Entrails - Tales From The Morgue

Review

Riecht voll nach dem Ding von vor zwanzig Jahren: Band aus Schweden mit ENTOMBED-like-Logo, produziert von Dan Swanö in den Unisound Studios, klingt wie eine Mischung aus NIHILIST, CARNAGE und knarzigeren GOD MACABRE, und in den Songtitel kommen (mehrmals) Blood, Death und Evil vor. Im Sinne des Auftrags „Swedish Death Metal“ wird hier im Bandkontext von ENTRAILS emsig weiter an der (Re-)Historisierung des Genres gearbeitet.

Das geschieht mal aufgekratzt, öfter aber grobgeklotzt, eingedickt und abgestutzt und dabei meist mit der Konzentration des Vorhersehbaren. Der Dunst von Althergebrachtem hängt hier immer süßlich schwer über den Songs; von der eisenharten Old-School-Disziplin mit ihren strengen, stilistischen Beschränkungen, die allen diesen Konzeptsongs zugrunde liegen, wird niemals abgewichen; alles lässt sich in konventionellen Parametern decodieren. Was einst magisch war, enthüllt sich hier als bloßes Patentrezept.

Aber nur weil alles Referierbare, alle Informationen, alles was sich unserem ohnehin überspezialisierten Kategorien- und Kriteriendenken fügt, also nichts Neues ist, muss die Band nicht zwingend schlecht sein. Und das ist sie auch nicht. Ein paar Mal sind ENTRAILS sogar richtig groß. „Tales from the Morgue“ ist also immer verzeihliche Einfallslosigkeit. Klar, gemessen an einem in den Pionierzeiten des Death Metals entstandenen real thing kann man auf die gut gemachte Riff-Routine leicht verzichten. Aber sie wissen, wie sie wo hergekommen sind und dass Schmutz nicht natürlich ist. Eine starke Platte, in einem Genre allerdings, von dem generell gelangweilt zu sein, ich niemandem verdenken kann.

09.07.2010
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