuft, kann hier bedenkenlos zugreifen, sollte aber auch keine schwarzmetallische Offenbarung erwarten.

06.10.2026

"Musik hat heute keinen Tiefgang mehr." - H.P. Baxxter

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