Killer - The Grand Finale
Review
Wer sein letztes Studioalbum „The Grand Finale“ nennt, lässt wenig Raum für Interpretationen. Nach mehr als vier Jahrzehnten wollen KILLER einen Schlussstrich unter ihre Studiokarriere ziehen. Dafür erfinden sich die belgischen Heavy-Metal-Veteranen erwartungsgemäß nicht noch einmal neu. Stattdessen gibt es auf dem Abschiedswerk genau das, wofür die Band seit den frühen Achtzigern steht: geradlinigen Heavy Metal, viel NWOBHM und noch mehr MOTÖRHEAD.
Ganz ohne Wehmut kommt dieser Abschied trotzdem nicht aus. KILLER-Mitgründer „Fat“ Leo verstarb erst im Februar 2026. Zudem versteht Paul „Shorty“ Van Camp „The Grand Finale“ ausdrücklich als Hommage an Lemmy – einen Einfluss, den die Band ohnehin nie versteckt hat.
KILLER laden noch einmal durch
„Loaded Gun“ macht seinem Namen entsprechend keine großen Umwege. Das Trio startet mit treibendem Rhythmus, rauer Stimme und einem Riff, bei dem Lemmys Geist von Anfang an ziemlich deutlich durch den Raum weht. Auch „Welcome In The Real World“ bleibt diesem Rezept treu, setzt aber noch stärker auf einen eingängigen Refrain und klassische Heavy-Metal-Melodien.
Beim Titeltrack wird es etwas melodischer. „The Grand Finale“ ist kein großes dramatisches Abschiedsepos, sondern ein ziemlich bodenständiger Heavy-Metal-Song – und gerade das passt eigentlich gut zu einer Band, die auch nach Jahrzehnten keinen Hang zu übertriebener Inszenierung entwickelt hat.
Eine deutlich andere Seite zeigt dagegen „Gone Too Soon“. Die Halbballade nimmt das Tempo heraus und wirkt mit ihrem bluesigen Unterbau merklich nachdenklicher. Zwischen all den geradlinigen Riffs sorgt der Song für eine willkommene Pause und gehört gerade deshalb zu den auffälligeren Momenten der Platte.
Lemmy lässt grüßen
Spätestens „Roll The Dice“ macht dann allerdings klar, wem „The Grand Finale“ musikalisch gewidmet ist. Lloyd „Lemmy“ von der MOTÖRHEAD-Tribute-Band MOTORHEADZ unterstützt Shorty am Mikro und bringt die Nähe zum Original endgültig auf die Spitze. Beim abschließenden „What You See Is What You Get“ übernimmt er den Leadgesang sogar komplett.
Dazwischen liefern KILLER mit „Hard Day Coming“, „Don’t Get Me Wrong“ und „The Fire Still Burns“ genau den schnörkellosen Heavy Metal, den man bei dieser Band erwartet. Gerade „Don’t Get Me Wrong“ punktet mit einem Refrain, der schnell hängen bleibt, während „In The Eye Of The Storm“ noch einmal ordentlich Raum für Shortys Gitarrenarbeit schafft.
Das alles macht Spaß, wirkt allerdings auch ziemlich vertraut. KILLER bewegen sich auf „The Grand Finale“ so nah an ihren eigenen Einflüssen, dass die Platte stellenweise eher wie eine ausgedehnte Liebeserklärung an MOTÖRHEAD und die frühe NWOBHM klingt als wie ein Album mit wirklich eigener Handschrift. Wer hier nach Überraschungen oder einer späten Neuerfindung sucht, dürfte entsprechend wenig finden.
Kein leiser Abschied
Andererseits wäre ausgerechnet beim letzten KILLER-Album ein stilistischer Kurswechsel vermutlich deutlich merkwürdiger gewesen. „The Grand Finale“ will nicht modern klingen und muss niemandem mehr etwas beweisen. Die zehn Songs sind einfach, direkt und hörbar mit Freude am klassischen Heavy Metal eingespielt.
Vielleicht fehlt der Platte am Ende der eine Song, der diesem Abschied tatsächlich etwas Großes oder Unvergessliches verleiht. Doch KILLER verabschieden sich zumindest so, wie sie über weite Strecken ihrer Karriere geklungen haben: laut, ehrlich und mit dem Fuß auf dem Gaspedal.
Für ein „Grand Finale“ fällt das Ergebnis damit vielleicht etwas weniger spektakulär aus, als der Titel vermuten lässt. Als bodenständiger Abschluss einer mehr als 40-jährigen Bandgeschichte funktioniert die Platte aber allemal.
Killer - The Grand Finale
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Heavy Metal |
| Anzahl Songs | 10 |
| Spieldauer | 38:43 |
| Release | 11.09.2026 |
| Label | High Roller Records |
| Trackliste | 1. Loaded Gun 2. Welcome In The Real World 3. The Grand Finale 4. Gone Too Soon 5. Roll The Dice 6. Hard Day Coming 7. Don't Get Me Wrong 8. The Fire Still Burns 9. In The Eye Of The Storm 10. What You See Is What You Get |
