Lillian Axe - XI: The Days Before Tomorrow

Review

Wie wir alle wissen, ist es leider längst nicht sicher, dass Bands, die im Laufe ihrer Karriere ausnahmslos edelste Werke abzuliefern im Stande sind, auch dementsprechend honoriert werden. Beispiele dafür, jahrelang unentdeckt von der breiten Maße geblieben zu sein, gibt es leider viel zu viele, eines der exquisitesten nennt sich für mein Dafürhalten fraglos LILLIAN AXE.

Meiner bescheidenen Meinung müssten diese Herren aus New Orleans bereits seit dem Jahr 1989 – genauer gesagt seit jenem Tag an dem sie mit „Love & War“ ihr zweites Album abgeliefert haben – ein Fixplatz im Rockolymp zugebilligt werden. Dieser Thron hätte zudem durch die beiden Früh-90er-Meilensteine „Poetic Justice“ und „Psychoschizophrenia“ eine zusätzliche Beton-Fundamentierung verdient – will sagen, eigentlich sollten LILLIAN AXE längst eine unsterbliche Größe sein.

Aus welchen Gründen auch immer die Herrschaften rund um Gitarrenhexer Steve Blaze noch immer eine Art Mauerblümchendasein fristen müssen, will ich aber erst gar nicht kommentieren. Fakt ist für mich jedenfalls, dass mit „XI: The Day Before Yesterday“ einmal mehr unter Beweis gestellt wird, welch‘ begnadeter Komponist der Mastermind an sich ist. Auch auf dem elften Dreher des Unternehmens kredenzt der Ami nebst Begleitmannschaft – bei der Sänger Brian Jones sein Debüt abliefert – einen bunten Strauß erfrischender, eingängiger Songs und die sind durch die Bank gelungen!

Stilistisch zeigt sich das Quintett einmal mehr als Grenzgänger, was für mich einer der wohl eklatantesten „Problemzonen“ bisher gewesen ist, wenn wir von „Erfolg“ sprechen. So wird zum einen auffällig, dass LILLIAN AXE sowohl im Mainstream-tauglichen Rock agieren (würden wahlweise NICKELBACK oder BON JOVI die Ballade „Bow Your Head“ am Start haben, bräuchten man wohl keine Woche zu warten ehe der nächste Nummer-Eins-Hit aus dem Äther dröhnt …), sehr wohl aber auch eine amtliche Hardrock-Schlagseite (DOKKEN zu deren Blütezeit, FREAK OF NATURE) aufweisen und obendrein auch melodischen, groovigen und progressiven Metal (QUEENSRYCHE zu „Empire“-Zeiten) und AOR aus dem Effeff beherrschen.

Noch viel auffälliger ist jedoch das perfekte Verquicken von Tradition und Moderne (wenn nur jeder Zehnte, der Bands wie ALTER BRIDGE für DIE Sensation schlechthin hält, auch hier zuschlägt, könnten die Herrschaften ihren Bekanntheitsgrad wohl vervielfachen …). Schelten für diese Band, wie zuletzt für die zu zeitgeistige Gestaltung von „Deep Red Shadows“ vor knapp zwei Jahren wird es nicht mehr geben, denn Steve Blaze hat es geschafft in seine neuen Songs auch jene Elemente einzubauen, für die man LILLIAN AXE (wenn auch erst Jahre später) zu honorieren wusste.

Ich bin entzückt, jawohl das bin ich!

14.01.2012
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