Musa Dagh - Endurance

Review

Ein Angriff ist es, was MUSA DAGH mit ihrem dritten Album „Endurance“ präsentieren. Denn Bandchef Aren Emirze spielt mit dem Feuer: Er komponiert Songs, die als Kombination von Noise Rock, deformiertem Hardcore und tollwütigem Ohrwurm von der Idee her schon nicht jugendfrei sind. Die verunsichern wollen und durchschütteln. Aber auch euphorisieren. Dazu überlässt er dem vielarmigen Verrückten Martin Kessler (u. a. ABWÄRTS) das Schlagzeug. Und ersetzt den formidablen, indes tendenziell dem Ohr schmeichelnden Gesang Aydo Abays durch einen passagenweise erschütternden Vortrag: Die Berliner Musikerin Sandra „Safi“ Fink, als Solokünstlerin bekannt und verehrt, kracht samt grollendem und schepperndem Bass in die Stücke MUSA DAGHs .

MUSA DAGH fordern

Was vor allem durch den emotionalen Gesang Safis bricht und zersplittert, wird nicht zerstört, sondern durch die scharfen Kanten gefährlicher, fordernder und packender. Safis Vocals zwischen eindringlichem Flüstern, Melodie und rauem, mitunter verzerrtem Geschrei transportieren permanent eine derartige Dringlichkeit, die es unmöglich macht, „Endurance“ nebenbei zu hören. Im Hintergrund irritiert die Platte, nervt sie, treibt sie dich in die Arme der Popmusik oder der Stille. „Endurance“ funktioniert auch nicht während des Versuchs, sie zu beschreiben. Dann sabotiert sie die Wörter. Sie fordert die volle Aufmerksamkeit. Wenn du es allerdings wagst und schaffst, MUSA DAGHs Neuer ein gebührendes Zeitfenster in den Alltag zu stanzen, dann könnte sie dich entflammen.

„Endurance“ fördert

Die im Kern durchaus straighten Songs von „Endurance“, sie haben die eingängigen Riffs und die memorablen Melodien. Aber sie sind derart energisch vorgetragen und mit Krach unterschiedlicher Couleur versetzt, dass du dir ihre Schönheit und gesundheitsfördernde Wirkung erarbeiten musst. Der Kracher „Beggars Banquett“ mit seinem Spannungsbogen ist dann ein stabiles Aggressionsventil, noch mehr entpuppt sich das durchdrehende „Guillotine“ ist eine Allzweckwaffe und das leise „Not Even A Name“ lässt dich auch nicht mehr los.
Ganz sachlich formuliert: MUSA DAGH sind im Jahr 2026 UNSANE, die keine Angst vor dem Label „Kunst“ haben – sie fürchten sich ja nicht einmal vor ihrer 90er-Indie-Sammlung. Ganz unten im Proberaum liegt eine CD von SYSTEM OF A DOWN, darüber wie gehabt ein ganzer Schwung Blunoise-Experimentierfreude. Das ist heiß.

04.09.2026
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