Heavens Gate - In Control
Review
Ein Blast From The Past zum Heiligen Abend von einer Band mit Namen HEAVENS GATE und der Scheibe „In Control“. Sind die bei metal.de jetzt völlig durchgeknallt? Wer HEAVENS GATE aus Wolfsburg nicht kennt, könnte beim groben Blick auf die Eckdaten auf eine derartige Idee kommen. Im Januar 1989 veröffentlicht die ehemalige Schülerband ihr Debüt beim deutschen Label No Remorse Records.
„In Control“ ist das Debüt von HEAVENS GATE aus Wolfsburg
Musikalisch geht es um Power Metal und Heavy Metal, der sich auch an den damaligen Platzhirschen HELLOWEEN orientiert. Hier aber weniger an den komplexen Arrangements und Longtracks, sondern eher vom Gesangstil. Sänger Thomas Rettke agiert teilweise in schwindelerregenden Höhenlagen, aber nicht nur. Genauso kommen Einflüsse aus dem US-Power-Metal dazu. RIOT veröffentlichten 1988 „Thundersteel“. Die Platte hat bei den Wolfsburger Jungspunden deutliche Spuren hinterlassen.
Neben Sänger Rettke agiert Sascha Paeth an der Gitarre. Paeth dürfte vor allem als Produzent und von seiner Tätigkeit bei AVANTASIA einen hohen Bekanntheitsgrad haben. Die ersten Gehversuche vor mehr als 35 Jahren sind nach dem Intro „In Control“, der US-Power-Metal mit dem melodischen Stil der bekannten Metaller aus Hamburg kombiniert. Gerade beim Refrain erinnert Rettke nicht nur einmal an Michael Kiske. Auch die Saitenarbeit kombiniert Übersee und Europa, sogar ein stampfendes episches Intermezzo streuen HEAVENS GATE zum Auftakt ein.
Dass der Auftakt keine Eintagsfliege ist, macht „Turn It Down“ klar. Stampfend geht es vorwärts und Paeth zeigt bereits in jungen Jahren sein Talent. Melodischer und powermetallischer wird es mit „Surrender“. Zum Ende der A-Seite legt „Hot Fever“ den Hebel zum US-Metal, wo Rettke gesanglich eine starke Darbietung abliefert und sich hinter den damaligen Größen nicht verstecken muss.
Zwischen US-Metal, Heavy Metal und Power Metal
Auch die B-Seite behält den bekannten Mix bei. Das pfeilschnelle „Tyrants“ könnte auch bei Bands wie STORMWITCH oder SCANNER zu finden sein. Der „Path Of Glory“ macht vom Titel bereits klar, dass es epischer wird. Mit dem Schwert in der Hand gehen HEAVENS GATE erhaben ihren Weg, der nicht an die ganz großen Epen auf den frühen MANOWAR-Scheiben rankommt, aber für eine Newcomer-Band mehr als nur ein Ausrufezeichen setzt und das zukünftige Potential aufzeigt.
Der Langläufer mit knapp sieben Minuten nennt sich „Shadow“, der A Cappella eröffnet wird. HEAVENS GATE können auch Midtempo, wo Rettke am Mikrofon hervorsticht und dem Stück seinen Stempel aufdrückt. Der Schlusspunkt ist ein Cover, wo viele Musikfans beim ersten Zuhören den Namen NAZARETH auf den Lippen haben. „This Flight Tonight“ haben NAZARETH bekanntgemacht, geschrieben hat ihn JONI MITCHELL.
HEAVENS GATE liefern erstaunlicher Qualität
Die ehemalige Schülerband liefert auf ihrem Erstling eine erstaunliche Qualität, die auch gut unter dem Weihnachtsbaum laufen kann. Zwischen US-Power-Metal, Heavy Metal und deutschem Power Metal zeigen HEAVENS GATE ihr Potential. Viele Kritikpunkte gibt es nicht. Abwechslungsreich und eingängig mit einer bärenstarken Stimme muss sich „In Control“ nicht hinter GAMMA RAY oder HELLOWEEN verstecken. Bei den Übergängen zwischen Chorus und Strophe und auch bei der Saitenarbeit haben die Herren an der ein oder anderen Stelle noch Luft nach oben. Für ein Debüt ist die Platte aber mehr als nur ein ordentliches Statement.
Der ELOY-Mitbegründer Frank Bornemann sorgt für eine ausgewogenen Produktion, die vor allem in Japan mit einer Top-Ten-Platzierung aufhorchen lässt. HEAVENS GATE und „In Control“ ist eine oft übersehene Perle des deutschen Metal, die vor allem durch die Zeitgeschichte – wir reden über das Jahr 1989 und die Wendezeit in der Stadt Wolfsburg – nicht so in den Fokus gerückt ist, wie die LPs von HELLOWEEN wenige Monate vorher. Die deutschen Hitparaden bestimmten QUEEN, MADONNA, WESTERNHAGEN und selbstverständlich der „Wind Of Change“ von den SCORPIONS.
Heavens Gate - In Control
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Heavy Metal, Power Metal |
| Anzahl Songs | 9 |
| Spieldauer | 39:29 |
| Release | 16.01.1989 |
| Label | No Remorse Records |
| Trackliste | 01. The Gate 02. In Control 03. Turn It Down 04. Surrender 05. Hot Fever 06. Tyrants 07. Path of Glory 08. Shadows 09. This Flight Tonight (Joni Mitchell cover) |
