Helldorados - Lessons In Decay

Review

Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum legten die HELLDORADOS vor zwei Jahren ein ordentliches Sleaze-Brett vor. Schade, dass sie diese Steilvorlage nun nicht verwandeln und mit „Lessons In Decay“ einen Zweitling nachlegen, der sich seinem Vorgänger in jeder Hinsicht geschlagen geben muss.

Klang der Sound schon auf „Helldorados“ eine Spur zu sauber, so vermisst man bei „Lessons In Decay“ Räudigkeit und Schmutz, die zu einem guten Sleaze-Album eben dazugehören, umso mehr. Gerade der Gesang von Frontmann Pierre Seidel wurde dadurch eines unerfreulich großen Teils seiner Power beraubt, was auch die gute Sangestechnik nicht mehr zu retten vermag. Nicht anders sieht es bei den Instrumentalisten aus, deren deutlich erkennbares spieltechnisches Potential unter der ecken- und kantenbefreiten Abmischung hörbar leidet.

Das Hauptproblem von „Lessons In Decay“ ist jedoch das über weite Strecken allzu nichtssagende Songwriting. Das im Vorfeld als Video-Clip präsentierte „Die By The Progress“ lässt sich noch immer ziemlich gut an – ein Song, der schnell ins Ohr geht und trotz seines ernsten Textes zum gutgelaunten Mitwippen animiert. Selbiges gilt für den Opener „Seven Deadly Sins“, der Rest des Albums klingt jedoch allzu schablonenhaft und lässt kaum aufhorchen. Haben die Schwaben ihren Biss verloren und nichts mehr zu sagen?

Nein, ganz so schlimm ist es natürlich auch wieder nicht, man darf „Lessons In Decay“ eher als einen kleinen Durchhänger verbuchen, auf den ein hoffentlich umso stärkeres Drittwerk folgen könnte. Denn dass die Band nicht nur spieltechnisch ihre Hausaufgaben gemacht hat, sondern auch kompositorisch das Zeug zur Hit-Fabrik hat, blitzt bei aller Enttäuschung auch auf diesem Album immer mal wieder kurz auf. Hier ein cooler Groove, da ein spannendes Riff und im Rausschmeißer „We Won’t Back Down“ sogar ein mit leichter Punk-Schlagseite aufgepepptes THIN-LIZZY-Gedächtnis-Lead – vielleicht hätten sich die HELLDORADOS einfach etwas mehr Zeit lassen und bei den Songarrangements etwas wählerischer sein sollen.

03.10.2014
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