Idle Heirs - Life Is Violence

Review

Es gibt jedes Jahr Platten, die bei der Flut durchrutschen. So ist es leider auch mit dem Debütalbum von IDLE HEIRS geschehen, das im April über Relapse auf den Markt kam und erst Ende des Jahres in der Rotation der Label-Releases auftauchte. Dabei feiert „Life Is Violence“ die Rückkehr von Sean Ingram, der ehemals bei COALESCE war. Nach über zehn Jahren musikalischer Abstinenz ist er zurück in der Szene.

Vision, Klarheit und Entschlossenheit

Zusammen mit dem Musiker und Produzenten Josh Barber sowie fünf Gastmusikern erschafft er ein beeindruckendes Debüt, das auf moderne Weise Wut und Verzweiflung vereint und ein buntes, ansprechendes Album ans Licht der Welt bringt. Ähnlich wie vor zwanzig Jahren, als Bands wie JOHNNY TRUANT oder JR. EWING ihre Hardcore-Schuppen abwarfen und ganz lässig unter dem Banner ‚Post-Hardcore‘ jede erdenkliche Freiheit genossen, erschaffen auch Idle Heirs ein grenzlevelauslotendes Kleinod, das in seiner Kreativität und Ausdruckskraft völlig scheuklappenfrei daherkommt.

Das Album überzeugt auf ganzer Linie und erschafft eine beklemmende Grundstimmung aus Melancholie, Verzweiflung und Wut. Musikalisch wird ein weites Spektrum ausgelotet, das von seichten Akustik-Passagen bis hin zu heftigen Hardcore-Ausbrüchen reicht. Angefangen vom klimatischen Opener „Loose Tooth“, der von ganz leise zum Ende hin extrem an Härte zunimmt, über das seichte TOOL-Flair einfangende Jaded Mountain bis hin zur ganz seichten Abschlussnummer „Momma“.

Dass sich die Künstler die Zeit genommen haben, das Album im norwegischen Ocean Studio einzuspielen, sich dabei von allen Erwartungen gelöst haben und sich im skandinavischen Nirgendwo ihrer ganz eigenen Vision von musikalischem Ausdruck hingegeben haben, macht es sicherlich zu etwas ganz Besonderem. Dabei ist es Ingrams Drang, sich nach über zehn Jahren wieder dem musikalischen Ausdruck zu widmen und dabei eine apokalyptische, düstere Vision zu erschaffen, die sowohl seine eigenen Lebenserfahrungen als auch das soziopolitische Umfeld in den Vereinigten Staaten widerspiegelt und ihn sozusagen zum Ausdruck zwingt.

„Life Is Violence“ – von Untätigkeit kann hier nicht die Rede sein.

„Life Is Violence“ ist eine packende Scheibe, die weltoffen moderne Statistiken verbindet und atmosphärisch irgendwo zwischen Künstlern wie CULT OF LUNA, TOOL oder COALESCE wandelt. Sie entwickelt sich auf Albumlänge zum spannenden Dauerbrenner, der extrem abwechslungsreich und dynamisch daherkommt. Wer also Lust auf zeitgemäßen Post-Core und Post-Rock ohne kitschige Core-Attitüde hat, ist bei IDLE HEIRS goldrichtig.

17.01.2026

- perfection is the end of everything -

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