In Vespro - Where Silence Used To Sleep
Review
Bereits mit den ersten Klängen des Openers „Fading Hollow“ machen IN VESPRO unmissverständlich klar, dass „Where Silence Used To Sleep“ eine Hommage an die frühen KATATONIA, vor allem an „Brave Murder Day“, ist. Die italienischen Doom-/Death-Newcomer haben sich vollständig der Ästhetik des frühen skandinavischen Melancholie-Metals hingegeben und zelebrieren diese ausgiebig.
Den Einfluss von KATATONIA mit Mikael Åkerfeldt zu leugnen, wäre albern. Viel wichtiger ist jedoch nicht, ob dieser spürbar ist, sondern wie die Band die Melancholie der späten 90er in die Gegenwart überträgt.
Das Klangbild stimmt und „Where Silence Used To Sleep“ macht seinem Namen alle Ehre: Die Lethargie und Niedergeschlagenheit wirken auch im Jahr 2026 sehr authentisch und färben die musikalische Klangwelt in eine monochrome Landschaft aus Melancholie und Weltschmerz. Die einzelnen Songs wirken dabei sehr homogen. Echte Ausbrüche gibt es nicht, vielmehr verliert sich das komplette Album in Midtempo mit vielen tristen Leads und bringt den angenehmen Klang der ersten KATATONIA-Alben ins Jetzt.
Wenn es der Anspruch der Band ist, die Melancholie der alten Alben von KATATONIA, OPETH oder PARADISE LOST einzufangen, dann ist ihr das gelungen. Aber genau das ist auch die Schwäche des Albums: Es gibt keine Überraschungen, sondern eisige Stagnation. Die emotionale Dichte schlägt die Hörerschaft nieder und umkreist Traurigkeit und Verzweiflung auf jedem einzelnen Track.
Zeitlosigkeit und Hoffnungslosigkeit
Die einzelnen Songs wirken dabei wie Kapitel eines Ganzen und laden dazu ein, das Album als Ganzes zu konsumieren. Der bewusste Verzicht von IN VESPRO auf klimatische Songstrukturen oder Spannungsbögen macht das Album noch kälter und distanzierter. So wird eine zeitlose Hoffnungslosigkeit erschaffen, wie es KATATONIA bis zu „The Great Cold Distance“ auch konnten.
Dass der Albumsound dabei nicht bewusst den der Anfangstage des Genres kopiert, sondern in einen modernen Kontext gehoben wird, macht das Album noch authentischer. Der klare Fokus liegt auf den Gitarren und den tristen, niederschmetternden Leads. Selbst der Gesang von Luca Gagnoni wirkt niemals aufgesetzt oder vordergründig, sondern ordnet sich dem allgemeinen negativen Grundtenor fast stoisch unter.
„Where Silence Used To Sleep“ ist ein Trip zurück in die Anfangszeit des melancholischen Death/Doom, wie ihn KATATONIA in den ersten zwanzig Jahren ihrer Karriere exerzierten und perfektionierten. Der Anspruch von IN VESPRO, hier möglichst dicht dran zu bleiben, ist gelungen. Wer Lust auf eine Reise in die Anfangstage des Genres hat, wird eiskalt abgeholt, auch wenn sie für die Zukunft vielleicht den einen oder anderen Schritt in Richtung eigene Identitätsfindung wagen sollten.
In Vespro - Where Silence Used To Sleep
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Death Doom Metal, Melodic Death Metal |
| Anzahl Songs | 0 |
| Spieldauer | |
| Release | 19.06.2026 |
| Label | Meuse Music Records |
| Trackliste | 1. Fading Hollow 2. Ghost Inside Tomorrow 3. Where Silence Used To Sleep 4. Absence Becomes Her 5. A Quiet End 6. Beneath The Unseen 7. The Last Light 8. Ashes Of The Dawn 9. Everfall |
