Morning Again - Hand Of The Martyr

Review

In den letzten Jahren stelle ich mir immer häufiger die Frage „Ist das jetzt Hardcore oder schon Metal“. Die Grenzen zwischen Metal und Hardcore sind zwar schon früher durchbrochen worden (bestes Beispiel wäre S.O.D. mit „Speak English Or Die“ von 1985), aber derzeit muß soetwas wie ein Trend im Hardcore-Bereich herrschen, hin zum Metalbrett. Viele Straight-Edge-Bands greifen heutzutage generell auf heftige Bratgitarren, Slayer-eske Riffs und sogar growlige Vocaleinlagen zu. Und da HATEBREED in aller Munde sind, dürfte dies auch weiterhin Bestand haben. Musikalisch passt dieses Album ideal in das heutige Bild als weiteres Metalcore-Release in der Veröffentlichungsflut. Doch „Hand Of The Martyr“ ist kein aktuelles Album, sondern ein Re-Release von alten Aufnahmen der mittlerweile aufgelösten Formation MORNING AGAIN. Die Aufnahmen stammen von 1996/97, also noch bevor HATEBREED einen Boom auslösten und unzählige Nachahmer fanden. Die beiden Studio-EP’s „Hand Of Hope“ und „Martyr“ wissen aufgrund hohem Härtelevels durchaus zu Gefallen. Das Material besitzt trotz der 5 Jahre auf dem Buckel alle Elemente die heutige Hardcore-Bands auszeichnet: Weniger Uptempo, dafür mehr Midtempo-Beatdown-Brett und metallische Riffs samt druckvollem Sound. Doch hier regiert nicht allein der Knüppel. Vielmehr sind (oder besser gesagt waren) MORNING AGAIN bemüht innerhalb der Songs häufig zu varieren, wobei der regelmäßige Einsatz von akustischen Gitarren als herausstehendes Merkmal zu nennen ist. Die 5 Livetracks am Ende dieser CD kann man als unnötigen Bonus abhaken. Die Liveaufnahmen zeichnen sich nämlich eher durch verstimmte Gitarren und technische Probleme aus als durch fetten Sound. Angesichts der Quantität kann man aber nicht meckern; über 70 Minuten in Europa unveröffentlichtes Songmaterial dürfte für Metalcorefans Kaufanreiz genug sein, zumal den Herren von MORNING AGAIN eine stilistische Vorreiterrolle zukommt.

18.10.2002
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