Heavy Temple - Lupi Amoris

Review

Das Trio HEAVY TEMPLE aus Philadelphia, Pennsylvania bringt den Psychedelic-Underground schon seit ein paar Jahren zum Beben. Ihre 2014 veröffentlichte EP „Heavy Temple“ erschien nicht grundlos bei dem Kult-Label Ván Records. Mit ihrem Debüt-Album „Lupi Amoris“ haben sie es jetzt sogar in den Vertrieb von Prophecy geschafft.

HEAVY TEMPLE haben den Groove im Blut

Und gleich bei den ersten Klängen des Openers „A Desert“ macht sich bemerkbar, dass diese Truppe um High Priestess NightHawk am Gesang und Bass von mehrjähriger Erfahrung zehrt. Denn hier sitzt einfach der Groove. Der Song bietet eine stimmige Melange aus psychedelischen Elementen, verfeinert durch die perfekte Essenz des frühen Doom Metals.

HEAVY TEMPLE bewegen sich da natürlich mittlerweile schon auf recht ausgetretenen Pfaden. Psychedelischer Rock der härteren Gangart mit weiblichem Gesang stellt im Underground mittlerweile keine Besonderheit mehr da. Allein THE DEVIL’S BLOOD, BLOOD CEREMONY, GAUPA, BRUME, MESSA SHEVER, BLUES PILLS und so viele mehr haben da die Latte recht hochgelegt. Doch HEAVY TEMPLE reihen sich in das besagte Gefüge mühelos ein. Mehr noch. Sie bewegen sich schon mit ihrem Debüt recht nah an der Spitze des Genres.

Ein dichter Reigen auf „Lupi Amoris“

Dass dem so ist, liegt vor allem an der musikalischen Dichte, die das Trio mit seine n(leider nur) fünf Songs entfacht. Die Stücke wirken, als würden die MusikerInnen zusammen eine natürliche Urgewalt bilden, der sich klanglich schwer zu entziehen ist. Fast so, als ob sie die Stücke an einem verrauchten Abend am Stück eingespielt hätten. Weiterhin halten sich HEAVY TEMPLE nicht allzu sehr mit psychedelischen Experimenten auf, sondern kommen direkt zum Punkt.

Hervorzuheben ist auch der Gesang der High Priestess NightHawk. Dieser ließ schon auf der 2014 erschienenen EP „Heavy Temple“ erahnen, dass wir es hier mit einer interessanten neuen Gesangskünstlerin zu tun haben. Sieben Jahre später gehen die Vermutungen vollends auf. NightHawks Stimme zählt nun zu den Besten des Doom Metals. Phasenweise erinnert sie stark an BLUES PILLS-Sängerin Elin Larsson.

Mit Abwechslung zur Ziellinie

Während andere Bands des Genres sich gerne mal auf immer gleiche Rhythmen und Wiederholungen der eigenen Songstrukturen setzen, überzeugen HEAVY TEMPLE immer wieder mit Abwechslungsreichtum. Vielleicht wurden die Songs ja wirklich einfach in einer Session durchgezockt. Auch die Gitarrensalven und -Soli überraschen immer wieder aufs Neue und wecken nur zu gerne Erinnerungen an die jungen KADAVAR, die ein Kränzchen mit KING GIZZARD & THE LIZZARD WIZARD abgehalten haben („Isabella“, The Maiden“). Damit gelingt HEAVY TEMPLE ein unfassbar gutes Debütalbum, dessen einziges Manko die geringe Länge ist.

 

16.06.2021
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