Draugurinn - Ísavetur

Review

Informationen zu DRAUGURINN sind nicht gerade zahlreich – es gibt lediglich eine Facebook-Seite, die nahe legt, dass es sich bei DRAUGURINN um das Solo-Projekt einer Künstlerin handelt; aber erst die Homepage des veröffentlichenden Labels Nordvis kann ergänzen, dass es sich bei der Künstlerin um eine Schwedin handelt, die mit „Ísavetur“ bereits ihr drittes Album vorlegt, auf dem sie ritualistischen Dark Ambient präsentiert.

Wie so häufig passen Artwork und Musik auf „Ísavetur“ in der Folge zum ersten Eindruck: „Spärlich“ ist sicherlich ein passendes Attribut, „minimalistisch“ ebenfalls, wenngleich das – bei allem Respekt – deutlich zu positiv belegt ist. Während das Cover-Artwork vielleicht noch das Adjektiv „schlicht“ verdient, ist die Musik der gut 50 Minuten in erster Linie eins: Gepflegte und etwas gestylte und durch das Schlagwort „ritual“ aufgeblähte Langeweile.

Klar, irgendwie erwartet man bei der Genre-Bezeichnung „Dark Ambient“, dass nicht so wahnsinnig viel geschieht – und ich habe keinerlei Zweifel daran, dass es Anhänger dieses Stils gibt, denen die fünf schlicht(!) „I“ bis „IIIII“ [sic!] betitelten Stücke gefallen; mir passiert jedoch in den siebeneinhalb bis elfeinhalb Minuten andauernden Klang-Collagen einfach zu wenig. Weder harmonisch noch klanglich findet irgendetwas statt, das mich hinter dem Ofen hervorlocken könnte – und das liegt sicherlich nicht daran, dass ich sehr ausladenden und minimalistischen Klanglandschaften abgeneigt wäre. Auch auf die Gefahr, dass gleich aus irgendeiner Ecke ein Zeigefinger und die Beschimpfung „Fanboy!“ kommen: ULVER haben das in ihren „Teachings In Silence“ mindestens drei Klassen besser gemacht – auch wenn es da natürlich ganz ohne Rituale und Schamanismus zuging und auch die Farben des klanglichen Wassermalkastens gänzlich anderer Natur sind.

„Ísavetur“ mag aus handwerklicher Sicht gut gemacht sein – und auch die Performance und Einbettung des weiblichen Gesangs gelingen der Künstlerin hinter DRAUGURINN auf respektable Weise. Aus atmosphärischer Hinsicht können die Klänge jedoch nur sehr bedingt überzeugen – einzig „III“ lässt mich kurz aufhorchen, weil zumindest ein paar Geräuschkulissen das Attribut „gelungen“ verdienen. Vom Rest sollte sich der geneigte Hörer lieber selbst ein Bild machen, bevor zugegriffen wird:

11.08.2015
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