Guerra Total - El Armagedón Continúa

Review

Die drei Kolumbianer von GUERRA TOTAL wirken auf im Internet kursierenden Bandfotos derart nett und locker, dass man sich direkt fragt, was denn da auf einen zukommt – Gute-Laune-Black-Metal etwa? Nein, zum Glück zeigt sich die Band auf ihrem neuen, vierten Album „El Armagedón Continúa“ direkt von ihrer fiesen und hasserfüllten, ihrer straighten und aggressiven Seite – aber auch von ihrer spaßigen, die dem Album obendrein ein paar richtig dicke Hits beschert.

Dass eine Band, die seit 2008 ganze elf Veröffentlichungen auf den Markt geschmissen hat, nicht unbedingt die komplexesten und vielschichtigsten Kompositionen bietet, die im Black Metal jemals passiert sind, ist dabei natürlich von Anfang an klar – allerdings verbirgt sich hinter GUERRA TOTAL auch nicht das andere Extrem, denn „El Armagedón Continúa“ ist ganz sicher kein bloß oberflächlicher Schnellschuss. Musikalisch tief in den Achtzigern verwurzelt, bieten die Kolumbianer darauf nämlich eine etwas mehr zum heutigen Black Metal neigende (und technisch versiertere) Version von Bands wie VENOM oder frühen SODOM, dabei immer eingängig, aber nie oberflächlich auf den schnellen Refrain hin komponiert; das Riffing immer ganz fix im Ohr festgekrallt, aber dennoch mit der einen oder anderen Raffinesse ausgestattet, sodass auch der längerfristige Hörgenuss sichergestellt sein sollte. Und eben die oben angesprochenen Hits – der oberflotte Opener „Nuklear Zombie Division“, der Titelsong mit seinem VENOM-Riffing oder auch der Rausschmeißer „Black Speed Rock And Roll“, der seinem Titel alle Ehre macht und von Anfang bis Ende fetzt wie der allseits bekannte Frosch im Mixer.

Wer im Black Metal Chaos, Vernichtung und Misanthropie sucht und zur Entspannung eine der neueren DEATHSPELL OMEGA-Alben einlegt, der ist mit „El Armagedón Continúa“ ebenso falsch bedient wie jemand, dem es um ausgeklügelte Melodie und vielschichtige Emotionen geht – GUERRA TOTAL zelebrieren Spaß an dieser Musik, Spaß an Texten über Zombie-Apokalypsen und schwarze Messen; Spaß daran, dicke Klöten aus der Bikerkluft hraushängen zu lassen und Spaß daran, eingängige, unterhaltsame Thrash-/Speed-/Black-Metal-Riffs zu gut funktionierenden Songs zusammenzubasteln. Das ist ein bisschen ausgelutscht, und ja, auch mir geht es im Black Metal eigentlich um was anderes. Aber fuck off, es hört sich trotzdem gut an.

02.02.2014
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