Drengskapur - Was der Morast verschlang

Review

DRENGSKAPUR spielen Black Metal. Wem der Albumtitel „Was der Morast verschlang“ noch nicht gereicht hat, um das festzustellen, den sollten die grimm-trven Pseudonyme der Musiker (Wintergrimm an Gitarre und Gesang und Hiverfroid an den Drums) überzeugen. Und als ob das noch nicht genug wäre, ist das Album-Artwork in Grautönen gehalten, wurde eine unlesbar-kvltige Schriftart gewählt und die Lyrics im Booklet grau in/auf grau gedruckt.

Aber die Musik von DRENGSKAPUR uninspiriert zu nennen, wäre nur teilweise korrekt. „Was der Morast verschlang“ ist tatsächlich sehr inspiriert, vor allem von Bands wie NOCTE OBDUCTA, KARG und ELLENDE. Dabei kommt aber nur deutschsprachige Melancholiker-Poeten-Black-Metal-Stangenware heraus, denn DRENGSKAPUR fehlt eine eigene Identität.

Mit DRENGSKAPUR gepflegt versumpfen

Zwei Minuten Geklampfe auf der Akustikgitarre laden den Hörer ins Reich von DRENGSKAPUR ein, bevor „Mit kalten Fängen“ losballert. Und das im relativen Wortsinne: Hiverfroid an den Drums spielt nicht den Song, sondern sein Instrument. Völlig egal, welchen Riffteppich oder vage dissonante Lead Wintergrimm gerade vor sich hinspielt, Hiverfroid trommelt einfach auf seine Kessel ein, bringt alle paar Sekunden ein Fill, blastet, schlägt die Glocken oben auf den Becken an, haut die Doublebass raus, und ist dabei so dermaßen schlecht produziert, dass man das Gefühl hat, ein Specht würde einem ein Loch in den Schädel hacken.

Man fragt sich manchmal, ob Hiverfroid die Songs hören durfte, bevor er seine Parts einspielen musste. Nicht, dass es da viel zu hören gäbe: Es wird exakt das geboten, an das man halt denkt, wenn man den Titel „Was der Morast verschlang“ hört. Problematischerweise dauert aber jeder Song knapp dreizehn Minuten, ohne wirklich Ideen zu haben, was mit dieser Zeit anzufangen wäre. Es wird das übliche Programm abgespult: die Gitarre liefert Riffteppiche, Tremolo-Picking und akustische Intros/Outros/Interludes, dazu kommt ein bisschen Gekreische und das Schlagzeug ist auch da. In den besten Momenten ist das einfach langweilig, in den schlimmsten arbeiten die Elemente aber nicht mit-, sondern aktiv gegeneinander.

Viel Lärm um nichts?

Und nachdem man eine Stunde mit DRENGSKAPUR durchs Moor gewandert ist, kommt nichts dabei heraus. Keine Spannung, alles plätschert dahin. Keine großen Momente, alles klingt gleich. Keine Atmosphäre, dazu ist das Schlagzeug ein zu großer Störfaktor und das Songwriting zu schlecht. Vielleicht sind die Texte wenigstens tiefsinnig, keine Ahnung; Wintergrimms Gekreische klingt wie Fingernägel auf einer Tafel und die Lyrics kann ich ja nicht lesen.

Wer also auch nur ein bisschen Interesse an Black Metal oder stimmungsvoller Musik für lange Herbstabende hat, sollte sich ein anderes Album zulegen.

Review von Bernhard Rübenthal

19.10.2020
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