Holy Martyr - Hatred And Warlust

Review

Hiiilfe! Zu Hiiiilfe! Gibt es denn da draußen keine Leute, die gerne True Metal hören, zuverlässig sind, gut schreiben können und Lust auf CDs wie diese hier haben? Es ist Not am Mann! Meinereiner hört zwar sehr gerne IRON MAIDEN, aber deren Einflüsse auf die Italiener von HOLY MARTYR sind spärlich gesät. Viel eher kommen einem bei den Klängen von „Hatred And Warlust“ Namen wie MANILLA ROAD oder OMEN mit einem Schuss speedigem Bay Area Thrash in den Sinn. Was auf den ersten Blick für die meisten wohl immer noch recht gefällig klingt, entpuppt sich aber beim zweiten, genaueren Hinschauen fast schon als Offenbarungseid. Das Riffing ist bemüht, stets die Waage zwischen Thrash und True Metal zu halten und kann somit als nichts Halbes und nichts Ganzes bezeichnet werden. Gleichermaßen weder Fisch noch Fleisch ist die Stimme von Sänger Alex Mereu. Nicht richtig hoch, nicht richtig tief und stattdessen immer nur unkontrolliert zwischen diesen Tonlagen hin- und herbrechend. Noch dazu sind die häufig auftretenden Soli meist nicht flüssig in den Songverlauf integriert und wirken deswegen eher wie ein Fremdkörper als wie eine Bereicherung. Die Produktion ist im Klampfenbereich zwar ok, krankt aber beim Schlagzeugsound. Die Bassdrum entfaltet ungefähr dieselbe Wucht, wie wenn ich mit einem Q-Tipp auf eine Nivea-Cremedose schlage. Ungelogen, „Hatred And Warlust“ hat nichts zu bieten. Keine treibenden, zum Bangen animierenden Riffs, keine prägnanten Melodien, keine hängenbleibenden Refrains. Einzig „The Shadow Over Innsmouth“ kann mit seinen MAIDEN-Gitarrenläufen, die auf old-METALLICA-Geschrammel treffen, ansatzweise überzeugen. Noch dazu brüsten sich HOLY MARTYR damit, keine Keyboards zu verwenden. Tja, hätten sie dies doch nur getan, dann würde vielleicht ein klitzekleiner Funken Atmosphäre aufkommen. So aber werden eigentlich gute Ansätze wie das Solo während „Under Siege“, das an IRON MAIDEN zur Di‘ Anno-Phase erinnert, oder der getragene Anfang von „Son Of A King“ im Handumdrehen wieder von den Vocals oder einem anderen dissonanten Solo zerstört. Kein Wunder also, dass HOLY MARTYR betonen, stolz zu sein, nach knapp neunjährigem Bestehen immer noch dem Underground anzugehören. Etwas anderes bleibt ihnen auch nicht übrig, denn für mehr reicht es mit dem, was sie auf „Hatred And Warlust“ abliefern, beileibe nicht.

18.06.2003
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