Lone Wanderer - Exequiae

Review

Auch mit ihrem dritten Album bleiben sich die Freiburger Congregations-Anbeter treu und liefern einen über 70-minütigen Koloss des Funeral Doom ab. „Exequiae” folgt dem Vorgänger „The Faustian Winter” auf dem Fuße und zelebriert den Genrekonsens in Reinform. Im Gegensatz zu vielen Death Doom-Bands halten LONE WANDERER das Tempo bewusst gedrosselt und entwickeln in ihrer Langatmigkeit elegische Harmonien, die sich in verträumter Traurigkeit zäh und unerbittlich in die Hirnwindungen schleifen.

Romatische Dunkelmalerei in Reinform

Bereits mit dem 25-minütigen Opener „To Rest Eternally” setzt die Band die Messlatte für die Scheibe sehr hoch, denn der Song ist trotz seiner Länge durchweg fesselnd, abwechslungsreich und verspielt. Er beginnt in bedrohlicher Zähigkeit und endet mit einem fast Shoegaze-artigen Ausstieg von ALCEST, der den Track überraschend schnell und ungewohnt ausklingen lässt.

Trotz der Lethargie wirkt das zweistimmige Gitarrenspiel sehr dynamisch. Es wirkt durchdacht und verleiht den zähen Riffstrukturen einen anspruchsvollen Mehrwert, der die Hörer:innen durchweg zu fesseln vermag. Trotz der Funeral-Doom-Tiefe gibt es genügend Abwechslung: „Existence Nullified” besitzt einen treibenden Death-Doom-Part, der dem Song ein dezentes Aufbäumen verschafft, ehe er wieder in elegische Dunkelmalerei verfällt. Auch „Epistemology Of The Passed” sprengt die klaren Grenzen des Funeral Doom und verfällt stellenweise in flotte Blackgaze-Passagen, die kräftig poltern.

Im Verlauf der Platte wird deutlich, wie tief die Band in ihrem Genre angekommen ist und nicht versucht, extravagant zu klingen. Vielmehr wird sehr durchdacht und facettenreich agiert. Der Fokus liegt immer auf der absoluten Schwere der Riffs, die von packenden Harmonien durchzogen sind und das menschliche Leiden auf düstere, aber sehr schöngeistige Weise zum Ausdruck bringen.

„Exequiae“ – erhabene Hymnen, gewidmet der menschlichen Verzweiflung.

„Exequiae” ist ohne Zweifel das bisher beste Werk der Band. Bei allem Fokus auf Funeral Doom gibt es im Verlauf der Songs extrem viel zu entdecken. Die erdige Produktion passt perfekt zur Musik und das stimmungsvolle Albumcover bildet auf romantische Art bildhaft die Prozession im Nebel ab, die auf Albumlänge zelebriert wird. Fans von Funeral Doom, die bereit sind, viel Zeit zu investieren, um in die Welten von LONE WANDERER einzutauchen, werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

26.01.2026

- perfection is the end of everything -

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