Dunkelschoen - Torenvart

Review

DUNKELSCHÖN ist ein vielseitiges Quartett, das sich in allen Formen mittelalterlich-folkiger Musik wohl fühlt und teilweise stark an FAUN erinnernd. Dabei geht es weniger um direkte liedhafte Kompositionen, sondern eher um das Einfangen einer bestimmten Stimmung in ein Strophe-Refrain Muster. Dass dieses Konzept auf Mittelaltermärkten weitaus besser funktioniert, als auf dem stark umkämpften CD-Markt, sollte von vorneherein klar sein. Dennoch überrascht die Platte mit einem sehr sauber und stark produziertem Sound, der in einem Genre, wo die meisten Platten sowieso nur als Erinnungsstücke geplant sind, da man viele Lieder als Fan eh schon von etlichen anderen Bands kennt, ziemlich selten ist.
Und auch hier ist einiges schon bekanntes Folk-Liedgut, wie die Klassiker „Ai vis lo lop“ oder „Herr Mannelig“ (Vertonung geht absolut okay). Die Eigenkompositionen tragen den Charme dieser Songs zwar weiter, sorgen im Vergleich zu den selbst geschriebenen Liedern anderer Bands aufgrund einer ab und an vorkommenden Beliebigkeit aber nicht für eine übertriebene Euphorie. Absolut gelungen ist der Opener „Flug der Zeit“, der vielspurige „Spielmannsreim“, das ruhig vertonte Goethegedicht „Meine Ruh ist hin“ und der Abschluss „Der Morgen graut“, welcher stark an die SALTATIO MORTIS Abschlussnummern „Des Todes Abgesang“ und „Valete“ erinnert. Der Rest ist hörbar, erfüllt live wohl seinen Zweck, haut aber auch nicht übertrieben vom Hocker.
Im Vergleich zu vielen anderen Veröffentlichungen tut die Platte aber auch nicht weh und lässt sich dank angenehmer Abmischung und Produktion immer wieder gern aus dem Regal nehmen. „Torenvart“ verkörpert mit Leidenschaft das Adjektiv „nett“ und geht als Mittelalterveröffentlichung in Ordnung. Dennoch sollte man das Geld lieber in Konzerttickets investieren.

30.10.2006
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