Jess By The Lake - Human

Review

JESS BY THE LAKE ist nach der Trennung von ihrer alten Band JESS AND THE ANCIENT ONES nunmehr das Hauptprojekt von Sängerin Jasmin „Jess“ Lempinen. Dabei ist „Human“ die natürliche Fortsetzung ihres Solo-Debüts „Under The Red Light Shine“ von 2019, aber durch ihre markante Stimme lässt sich der Verweis auf ihre ehemalige Band eben auch nicht verleugnen. Im Mittelpunkt steht hier allerdings bluesiger, psychedelisch gewürzter Rock, der seine Kraft häufig aus der Ruhe zieht.

Rock, der seine Kraft aus der Ruhe zieht

Jasmin betont, dass das Album ein „analoger Gegenangriff“ sei, eine „Feier der Live-Bandmusik“ und „eine ungenierte Verbeugung vor der Vergangenheit und den Traditionen der Rockmusik“. Passend dazu wurde alles analog in einem alten Blockhaus der Eisenbahngesellschaft aufgenommen, um den richtigen Resonanzraum für den gewünschten Sound zu finden und in die richtige Stimmung zu kommen. Und dieser Sound wird anders als bei ihrer alten Band lediglich von Schlagzeug, Bass und Gitarre erzeugt.

Das Ergebnis sind heruntergestrippte Arrangements, bei denen die vielseitig gespielte, moderat verzerrte Gitarre, einzelne Effekte und natürlich Jasmins wandelbare Stimme mögliche Leerräume füllen. Songs wie „Sister“ oder „Falling Under“ klingen mit diesem Ansatz intim und zerbrechlich zugleich, „The Shame” setzt auf dezent tropfende Keyboards, um ein wenig Dramatik in den Refrain zu bekommen. „Holy Grove“ setzt auf schrammelnde Gitarren und reverbverhallte Leads, während „How Could You Tell?“ mit dem blockigen Riffing noch am ehesten an Jasmins ehemalige Band erinnert. Der Opener „Jaleihou“ hätte sich wiederum in der Bluesrock-Vergangenheit von JUDAS PRIEST gut gemacht. Beispielsweise.

Heruntergestrippte Arrangements

„Human“ ist also in seinem Rahmen recht vielseitig gehalten, und wenn die meisten Songs menschliche Schicksale und das Wesen des Menschseins behandeln, so wird jedes dieser „Schicksale“ in einen einzelnen Sound gepackt, kurz: Jeder Song klingt individuell. Dabei kristallieren sich ein paar Perlen heraus, wie die genannten „Jaleihou“, „Sister“, „How Could You Tell?“ und das abschließende „Holy Grove“.

Es gibt allerdings auch ein paar Aspekte, die sich dem geneigten Hörer nicht erschließen: Das Album mag zwar live eingespielt worden sein, aber die falschen Töne des Bassisten beim ansonsten gleichermaßen treibenden und gefühlvollen „Wandering Kind“ werden auch nach mehrmaligem Hören nicht richtiger. Davon lässt sich leider auch die Sängerin anstecken. Kurzum: Ein wenig mehr Präzision bei der Aufnahme hätte den natürlichen Flow des Albums sicher nicht gestört. Außerdem zeigt sich gleich beim Opener „Jaleihou“, dass der Mix bis in die rote Zone und darüber hinaus geht – bei aller Nostalgie, aber sind solche Verzerrungen nicht eher ein Problem jüngerer Produktionen?

„Human“ und der menschliche Faktor

Das sind leider zwei Punkte, die in die Gesamtwertung mit eingehen und das Endergebnis ein wenig eintrüben. Ansonsten ist „Human“ aber ein wirklich gelungenes Zweitwerk von JESS BY THE LAKE, dessen schöne Songs sicherlich acht Punkte verdient gehabt hätten. Hört einfach vorab rein, und wenn Ihr mit der Produktion leben könnt, addiert einfach noch einen Punkt dazu.

21.09.2026

- Dreaming in Red -

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