Iskald - The Sun I Carried Alone

Review

Mit „Shades Of Misery“ haben ISKALD vor ein paar Jahren die Metalgemeinde überrascht, sollte man doch vermuten, dass Grünschnäbel unter 20 Jahren ihren Stil noch nicht eindeutig gefunden haben. Doch dem norwegischen Duo gelang es damals, zu überzeugen und auch mit ihrem Zweitwerk, das keine nennenswerten Entwicklungen, aber eben durchdachte und starke Songs bereithielt, festigten sie ihren Status. Inzwischen dürften die beiden Burschen auch die 20 hinter sich gelassen haben, doch von einem großen Entwicklungsschritt kann auch auf „The Sun I Carried Alone“ nicht die Rede sein.

Das heißt aber bei weitem nichts Schlechtes, sondern spricht lediglich für ISKALD, die neben einem ordentlichem Arbeitstempo scheinbar auch über genügend Ideen verfügen, um nicht langweilig zu werden – noch nicht! Noch funktionieren sie, die anspruchsvollen, aber nie vertrackten Songs. Das erklärt vor allem das Gespür für Abwechslung, sobald sie nötig ist, aber auch die Fähigkeit, wirklich erhebende Momente zu erschaffen und das, ohne dass ein Beispiel wirklich greifbar wäre. Es sind die melodischen Parts, die sich Nebelschwaden gleich aus den sonst so eisigen Songs empor heben, es sind die Momente, in denen ISKALD vom Gas gehen, in denen sie nicht bissig sondern verträumt wirken. Das passt so gar nicht in die ansonsten so nüchtern kalkulierten Songs und ist doch so bereichernd, als würden die Stücke nicht ohne diese Part überleben. Ganz nebenbei lassen ISKALD aber auch in den rasanteren Passagen das eine oder andere Riff ertönen, von dem ein Großteil der unzähligen aktuellen BM-Kombos nur träumen kann.

Doch einen Vorwurf müssen sich ISKALD erneut gefallen lassen. Es sitzt alles ein wenig zu perfekt und auch die sicher zeitgemäße Produktion lässt Ecken und Kanten vermissen, ist andererseits aber so dicht, dass es zu dem Schaffen der Norweger passt. Es ist schwer, „The Sun I Carried Alone“ seine Stärke abzusprechen, doch ein bisschen mehr Charme oder, anders gesagt, ein paar nicht so glatt sitzende Bauteile hätten nicht geschadet. So dürfen sich ISKALD schon fast als routinierte Altmeister gefallen, denen ein bisschen jugendliche Naivität in Zukunft nicht schlecht stehen wird, denn irgendwann wird sich auch ihr souveränes Vorgehen abnutzen, oder vielleicht auch nicht?

06.01.2011

Chefredakteur

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