Gros Enfant Mort - Le Sang Des Pierres

Review

Der Rebellionsgedanke ist in den französischen Herzen grundsätzlich stärker ausgeprägt, als in ihren bürgerlichen Gegenübern aus Deutschland. Das ist zwar nicht der allererste Gedanke, der einem bei „Le Sang Des Pierres“ der Post-Hardcore-Truppe GROS ENFANT MORT aus dem westfranzösischen Poitiers in den Sinn kommt, doch die verzweifelte Kraft urbaner Banalität die aus der Band spricht, hat durchaus phasenweise die Sprengkraft eines Marsches der Gelbwestenbewegung. Viel häufiger allerdings gibt man dem Albuminhalt einen Sinn, der sich von einer tiefschürfenden Perspektive depressiver Gedanken nährt.

Depressive Gelbwestenbewegung

„Le Sang Des Pierres“ setzt sich aus Screamo, Post-Hardcore und einer Prise Metalcore zusammen und gibt dem Album den Anschein von aufgeräumtem Chaos. Schließlich gibt es auf der Scheibe zwar keine geradlinigen Strophe-Refrain-Strukturen, doch durch eingängige Saitenfragmente kann man sich GROS ENFANT MORT schon erarbeiten. So beginnt etwa „Étranger à la Terre“ zwar als Sonnenstrahl über einen dampfenden Kaffee an einem Frühlingsmorgen, doch spätestens die hilflosen, bis sich beinahe überschlagenden Screams von Sänger Alexis bringen Dunkel ins Licht.

Ohnehin ist „Le Sang Des Pierres“ weder ein angenehmes, noch ein irgendwie leichtfüßiges Album, auch wenn die Riffs manchmal einen ähnlich gearteten Eindruck vermitteln mögen. Viel mehr fressen sich die monolithischen Arrangements tief unter die Haut, ohne dass der sehnlichst erwartete kathartische Moment ausbleibt. GROS ENFANT MORT kratzen mit ungeschnittenen Nägeln an der Belastbarkeit der Hörer:innen, ohne dabei aber musikalisch die ganz großen Akzente zu setzen.

Musikalischer Nachdruck fehlt

Die Franzosen schaffen es also mit dieser Platte, einen authentischen, emotionalen Ritt zu initiieren, ohne musikalisch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. „Le Sang Des Pierres“ ist aufwühlend und macht vor blutenden Wunden nicht Halt, gleichsam fehlen die Strukturen, welche GROS ENFANT MORT weit vor ihrer eigentlichen Wirkung interessant darstellen könnten. So bleibt unterm Strich leider nur ein überdurchschnittliches Werk, dass mehr jenseits seiner eigentlichen Grenzen einschlagen kann, denn mit dem eigentlichen Handwerk.

19.01.2026
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